Wohnungsnot bremst Hilfsdienste

Einrichtungen der Behindertenarbeit wie das Haus Emmanuel in Jügesheim (im Hintergrund) sind angewiesen auf Betreuungskräfte im Freiwilligendienst. Madehiyatou Dermane aus Togo engagiert sich im FSJ. Claudia Kamer (rechts) ist froh, für die junge Frau überhaupt ein Zimmer gefunden zu haben – auch wenn es sehr teuer ist. Foto: pelka

Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen trifft den Verein Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach auf besondere Weise. Für Wohngruppen, von denen er auch in Jügesheim eine betreibt, findet er kaum noch junge Menschen aus dem Ausland, die sich im Freiwilligendienst engagieren. Denn die hier dringend gebrauchten Kräfte finden keine bezahlbaren Zimmer mehr.

Rodgau – „In der Regel muss ich den Leuten leider absagen“, schildert Claudia Kamer die Lage. „Ich finde einfach keine bezahlbaren Unterkünfte für sie.“ Die Leiterin des Fachdienstes Freiwilligendienste (FSJ/BFD) beim Verein Behindertenhilfe bedauert, dass die explodierenden Preise auf dem Wohnungsmarkt ihre Bemühungen um Kräfte für ein FSJ oder den Bundesfreiwilligendienst so sehr erschweren. Seit Jahren ist es geübte Praxis, dass junge Frauen auch aus dem Ausland in den Einrichtungen des Vereins den Freiwilligendienst antreten mit dem Ziel, eine Ausbildung in der Pflege zu machen und gut Deutsch zu lernen.

Die Knappheit an bezahlbaren Wohnungen bringt dieses System ins Wanken. Dabei werden die Nachwuchskräfte aus Afrika, Nepal oder Indonesien zum Beispiel in der Wohneinrichtung Jügesheim oder Offenbach dringend gebraucht. „In Offenbach ist gerade eine Stelle frei, die ich nicht besetzen kann“, erläutert Kamer.

Oft kommen die jungen Frauen als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland. Im Anschluss daran suchen sie Möglichkeiten, sich in anderen Berufen zu etablieren und bewerben sich bei der Behindertenhilfe, da sie um den Mangel an Betreuungskräften wissen.

Im FSJ kommen die Mitarbeiter auf 440,50 Euro netto im Monat. Für ein Zimmer müssen sie etwa genauso viel bezahlen. So ergeht es aktuell zum Beispiel Madehiyatou Dermane. Die 22-Jährige kam vor vier Wochen aus ihrer Heimat Togo nach Offenbach. Seit 1. November arbeitet sie im Wohnheim an der Senefelder Straße mit. Als Stütze in der Eins-zu-Eins-Betreuung geht sie mit Bewohnern spazieren, sie spielt mit ihnen Gesellschaftsspiele, bereitet mit ihnen das Essen vor, kocht mit der Gruppe und hilft in der Pflege.

Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin kann sich ihr Zimmer nur leisten, weil der Verein Behindertenhilfe einen Wohnkostenzuschuss zahlt „Das ist auf Dauer aber keine Lösung“, weiß Claudia Kamer.

FSJ-ler aus Deutschland hätten den finanziellen Vorteil, dass deren Eltern Anspruch auf Kindergeld bis zum Ende des 26. Lebensjahres ihres Sohnes oder ihrer Tochter hätten. „Dieses Geld fällt bei Bewerberinnen aus dem Ausland aber weg. Das macht alles noch komplizierter.“

Die Diplompädagogin schöpft zwar alle Mittel aus und zapft selbst private Kontakte bei der Zimmersuche an: „Langsam wissen wir aber nicht mehr weiter. Wer günstig vermieten kann, soll sich bitte melden.“ Kontakt unter:
Z  0178 1416660

VON BERNHARD PELKA