Heimspiel in der Commerzbank-Arena

Hollywood-Komponist Hans Zimmer begeistert Frankfurt

Hans Zimmer am Klavier. Archivfoto: Heikki Saukkomaa/Lehtikuva/dpa

 

Sachsenhausen (skk) – Wenn am Freitag noch bei irgendwem Unklarheit über die Herkunft von Hollywoods Starkomponisten Hans Zimmer geherrscht hatte, so wischte sie der Großmeister der Fimmusik mit einer einfachen, aber dafür umso sympathischeren Geste beiseite: „Ich bin auch ein Frankfurter“, sprachs und präsentierte sich stolz im Eintracht-Trikot. Tatsächlich ist der Oscar-Preisträger ein gebürtiger Frankfurter Bub – und der spielte nicht nur im SGE-Dress, sondern auch in deren Stadion. Seinen opulenten Stücken und virtuosen Musikern zum Trotz zeigte sich dabei jedoch auch: Die Commerzbank-Arena bringt eben Fußball-Fangesänge besser zur Geltung als orchestrale Filmmusiken. 

Hans Zimmer ist für sein Lampenfieber bekannt. Jahrzehntelang zog es ihn deshalb nur ins Tonstudio, aber nie auf die großen Bühnen. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum er – jetzt, da die Angst überwunden scheint – so herrlich unprätentiös auftritt. So zeigte sich auch in Frankfurt: Der große Mann aus Hollywood ist einfach keine Rampensau. Vor über 19.000 Zuschauern hätte es sein Abend werden können, wurde aber der seiner Musik. Statt Scheinwerferlicht suchte Zimmer die Nähe zu seinen Musikern, seinem Chor, seinem Orchester. Statt einstudierten Anmoderationen geriet er so ins Plaudern und Schwärmen über sein Ensemble und die Entstehungsgeschichten der Stücke, dass sich Wörter überschlugen und Sätze kein Ende fanden. Dann wieder eilte er noch im Reden vom Mikrofon weg, den Musikern oder einem neuen Instrument entgegen. Hier stand eindeutig kein abgehobener Entertainer auf der Bühne, sondern ein Musiker mit Leib und Seele. Für knapp drei Stunden war es so, als hätte Hans Zimmer die gesamte Commerzbank-Arena in sein kleines Studio geholt, in dem er mit seinen besten Freunden musiziert. Nicht, weil er Geld verdienen muss. Weil es ihm Freude bereitet.

Highlight „Video Killed The Radio Star“

Mit geschlossenen Augen in die Melodien am Klavier versunken, mit der Gitarre zwischen seinen Musikern und dem Banjo über die Bühne wuselnd ließ der Hollywoodstar Musiken aus Filmen wie „Sherlock Holmes“ und „Der König der Löwen“ erklingen. Als Stargast war Sängerin Lisa Gerrard angereist, die in reich besticktem Goldmantel ihren Part aus „Gladiator“ vortrug. Skurriles Highlight war aber Zimmers gemeinsamer Auftritt mit Trevor Horn, Gründungsmitglied der Buggles, bei dem sie ihre eigene Interpretation von „Video Killed The Radio Star“ zum Besten gaben.

Richtige Gänsehaut-Momente blieben allerdings rar. Zu oft verpuffte die Bombastik der Filmmusiken durch mangelhafte Akustik. Feine Nuancen und Melodien gingen zu oft unter. Je nach Sitzplatz hörte man Captain Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ eher den Main hinunter segeln als volle Fahrt auf die sieben Weltmeere nehmen.

„Seid mehr spielerisch"

In manchen Fällen sprang das eigene Kopfkino auch nur zaghaft an, weil Hans Zimmer einige seiner Werke in neuen Arrangements präsentierte. Das neue „The Dark Knight“ war beispielsweise nicht schlechter als das Original, aber für einige Filmfans im Publikum eher überraschend – hatten sie doch mit anderem gerechnet.

Nichtsdestotrotz ist Hans Zimmer ein Phänomen, im Studio und auf der Bühne. Und wie er auch in Frankfurt in einem Mix aus Deutsch und Englisch sagte: „Seid mehr spielerisch. Habt mehr fun. Go crazy!“ – auf seinem Konzert war er das beste Beispiel. Hans Zimmer macht keine Musik. Er lebt sie. 

 

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