Über 100 Jahre Streit Ausstellung zur Altstadt im Deutschen Architekturmuseum

Peter Cachola Schmal, Philipp Sturm und Moritz Röger vor einem Bild aus dem Jahr 1961. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Was ist auf dem 8000 Quadratmeter großen Areal zwischen St. Bartholomäus und dem Rathaus seit 1900 geschehen? „Das Gebiet erlebte eine sprunghafte Geschichte, wie selten in Frankfurt. Mal sehen, was in den nächsten 30 Jahren passiert“, führte Direktor Peter Cachola Schmal in die Ausstellung „Die immer Neue Altstadt“ im Deutschen Architekturmuseum ein.

Schmal stand mit Kurator Philipp Sturm und Ko-Kurator Moritz Röger vor einem großen Schwarz-Weiß-Foto, aufgenommen 1961: Vom Turm des Doms fällt der Blick in Richtung Römerberg auf einen Riesenparkplatz. Hier stand einmal Frankfurts Altstadt. „Vor etwa zwei Jahren hatte ich die Idee, etwas zur Altstadt zu machen. Der Gedanke wurde im Architekturmuseum mit Skepsis aufgenommen, das Konzept aber genehmigt“, gestand Philipp Sturm. Um 1893 startet der Ausstellungsweg, um diese Zeit begann die technische Moderne. Für die Gestaltung der Exposition gibt es zwei Ebenen; außen zieht sich „glänzend weiß, entromantisiert und artifiziell“, wie es im Pressetext heißt, ein Gang mit Zitaten in goldenen Lettern um den Kern, der in sechs Stationen gegliedert ist.

Nach Schleifung der Stadtmauer Anfang des 19. Jahrhundert zog das vermögende Bürgertum Frankfurts an die Ränder der Stadt. Die bis dahin bestehende soziale Mischung wurde aufgelöst; in der engen Altstadt blieben die Armen wohnen. Zwischen 1880 und 1912, zu Zeiten der Oberbürgermeister Miquel und Adickes, entstanden neue Straßen, Brücken, die Kanalisation, Westhafen und Hauptbahnhof. Ein neues Rathaus wurde notwendig, der Durchbruch in der Braubachstraße brachte den Anschluss der Altstadt an die Straßenbahn. Um 19004/05 wurden etwa 100 alte Häuser abgerissen.

Zerstörung der Altstadt durch alliierte Bomben

Das neue Rathaus war ein Anbau an den Römer, eine architektonische Fortsetzung der Altstadt. „Zurzeit wird ja auch über die Rekonstruktion des einen Rathausturms, des ‚Langen Franz’ diskutiert“, bemerkte Sturm. Doch die Moderne wollte auch zum Zuge kommen, musste sich jedoch noch Jahre gedulden.

„Altstadtvater“ Fried Lübbecke gründete 1922 den „Bund tätiger Altstadtfreunde“, der sich um Erhaltung und Sanierung bemühte. Ernst May schlug eine Teilsanierung vor, sein Team erarbeitete jedoch zunächst ein Kataster über den Zustand der Häuser und ihrer Bewohner. 1927 baute May das Hauptzollamt – sonst passierte wenig in der Altstadt. Ab 1933 wurde „biologisch“ vorgegangen, Abriss und Sanierung wurden nun forciert und unerwünschte Bevölkerungsgruppen vertrieben. Die Zerstörung der Altstadt durch alliierte Bomben war schmerzlich, schuf aber Freiraum für neue Planungen.

Goethehaus und Paulskirche wieder aufgebaut

Goethehaus und Paulskirche wurden als erstes, begleitet von vielen Debatten, wieder aufgebaut, um den Dom entstanden in den 1950er Jahren moderne Wohnzeilen. 1963 gab es einen ersten Wettbewerb zum Dom-Römerberg-Bereich. Wegen der Wirtschaftskrise wurde das Technische Rathaus erst 1974 fertig, ein zweiter Bauabschnitt wurde gar nicht realisiert. Bis 1884 wurde die Ostzeile wieder aufgebaut, die Denkmalpflege stellte sich gegen dieses Projekt, das auch bei den Architekten umstritten war. Denn am anderen Mainufer entstanden Museen. Aber das Bild Frankfurts als „Bankfurt, Krankfurt, Junkfurt“ sollte politisch aufgehübscht werden. Bis 1986 wurde die Schirn als postmoderne Kunsthalle errichtet.

Ab 2005 diskutierte die Stadtgesellschaft über eine Rekonstruktion der Altstadt. Der Beschluss zum Abriss des Technischen Rathauses und zum Aufbau von 35 Häusern – 15 als „schöpferische Nachbauten“ und 20 Neubauten im alten Stil – wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Nun steht die etwa 200 Millionen Euro teure Neue Altstadt und wird in einem dreitägigen Fest gefeiert. Beruhigen wird das die Kritiker nicht, die 80 hoch subventionierte Wohnungen fehlenden Mitteln im sozialen Wohnungsbau gegenüberstellen. Die Ausstellung im Haus am Schaumainkai 43 ist bis zum 10. März zu sehen und wird von einem abwechslungsreichen Programm begleitet.

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