Ausstellung im Universitätsklinikum Start der Kampagne „Keine Keime“

Volkhard Kempf spricht über die Bedeutung von Hygiene. Foto: Faure

Sachsenhausen (jf) – Der kleine Koffer von Oliver Bahn wirkt: Das Gerät kann die Keimbelastung vor und nach der Desinfektion der Hände sichtbar machen. Erstaunlich. Ein einfache, aber äußerst sinnvolle Handlung: Hände desinfizieren schützt vor Keimen. Professor Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt, eröffnete die Ausstellung „Keine Keime“ im Foyer des Hauses 23.

 „Ziel ist es, die Aufmerksamkeit für ein hygienisch einwandfreies Arbeitsumfeld zu stärken.“ Er warb vor den Studierenden für das Fach Hygiene, denn es habe Perspektive. Dr. Stephan Hölz, Leiter der Gesundheitsabteilung im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, unterstrich: „Hygiene ist ein wichtiges Thema und eine Herzensangelegenheit des Ministeriums.“ Es gehe darum, das Bewusstsein dafür zu stärken. Hessen habe eine Qualitätsoffensive auf breiter Front gestartet und 2014 in Kooperation mit der Krankenhausgesellschaft das Projekt „Patientensicherheit und Qualität“ ins Leben gerufen. Ein Teilprojekt davon ist die Untersuchung der Häufigkeit multiresistenter Erreger (MRE) an Krankenhäusern. Schon seit 2009 gibt es beispielsweise das MRE-Netz Rhein-Main, dem auch das Universitätsklinikum angehört. „Es geht darum, die Patienten einzubeziehen, um einen vertrauensvollen Umgang miteinander, es geht um Transparenz und Verständnis“, äußerte Hölz. Die Studierenden forderte er auf: „Bleiben Sie am Thema Hygiene dran!“

Jeder trägt zwei Kilogramm Bakterien mit sich

Professor Volkhard Kempf, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, testete gleich einmal das Wissen der Studierenden: „Wie viel Bakterien trägt ein Mensch im Durchschnitt mit sich herum?“ „Etwa zwei Kilogramm“, antwortete eine Studentin. Was, so viel? Doch problematisch ist das bei gesunden Menschen nicht, denn darunter sind nützliche, harmlose und eben auch jene eigentlich unauffälligen Bakterien, die bei einem gestörten Gleichgewicht des Körpers Krankheiten verursachen können. „Wir hatten im Jahr 2016 rund 50.000 Patienten, davon haben 1.600 MRE mitgebracht“, nannte Kempf Zahlen.

Die multiresistenten gramnegativen Stäbchen (MRGN) nehmen zu. „Aber das Spektrum an Antibiotika ist nicht größer geworden“, sagte Kempf. Umso größer werden die Anforderungen an die Hygiene. „Die Gesellschaft ist gefordert, unsere Anstrengungen mit der notwendigen Ausstattung zu unterstützen“, verlangte Kempf. Dr. Claudia Reinheimer, ebenfalls vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, verwies auf die sechs großen Ausstellungsplakate, die über die Kampagne „Gemeinsam Gesundheit schützen – Keine Keime“ informieren.

Hygiene und Antibiotika

Im Gespräch erläuterte PD Dr. Christian Brandt, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, dass MRGN seit 20 Jahren in Frankfurt bekannt seien. Vor fünf Jahren habe das Robert-Koch-Institut eine Empfehlung für entsprechende Hygienemaßnahmen herausgegeben. „Außerdem haben wir es mit extendet-spectrum-betalactamase bildenden Entereobakterien (ESBL) zu tun, die eine bestimmte Form der erweiterten Resistenz gegenüber Antibiotika entwickeln. Wir befinden uns also schon in der postantibiotischen Ära.“ Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit sei deshalb zwingend. „Hygiene und Antibiotika sind zwei Seiten einer Medaille. Dabei hilft die im Februar 2016 gebildete klinikübergreifende Arbeitsgruppe Antibiotic Stewardship (ABS), in der Kollegen aus verschieden Bereichen zusammenwirken.“ Als Hintergrund sollte man wissen, dass zwei Drittel aller Antibiotika in der Tiermast eingesetzt werden, nur ein Drittel in der Humanmedizin.

Aufgabe von Hygiene und ABS sei es, die Zahl der Erreger zu verringern und mit dem gezielten Einsatz von Antibiotika die Selektion der Keime zu mindern.Das Universitätsklinikum arbeitet mit einem risikobasierten Screening; das heißt, dass alle Patienten, die Kontakt zu ausländischen Gesundheitssystemen hatten, sowie Patienten der Intensivstation auf MRE getestet werden.

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