Fotografien zwischen Alltag und Inszenierung Vernissage des Schulkünstler-Projekts der Helmholzschule

Vorn Gerrit Ulmke, Robert Bock, Laura J. Padgett (Dritte von rechts), Johanna Rehner (rechts) bei der Vernissage. Foto: Faure

Ostend/Sachsenhausen (jf) – Ein schmaler schwarzer Rahmen. Darin im Passepartout zwei Fotografien: eine weiß gekachelte Ausnüchterungszelle und das liebevoll gestaltete Zimmer eines Mädchens. Ein krasser Unterschied. Die beiden Fotografien gehören zur Exposition „Zwischen Alltag und Inszenierung“ des Schulkünstlerprojekts der Helmholtzschule in der Ausstellungshalle Schulstraße 1A in Sachsenhausen. 

16 Jugendliche, 13 Mädchen und drei Jungen, des Kunstleistungskurses bearbeiteten ein Jahr lang gemeinsam mit ihrer Lehrerin Tina Baumung und der Künstlerin Laura J. Padgett das Thema. Baumung kannte die renommierte Fotografin von einem anderen Projekt. „Laura J. Padgett musste als Schulkünstlerin jedoch selbst noch Zeit für ihre eigenen Werke und Aufgaben haben, es gab also keine festen Termine. So viel Flexibilität ist in einer Schule mit festen Strukturen schwierig. Aber es hat geklappt“, erläuterte Baumung. Fast 40 Rahmen mit einer Fotografie oder mit mehreren Bildern sind zu sehen, farbig und schwarz-weiß, immer überraschend und fordernd.

„Ich habe versucht, unhierarchisch mit den Jugendlichen zu arbeiten. Und wir wollten zum Abschluss etwas Repräsentatives machen, deshalb sind wir in die Ausstellungshalle gekommen“, erklärte die Künstlerin. Robert Bock, den Leiter der Halle, kennt sie seit vielen Jahren, hatte 2001 dort selbst eine Einzelausstellung. Der Beschäftigung mit dem Text „Warum sehen wir Tiere an?“ von John Berger folgte ein Zoobesuch. Entstanden ist so beispielsweise das Bild auf der Einladungskarte, ein verschwommen sichtbarer Eselspinguin hinter trüben, wasserbespritzten Glasscheiben. Die Einladungen, die Pressemitteilung und die Plakate zum Projekt stammen übrigens ebenfalls von den Jugendlichen.

Der erste Versuch als Schulkünstlerin

Laura J. Padgett ist zum ersten Mal Schulkünstlerin. Das Projekt der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, das es inzwischen seit über 20 Jahren gibt und das seit einigen Jahren von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen mitgetragen wird, brachte beiden Seiten neue Erkenntnisse: „Die Entwicklung der Teilnehmer war für mich erstaunlich. Sie haben Orte mehrmals besucht, Sehen gelernt und ihre Aufmerksamkeit geschult. Sie haben erfahren, wie man mit Fotografie Geschichten erzählen kann“, erklärte Padgett.

Die Jugendlichen besuchten 2017 die Ausstellung „Somehow Real“ von und gemeinsam mit Laura J. Padgett im Museum Giersch. Sie setzten sich mit den Fotografien von Anna und Bernhard Blume - inszenierte Geschichten - und mit denen der Becher-Klasse, die im Städel 2017 unter dem Titel „Fotografien werden Bilder“ zu sehen waren, auseinander. Die Ergebnisse beeindrucken. „Vor 20 Jahren war das eine ehemalige Waschhalle, seit 1999 wird die Halle für Kunst und Kultur genutzt. Nun sind Helmholtzschüler mit ihrem Projekt hier, sie haben professionell gearbeitet und in einer außerordentlichen Aktion die Bilder selbst gerahmt“, erklärte Robert Bock, der die Rahmen zur Verfügung stellte.

Ab kommendem Schuljahr gibt's Profilklasse Kunst

Helmholtz-Schulleiter Gerrit Ulmke unterstrich: „Schule ist dann besonders gut, wenn sie die Schule verlässt und wenn sie Profis von außen an die Schule holt. Mit unserem fünften Schulkünstlerprojekt ist das erneut gelungen.“ Er bemerkte außerdem, dass es ab dem Schuljahr 2018/19 eine Profilklasse Kunst geben wird. Ottilie Wenzler von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse erwähnte, dass an 13 Schulen Schulkünstler tätig sind. „Aber in einer Ausstellungshalle waren wir noch nie“, sagte sie erfreut. Die „Kunst als Zugang zur Welterschließung“ würdigte Lehrerin Johanna Rehner in einer Ansprache und ging besonders auf das Thema „Zwischen Alltag und Inszenierung“ ein, das nur auf den ersten Blick Gegensätzliches bezeichne.

„Bei einem Praktikum im Polizeipräsidium haben wir auch die Ausnüchterungszelle gesehen und durften sie fotografieren. Dieser kargen Zelle habe ich das mit vielen Gegenständen geschmückte Zimmer einer Freundin an die Seite gestellt“, erklärte Mona Bierreth. Beide Bilder sind von der Tür aus fotografiert. Die Zelle hinter sich lassend, ist das Zimmer mit Fenster wie die Einladung in eine andere Welt. Leider hat die Ausstellung bereits einer neuen Platz gemacht. Aber vielleicht gibt es noch eine Publikation dazu. Das ginge ja auch online auf der Schulseite.

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