Mögliche Weltbeherrschung und notwendige Beschränkung DAM zeigt die Ausstellung „Märklinmoderne“

Daniel Bartetzko erklärt die moderne Mega-Stadt im DAM. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Modelleisenbahn. Bei diesem Begriff leuchten bei den einen die Augen, und Kindheitserinnerungen werden wach. Andere haben das Klischee vom stundenlang im Hobbykeller beschäftigen, etwas spießigen Bastler im Kopf. In der Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) geht es nicht um Lokomotiven und Waggons der Spuren 00, H0, N, TT und Z, sondern um die Architektur auf der Platte.

 „Das Haus im Haus in der dritten Etage des DAM versammelt eine bunte, avantgardistische Modellbauwelt. Und draußen an den Fenstern blühen Geranien“, erklärte Kurator Oliver Elser. Tatsächlich besteht die von Gerald Fuchs aus hunderten Bausätzen, gefunden im Internet und auf Flohmärkten, zusammengebaute Welt aus ganz erstaunlichen Gebäuden. Die Illusion wird durch ein Foto von Hagen Stier komplettiert; auf dem Großformat mischen sich Modelle und Wirklichkeit. Was auffällt: Die Moderne mit ihren Hochhäusern, Rasterfassaden, Glaskuppeln und Hubschrauberlandeflächen ist schön.

Die winzig kleinen Menschen dazwischen scheinen diese ihre Mega-Stadt zu mögen, scheinen sich wohlzufühlen im Wolkenkratzer und im Reihenhäuschen, beide stehen friedlich nebeneinander. „Als in den 1950er Jahren Kunststoffspritzguss die Papp-Bausätze ablöste, war das ein enormer Fortschritt“, erklärte Elser. Tonnenschwere Stahlformsammlungen sind die Schatzkammern der Modellproduzenten.

Platte mit fahrenden Eisenbahnen bewundern

Beispielhaft ist die Firma Faller. Die Faller-Brüder sahen in den 1960er Jahren eine Villa in Ambri nahe des Gotthardtunnels, gebaut 1958 nach Entwürfen von Aldo und Alberto Guscetti. Hermann Faller war vom futuristischen Haus begeistert; er ließ sich selbst eine ähnliche Villa im Firmensitz Gütenbach im Schwarzwald bauen und entwickelte einen Modellbausatz: Für 4,75 D-Mark konnte sich nun jeder eine „Villa im Tessin“ im Maßstab 1:87 leisten. 400 000 Stück wurden davon verkauft, diese Villa wird zum Inbegriff moderner Architektur, die sich gut in die Umgebung einfügt. In der Mega-Stadt von Gerald Fuchs wird die Villa beispielsweise abgewandelt zum Reihenhaus. „Zurzeit ist die ‚Villa im Tessin’ vergriffen, soll aber wieder aufgelegt werden“, erklärte Kurator Daniel Bartetzko.

„Mit dieser Kirche bin ich für die Ausstellung gewonnen worden“, wies Kuratorin, Kunsthistorikerin und Theologin Karin Berkemann auf ein Foto. Nebeneinander stehen zwei Kirchen; ein Faller-Modell und die tatsächlich errichtete, 1965 geweihte moderne Kirche in Gütenbach. Viele Geschichten stecken hinter den Modellen, es gibt immer wieder Bezüge zur Wirklichkeit, das verdeutlicht der Untertitel der Ausstellung: „Vom Bau zum Bausatz und zurück“. Eine Platte mit fahrenden Eisenbahnen ist natürlich ebenfalls zu bewundern. „Die habe ich im Keller meines Onkels gefunden, es gibt ein Bild dazu, auf dem er mit leuchtenden Kinderaugen vor der Platte steht“, erzählte Daniel Bartetzko, der die Platte renovierte und komplettierte: „So entstand Gemeinschaftshausen.“

Projekt des Online-Magazins moderneRegional

Eigentlich gäbe es zwei Gruppen von Modelleisenbahnern, die einen fahren lieber, die anderen bauen lieber, bemerkte Berkemann. „Der bauende Modelleisenbahner hat einen unschätzbaren Vorteil. Er entscheidet, was auf der Platte entsteht, es ist seine Welt. Von Statik, Maßstabstreue, Umwelt kann er abstrahieren. Doch wenn es logisch aussehen soll, muss man ein bisschen schummeln. Das ist erlaubt, solange es im Rahmen bleibt.“ „Ich habe mich schon gewundert und den Eingang in dieses Haus auf den Sockeln gesucht“, bemerkte eine Besucherin. „Oh, es gab tatsächlich Treppen, die nach oben führten. Die sind beim Aufbau abgefallen. Das wird aber noch repariert“, antwortete Bartetzko. Die Ausstellung „Märklinmoderne“, ein Projekt des Online-Magazins moderneRegional, ist bis zum 9. September im DAM am Schaumainkai 43 zu sehen.

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