In Erinnerung an Ernst May

Forum „Neues Frankfurt" soll informieren und beraten

Julius Reinsberg, Ina Hartwig und Mike Josef mit der Wort-Bild-Marke für das Forum Neues Frankfurt. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Runde Jubiläen werfen lange Schatten voraus. Gut beraten ist der, dem rechtzeitig ein griffiges Konzept zur Verfügung steht. Gemeinsam wollen Kulturdezernat mit Ina Hartwig an der Spitze, das von Mike Josef geführte Planungsdezernat und die 2003 gegründete ernst-may-gesellschaft mit der neuen Einrichtung Forum Neues Frankfurt an jene fünf Jahre von 1925 bis 1930 erinnern, in der May (1886 bis 1970) als Siedlungsdezernent wirkte. 

Erfolgreich, denn in dieser Zeit entstanden in 22 Siedlungen 15 000 neue Wohnungen. Oberbürgermeister Ludwig Landmann hatte den in Frankfurt geborenen May, der in Breslau erste Erfahrungen im Siedlungsbau erworben hatte, nach Frankfurt berufen. In äußerst kurzer Zeit entstanden die Römerstadt – heute Sitz der ernst-may-gesellschaft in der Hadrianstraße, im gleichen Haus auch das Forum Neues Frankfurt –, Praunheim, Westhausen, der Bornheimer Hang, um nur die größten zu nennen. Doch im Neuen Frankfurt ging es nicht nur um schnellen, günstigen und wertigen Wohnungsbau.

„Das Neue Frankfurt wird nicht als Ableger des Bauhauses betrachtet, es steht für ein tiefgreifendes und vielfältiges Erneuerungsprojekt“, erklärte Ina Hartwig. Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus, dem es um die Zusammenführung von Kunst und Handwerk in den Bereichen Architektur, Kunst und Design ging, hatte natürlich Auswirkungen auf das Neue Frankfurt. So entwarf der Bauhaus-Schüler Christian Dell die Rondella-Leuchten für das Neue Frankfurt und leitete die Metallwerkstatt der Städelschule.

Adolf Meyer kommt vom Bauhaus

Ebenfalls vom Bauhaus kommt Architekt Adolf Meyer, der 1926 Baurat in Frankfurt wurde und Dozent an der Städelschule. „Außerdem fand 1925 im Frankfurter Waldstadion die Internationale Arbeiterolympiade statt, 1927 veranstaltete die Stadt den ‚Sommer der Musik’ mit internationaler Beteiligung“, sagte Hartwig. May gelang es zudem, 1929 den zweiten internationalen Kongress für moderne Architektur nach Frankfurt zu holen. 1930 ging Ernst May mit einigen seiner Mitarbeiter in die Sowjetunion, später entwarf er Gebäude für Nairobi. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er wieder nach Deutschland zurück.

2019 werden das Museum Angewandte Kunst, das Deutsche Architekturmuseum und das Historische Museum Ausstellungen zeigen, die sich mit dem Neuen Frankfurt beschäftigen, kündigte die Kulturdezernentin an. Gegenwärtig gibt es bereits die Vortragsreihe „Akteure des Neuen Frankfurt“ im Institut für Stadtgeschichte. Das Forum Neues Frankfurt hat auch eine eigene Wort-Bild-Marke, Vorbild war der 1925 vom Leiter des grafischen Büros der Stadtverwaltung, Hans Leistikow, geschaffene stilisierte Frankfurter Adler. Und natürlich ist die Schrift dazu die von Paul Renner entworfene Futura.

„Wir, Kulturdezernat, Planungsdezernat und ernst-may-gesellschaft, haben uns erstmals 2016 zusammengesetzt und überlegt, wie das Erbe von Ernst May stärker gepflegt werden kann. Wir können von May und seinen Kollegen lernen“, berichtete Mike Josef. May stand 1925 vor ähnlichen Herausforderungen wie die heutigen Stadtplaner – gegenwärtig fehlen 40 000 Wohnungen; allerdings gab es damals noch viel freie Fläche, heute ist das anders. Vor 100 Jahren wurde die Nutzung noch getrennt, heute ist eine gute Mischung gefragt. Nach wie vor gilt jedoch, „Bezahlbarkeit und Qualität zusammen zu bringen“, wie Josef sagte. Und Grünflächen spielten bereits 1920 eine Rolle, sie sollen auch 100 Jahre später erhalten werden – so wie der Grüngürtel, der nicht angetastet werden darf.

Architekturpreis für für bezahlbares und gutes Wohnen  ausgelobt 

Die Stadt, das Deutsche Architekturmuseum und die ABG Frankfurt Holding haben einen Architekturpreis für bezahlbares und gutes Wohnen unter dem Titel „Wohnen für Alle: Neues Frankfurt 2018“ ausgelobt. Europäische Architekturbüros können sich bis zum 16. Februar 2018 mit ihren Projekten bewerben. Im März wird eine erste Jurysitzung, im Juli 2018 eine zweite stattfinden. Bis zu drei Sieger können ihre Projekte dann auf einem Areal im Hilgenfeld zwischen Frankfurter Berg und Bonames ab 2019 realisieren.

Julius Reinsberg, seit 2013 Geschäftsführer der ernst-may-gesellschaft und nun auch des Forums Neues Frankfurt, äußerte: „Wir wollen das Neue Frankfurt als Großstadtutopie zeigen.“ Dabei richte sich das Forum an Fachleute und Interessierte gleichermaßen. In einem Schauraum werden Objekte, Pläne und Zeitschriften wie beispielsweise die von 1926 bis 1933 erschienene „Das Neue Frankfurt. Monatsschrift für die Fragen der Großstadt-Gestaltung“ gezeigt. „Die Zeitschrift erschien in drei Sprachen und war europaweit verbreitet“, ergänzte Reinsberg. Das Neue Frankfurt ist nicht nur eine spannende Historie, sondern auch ein weites Lernfeld.

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