Bundesministerium für Gesundheit fördert Vorhaben Frankfurter Projekt soll Suizidrate um ein Drittel senken

Dr. Christine Reif-Leonhard (von links), Dr. Christiane Schlang, Prof. Dr. Marcel Verhoff, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, Prof. Dr. Andreas Reif und Prof. Dr. Jürgen Graf stellen das Projekt Frappe vor. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – „Noch immer ist Selbsttötung ein Tabuthema der modernen Gesellschaft“, sagte Professor Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt. Rund 90 Selbsttötungen jährlich – zwei Drittel davon Männer – werden in Frankfurt registriert. „In der Bundesrepublik sind es 10.500 im Jahr, die Versuche liegen bei über 200.000“, nennt Professor Dr. Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum und Vorsitzender des Bündnisses gegen Depression Frankfurt Zahlen. 

Er stellt Frappe vor, das Frankfurter Projekt zur Prävention von Suiziden mittels evident-basierter Maßnahmen. So sperrig der Name, so einleuchtend die Inhalte: Wirksame Prävention, gute Vernetzung und entsprechende Ausbildung sollen die Suizidrate in der Region um ein Drittel senken. „In vielen Fällen von Selbsttötung sind Depressionen die Ursache. Ein prominentes Beispiel ist Robert Enke, der sich vor acht Jahren tötete.“ Vergleichende Zahlen, erläuterte Prof. Dr. Reif, seien erschreckend; bei Autounfällen sterben 4000 Menschen jährlich, an Aids 650, ermordet werden 400 – und das nur in der Bundesrepublik.

Risikogruppen sind ältere, alleinstehende Männer, Menschen in akuten Lebenskrisen, Menschen mit Suiziden oder Suizidversuchen in der Familie, aus psychiatrischen Kliniken Entlassene und Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen wie Depression und bipolare Störungen, Suchtleiden und Psychosen. „Depression nimmt einem die Freiheit, die man sonst hat. Es gibt jedoch gute präventive Maßnahmen, die keine Milliardeninvestitionen wie im Straßenverkehr notwendig machen“, erklärte Prof. Dr. Reif. Das über 1,158 Millionen Euro teure Programm Frappe, das sich über den Zeitraum von drei Jahren erstreckt, wird vom Bundesministerium für Gesundheit mit 783.000 Euro gefördert. 

Gemeinsam für die Suizidprävention

„Die meisten Gelder werden für die Aus- und Fortbildung entsprechenden Personals verwendet“, sagte Prof. Dr. Reif. Im „Frankfurter Trio zur Suizidprävention“ arbeiten Frappe, Frans, das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention, und das Bündnis gegen Depression zusammen. „Es gibt vier Millionen von Depression betroffene Menschen in Deutschland, doch nur wenige werden adäquat behandelt“, sagte Prof. Dr. Reif. Das soll sich ändern. „Wir in Frankfurt begreifen die Suizidprävention als kommunale Aufgabe, das ist in Deutschland einmalig“, erklärte Dr. Christiane Schlang, sozialpsychiatrischer Dienst beim Gesundheitsamt Frankfurt.

2014 wurde das Netzwerk Frans gegründet, inzwischen arbeiten über 70 Organisationen mit. „Es gibt viele Angebote zur Suizidprävention, eine bessere Übersicht ist notwendig“, betonte Dr. Schlang und verweist auf die Webseite www.frans-hilft.de. „Hausärzte spielen in der Prävention eine große Rolle. 75 Prozent der Suizidopfer waren im Jahr davor beim Hausarzt. Deshalb ist das Erkennen von Depressionen so wichtig. Die Hausärzte müssen besser vorbereitet werden“, forderte Professor Dr. Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität. 140 Lehr- und Forschungspraxen gäbe es in Südhessen. „Leichenschau und Obduktion liefern wichtige Erkenntnisse“, bemerkte Professor Dr. Marcel Verhoff, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum.

Schulungen für Patienten geplant

Dr. Christine Reif-Leonhard, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, berichtete vom Zusammenschluss von fünf Kliniken in Frankfurt. „Wir betreuen insgesamt 180.000 Einwohner, wollen offene niederschwellige Sprechstunden einrichten und eine 24-Stunden-Hotline anbieten. Außerdem sind Schulungen für Patienten und Angehörige geplant.“ Doch alle Gesprächsteilnehmer wissen auch: Die psychiatrische Versorgung ist dramatisch. Deshalb sollen psychologische Psychotherapeuten eingebunden werden und ebenfalls Sprechstunden anbieten.

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