Teilzeitausbildungen für Mütter sind eine Chance für die berufliche Zukunft „Nächstes Jahr studiere ich“

Neue Ausbildungswege trotz Kind: (von links) Kristina Stolz, Nermin Ibrahim, Kerstin Einecke, Luana Dos Santos, Claudia Czernohorsky-Grüneberg und Tihtina Ayere. Foto: jf

Sachsenhausen (jf) – Die vier jungen Frauen und Mütter strahlen. Zu recht sind sie stolz auf das, was sie erreicht haben. Seit 20 Jahren gibt es die Teilzeitausbildung beim Verein zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF), seit 2005 ist diese Möglichkeit auch im Berufsbildungsgesetz bundesweit verankert. „Seit Jahren arbeiten wir mit dem VbFF gut zusammen“, erklärte Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenters. Das betreut zurzeit über 75.000 Personen in Bedarfsgemeinschaften mit Grundsicherung nach SGB II. „Darunter sind auch 22.000 Kinder und über 6.000 Geflüchtete“, unterstrich Czernohorsky-Grüneberg. Verstärkt sind gerade bei Letzteren individuelle Förderungen gefragt. „Menschen brauchen Zeit, gerade wenn sie aus unterschiedlichen Kulturen kommen.“ Dabei stehe das Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund. Teilzeitausbildung und -arbeit sowie Kinderbetreuung haben einen hohen Stellenwert. „Nicht nur das Jobcenter, auch die Unternehmen sind als Partner gefragt“, betonte die Geschäftsführerin. Ihre Amtskollegin Kerstin Einecke vom VbFF stellte fest: „Seit 1978 gibt es den VbFF, es hat sich einiges bewegt, an vielen Fronten müssen wir noch kämpfen. Beispielsweise ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit bei Frauen noch immer nicht gewährleistet.“ Die Teilzeitausbildung sei gerade für Mütter und für Geflüchtete wichtig. „Seit 2015 gibt es diese und weitere Projekte auch für über 25-jährige Geflüchtete. Wir wollen uns für Bedarfsgemeinschaften öffnen und Sprache besonders fördern“, sagte Einecke. Zurzeit befinden sich rund 120 Teilnehmerinnen in drei Ausbildungsgängen, davon ist ein Drittel integrativ. Seit drei Jahren gibt es die begleitete Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Kristina Stolz, 29, hat eine vierjährige Tochter und gerade ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement abgeschlossen und ist beim VbFF angestellt. „Eine Teilzeitausbildung war schwierig zu finden, bis ich auf den VbFF traf. Der Verein bot mir viele Hilfen an, ich erhielt beispielsweise Einzelunterricht in EDV. Das erste Gehalt war schon ein tolles Gefühl und hat mich stolz gemacht.“

Die 27-jährige Luana Dos Santos hat eine achtjährige Tochter und einen 16 Monate alten Sohn. „2014 habe ich meine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement in Teilzeit angefangen. Eigentlich hatte ich eine Freundin zum VbFF begleitet und schließlich selbst Interesse an den Angeboten.“ Mit zwei Kindern sei die Ausbildung nicht einfach gewesen. „Aber ich habe es geschafft und auch privat viel dazugelernt“,sagt sie. Ihr nächstes Vorhaben ist ein Englischkurs, dann will sie weitersehen.

„Wir beraten die Frauen auch nach Abschluss der Ausbildung weiter“, schaltete sich Kerstin Einecke ein. Eine Frau, die 1978 eine der ersten Auszubildenden war, ist heute in einer Leitungsfunktion tätig. 90 Prozent der Teilnehmerinnen schließen die Ausbildung erfolgreich ab. Normalerweise beträgt die wöchentliche Lehrzeit 30 Stunden, bei der schulischen Ausbildung wird nicht gekürzt. Zudem ist ein Lerntag integriert.

Den einjährigen Kurs „Ankommen – Weiterkommen“ besucht Tihtina Ayere seit November 2017. Die 31-jährige Mutter eines mittlerweile dreijährigen Sohnes floh schwanger vor drei Jahren aus Äthiopien nach Deutschland. Auch nach drei Jahren ist ihr Asylverfahren noch anhängig. Unsicherheit beunruhigt. Trotzdem will Ayere weiter lernen, Deutsch, Mathe, EDV und Gesellschaftskunde. Ob auch sie später eine Teilzeitausbildung aufnimmt, bleibt abzuwarten.

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