Reiterstaffel hat ihren Sitz in Sachsenhausen Pferde sorgen für Ordnung

Das aktive Zurückdrängen des Polizeiautos stärkt das Selbstbewusstsein der Pferde, die so für Einsätze vorbereitet werden. Bild: Zöllner

Sachsenhausen (iz) – Als es ohrenbetäubend laut in der Reithalle aus der Schreckschusspistole knallt, zucken die anwesenden Menschen leicht zusammen. Die drei Polizeipferde dagegen stehen entspannt da, kein Zurückweichen oder ein Ohr, das sich in diesem Moment bewegt. Bis ein Pferd so gelassen ist und für Polizei-Einsätze genutzt werden kann, vergehen rund zwei Jahre Ausbildungszeit. Die Hessische Bereitschaftspolizei bereitet Pferde und Polizisten auf ihrer Anlage in Sachsenhausen auf die Einsätze vor.

Gerade die Eintracht-Fans bekommen bei Fußballspielen die berittene Polizei häufiger zu Gesicht. „Einsätze bei Fußballspielen sind ein Schwerpunkt bei uns. Nicht nur bei der Eintracht, sondern auch in Darmstadt bei den Lilien“, sagt Ausbildungsleiterin Christine Henninger. Sie absolviert das Training mit den Pferden und Reitern. Henninger ist seit 1998 bei der Polizei, erst 2016 kam sie zur Staffel. „Ich habe zwar selbst ein Pferd, hatte aber ursprünglich nicht den Plan, zur Staffel zu gehen“, erzählt die 46-Jährige. Die Stellen bei der Reiterstaffel sind rar. 16 Stück gibt es, genauso viele Pferde. Im Vergleich zu 15.000 Stellen in Hessen ist es eher Glück, wenn eine Bewerbung Erfolg hat.

„Man sollte nicht versuchen, sich von Anfang an gezielt wegen der Pferde bei der Polizei zu bewerben. Es ist wichtig, dass man den Beruf des Polizisten ausüben möchte. Wenn es dann später mit einer Bewerbung bei der Reiterstaffel klappt, ist das gut, aber nicht selbstverständlich“, betont ihre Kollegin Stefanie Richter, stellvertretende Staffelleiterin, die seit zehn Jahren vor Ort ist. Die beiden Polizistinnen haben den Trainerschein C und sitzen selbst schon seit Kindesbeinen an im Sattel. „Im Schnitt sind die Pferde zwischen fünf und acht Jahren alt, wenn sie zu uns kommen“, berichtet Henninger. Meist handelt es sich um ein Deutsches Warmblut, was sich aufgrund seines Körperbaus und Größe gut eignet.

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Die Polizisten, die sich bei der Reiterstaffel bewähren wollen, müssen mindestens die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen, ein Gefühl fürs Pferd und haben und auf das Tier einwirken können, also im Schnitt etwa E-Niveau.

„Es läuft bei uns ganz viel über Vertrauen, daher hat jeder sein festes Pferd, um ein entsprechendes Verhältnis aufbauen zu können“, sagt Henninger. Und das gilt für jede nur vorstellbare Situation. Denn im Einsatz kann viel Unvorhergesehenes passieren. Deswegen sind Schutzweste, Reithelm sowie Einsatzhelm immer Bestandteil bei einer Streife. Im so genannten geschlossenen Einsatz wie bei den Fußballspielen oder Demonstrationen kommen noch zusätzliche Protektoren für Reiter und Pferd dazu. Das Pferd, das eigentlich ein Fluchttier ist, darf nicht zurückschrecken vor Krach wie Pyrotechnik, optischen Reizen wie Fahnenwedeln und körperlichen Kontakt. Im Notfall müssen sie auch durchs Feuer gehen.

Regelmäßig auf Streife reitet die Einheit in Frankfurt am Mainufer und dem Grüngürtel. „Das ist ein Areal, das für Pferde gut geeignet ist und dort auch keine Streifenwagen fahren können“, begründet Richter. Aber auch Objektschutz wie beim Frankfurter Flughafen, der Airbase in Wiesbaden und das einstige Atomkraftwerk in Biblis gehört dazu. Dann geht’s ab in die Hänger und mit dem Auto zum Einsatzort.

„Die Pferde sind ganz klar ein Sympathieträger, sie flößen aber auch Respekt ein aufgrund ihrer Masse“, sagt Richter, die sich zum großen Teil auch um die administrative Seite wie Einsatzpläne kümmert. So können die Polizisten mit Hilfe der Pferde etwa Menschenmassen zurückdrängen. Bei Fußballspielen geht es in der Regel darum, die Fans zu begleiten. „Das Schöne ist, dass die Fußballfans generell von den Pferden beeindruckt sind“, weiß Richter. Kein Wunder, wer legt sich schon mit einem mindestens 500 Kilo schwerem Tier an? Und natürlich werden die Streifen in Frankfurt gern fotografiert. „Ich weiß nicht, bei wie vielen Touristen wir im auf Bildern verewigt sind“, sagt Henninger und lacht.