Kapitän HAL und der Denkmalschutz Hans und Erica Leistikows Grab konnte erhalten werden

Dieter Wesp vor dem maroden Haus, in dem ehemals die Leistikows wohnten Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Erinnert sich noch jemand an den stilisierten weißen Adler auf rotem Grund, das auf Grundformen reduzierte Frankfurter Stadtwappen? Hans Leistikow hat es um 1925 geschaffen, gehörte damals zur Gruppe um Stadtbaurat Ernst May. Die Stadtplaner, Architekten und Grafiker fühlten sich der „neuen Sachlichkeit“ verpflichtet, schufen das „Neue Frankfurt“ – nicht nur Bauvorhaben, sondern auch Name einer von Hans Leistikow und seiner Schwester Grete von 1925 bis 1930 herausgegebenen Zeitschrift.

In nur fünf Jahren, bis 1930, erstanden 10.000 Wohnungen – eine erstaunliche Zahl für die Stadt mit damals etwa 541.000 Einwohnern. Der Geburtstag Hans Leistikows jährt sich am 4. Mai zum 125. Mal, sein Todestag am 22. März 2017 zum 55. Mal.

Das Grab von Hans Leistikow und seiner Frau Erica liegt auf dem Südfriedhof. „Zufällig entdeckten wir im Frühjahr 2015 den kaum noch lesbaren Grabstein mit einem Aufkleber, der die Ruhestätte zur Beseitigung kennzeichnete. Das Grab war 2013, 20 Jahre nach dem Tod von Erica, abgelaufen“, erzählt Stadtführer Dieter Wesp. Spontan schlossen sich neun Interessierte zum Leistikow-Kollektiv zusammen, übernahmen die Patenschaft für das Grab, reinigten vorsichtig den Grabstein und entwarfen einen Rahmen aus Corten-Stahl, nachempfunden den von Leistikow entworfenen Fenstern des Frankfurter Doms: Zwei nochmals in zwei Dreiecke geteilte Quadrate, die entsprechend unterschiedlich bepflanzt wurden. Nun geriet auch Leistikows Haus, bis zur ihrem Tod 1993 von Erica Leistikow bewohnt, ins Blickfeld.

Blick auf Frankfurter Küche

„Das Haus gehört zu einem Komplex, der aus drei Gebäuden besteht, rechts und links befinden sich die Bungalow-Villen der Architekten Giefer und Mäckler“, erklärt Wesp. Diese 1953 erbauten Häuser stehen gut und gepflegt da, während das Haus in der Mitte verfällt. Durch schmutzige Fensterscheiben kann man einen Blick auf eine Art Frankfurter Küche erhaschen.

„Das Haus sollte unter Denkmalschutz gestellt werden“, fordert Wesp. Der Eigentümer ist offensichtlich seit Jahren nicht an dem zunehmend marode werdenden Haus interessiert. Und die Stadt? Dabei hätte Frankfurt allen Grund, das Andenken an ihren Stadtgrafiker hoch zu halten. Hans und Grete Leistikow gingen mit ihren Ehepartnern 1930 mit Ernst May und Teamkollegen in die Sowjetunion. Doch die Träume erfüllten sich nicht, das Klima verschärfte sich für Intellektuelle und Ausländer Mitte der 1930er Jahre. 1937 wurden Hans und Grete Leistikow mit ihren Ehepartnern ausgewiesen und kamen nach Deutschland zurück.

Spuren in Frankfurt

Sie schlugen sich bis Kriegsende irgendwie durch, kamen wieder nach Frankfurt. Hans Leistikow wurde erneut Stadtgrafiker und erhielt eine Professur an der Staatlichen Werkakademie Kassel, er fuhr abwechselnd eine Woche nach Nordhessen, blieb eine Woche in Frankfurt. Auf dem Riedberg gibt es seit 2011 eine Hans-Leistikow-Straße.

Schon viel länger hat der Gestalter seine Spuren in Frankfurt hinterlassen; neben Entwürfen für Plakate, Formulare, Briefpapier, Eintrittskarten, Zeitschriften und Einladungen in den späten 1920er Jahren war es Leistikow, der nach 1945 die Neuverglasung für den Frankfurter Dom St. Bartholomäus und die Westendsynagoge entwarf. Chorfenster und Altarwand der Maria-Hilf-Kirche, die erneuerten Fenster im Hauptzollamt und die Fenster der Allerheiligenkirche stammen ebenfalls von ihm. Außerdem gestaltete er Buchumschläge für verschiedene Verlage.

Das Fischmosaik an der Christ-König-Kirche in Praunheim ist ein Hinweis auf die Vorliebe für Maritimes. Zwischen 1938 und 1945 fertigte Leistikow in Schabtechnik die Serie „Die Schiffe des Kapitän HAL“. „Dieser Name geht auf eine Empfehlung seines Professors Hans Poelzig, bei dem er in Breslau studierte, zurück. Der riet ihm: ‚Du musst ein Pseudonym finden, sonst wirst du immer mit deinem Maler-Onkel Walter Leistikow verwechselt.“ Hans Leistikow wählte HAL.

Das Leistikow-Kollektiv ist zurzeit dabei, ein im Nachlass entdecktes Manuskript im Selbstverlag zu veröffentlichen. Fotografien und Zeichnungen komplettieren das schmale Büchlein. Bleibt zu hoffen, dass auch das Haus bald von den Denkmalschützern entdeckt wird.

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