Hessische Prinzessinnen in russischer Geschichte Neue Ausstellung im Ikonen-Museum eröffnet

Richard Zacharuk und Kuratorin Ljudmila Schumskaja, im Hintergrund Großfürstin Natalja Alexejewna. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Zarin Katharina die Große, selbst in Stettin geboren und seit 1762 Kaiserin von Russland, kam als zweite auf die Idee, eine deutsche Prinzessin an den Zarenhof zu holen. Sie ist eine der vier hessischen Prinzessinnen, die 200 Jahre russische Geschichte mitbestimmten, und denen nun eine Ausstellung im Ikonen-Museum in der Brückenstraße 3-7 gewidmet ist.

Bereits unter Peter I. begann eine russisch-deutsche Fürstenverbindung; 1725 heiratete seine Tochter Anna Petrowna Herzog Karl-Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf. 1773 fand die Hochzeit zwischen Katharinas Sohn Paul I. und der 18-jährigen Wilhelmine von Hessen-Darmstadt statt, sie war zum russisch-orthodoxen Glauben konvertiert und hieß dann Natalia Alexejewna. Drei Jahre später starb sie im Wochenbett, auch ihr Kind überlebte nicht.

Marie von Hessen und bei Rhein traf bereits 1838 im Alter von 14 Jahren den Sohn von Zar Nikolaus I., ihren künftigen Ehemann Alexander II, beide heirateten drei Jahre später. Auch Marie konvertierte und erhielt den Namen Marija Alexandrowna und wurde Zarin. Das Paar hatte acht Kinder, der älteste Sohn starb früh, Marija Alexandrowna erkrankte selbst an Tuberkulose und erlitt dieser Krankheit im Alter von 55 Jahren.

Schwestern heiraten Großfürsten

Elisabeth von Hessen und bei Rhein und ihre Schwester Alix heirateten ebenfalls russische Großfürsten. Elisabeth verliebte sich in Sergei Alexandrowitsch Romanow, den fünften Sohn Alexander II. Gegen alle Widerstände setzte die 20-Jährige die Liebesheirat 1884 durch. Erst sieben Jahre später trat Elisabeth zum russisch-orthodoxen Glauben über und wurde zur Großfürstin Jelisaweta Fjodorowna. Glücklich war die Ehe nicht, zudem blieb sie kinderlos. 1905 erlag der Großfürst einem Attentat, nach dem Trauerjahr entschied sich Jelisaweta Fjodorowna, ihr Leben den Leidenden und Armen zu widmen. Sie teilte ihren gesamten Besitz auf und behielt nicht einmal den Ehering. In Moskau gründete sie das Martha-Maria-Kloster der Barmherzigkeit, das 1909 seine Tätigkeit aufnahm. Ein Krankenhaus gehörte dazu, Bedürftige wurden kostenlos behandelt. Außerdem gab es eine Apotheke, ein Waisenhaus und eine Bibliothek. Die revolutionären Umbrüche im Land verschonten das Kloster und seine Gründerin nicht. In der Nacht zum 17. Juli 1918 waren bereits Zar Nikolaus II. und seine Frau Alexandra Fjodorowna, gebürtige Alix von Hessen und bei Rhein und Schwester von Elisabeth, sowie ihre fünf Kinder erschossen worden, am gleichen Tag wurde auch Jelisaweta Fjodorowna getötet. Die russisch-orthodoxe Kirch sprach sie 1992 heilig. Im Jahr 2000 wurden Alexandra Fjodorowna und ihre Familie heilig gesprochen.

Russisches Kulturministerium unterstützt die Ausstellung

Zustande gekommen ist die Exposition unter dem Titel „Liebe, Glanz und Untergang“ auf Initiative der Jelisawetinsko-Sergijewskoje Aufklärungsgesellschaft (ESPO-Stiftung) Moskau und wird vom russischen Kulturministerium unterstützt. „Eigentlich war das Projekt kleiner angedacht, aber im Laufe der Entwicklung ist es gewachsen“, erklärte Richard Zacharuk, Leiter des Ikonen-Museums. So ermöglichen 324 Exponate von 25 Leihgebern – vom großformatigen Gemälde bis hin zur unauffälligen Plakette – einen „berührenden Rückblick in die Geschichte“. Zacharuk bemerkte: „Das Museum hat sich zum Schatzkästchen entwickelt. Und die Ausstellung zeigt: Das Land Hessen war früher schon näher an Russland, als es heute ist.“

„Es geht um zwischenstaatliche Beziehungen, die hessischen Damen haben tiefe Spuren hinterlassen“, unterstrich Alexander Stankewitsch, stellvertretender Konsul der Russischen Föderation, „sie waren ungewöhnliche Persönlichkeiten.“ Optimistisch fügte er hinzu: „Wenn wir uns der Kultur widmen, können wir vielleicht auch auf anderen Gebieten etwas voranbringen.“ Zacharuk nahm diesen Gedanken auf: „Wir sind sozusagen eine kleine Botschaft von Russland.“ Die Ausstellung ist bis zum 26. Februar 2018 zu sehen.

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