Von der Krücke zum Cancan

Galasitzungen der Harmonie Froschhausen mit rasanten Wechseln

Eine „Boygroup“ in Krachledernen, fit gemacht von Nadine Böres, reißt das weibliche Publikum bei den Harmoniesitzungen in Froschhausen von den Stühlen mit der Aufforderung „Hey Mädel, wolln mer tanzen gehen?“    Foto: ha

 

Froschhausen (sam/b) – „Die Kampagne 2016 ist mehr als Pflicht, denn zu früh oder zu kalt, das gibt’s bei uns nicht!“ Mit diesem Fastnachtsmotto hatte die Harmonie Froschhausen ihre beiden Gala-Sitzungen am Samstag und Sonntag überschrieben: Zwei unterhaltsame Veranstaltungen von jeweils fünf Stunden, in denen Musik, Tanz und Büttenreden in rasantem Wechsel geboten wurden. Das närrische Publikum im vollbesetzten Bürgerhaus war bester Feierlaune und honorierte die Vorträge mit begeistertem Applaus.

„Die Weihnachtsgans ist kaum verdaut, de Christbaum noch net abgebaut, die letzt’ Raket’ ist grad verkracht, und schon geht’s los mit Fassenacht.“ Mit dieser Begrüßung brachte Sitzungspräsident Jürgen Kiehl, der wieder souverän und gut gelaunt moderierte, die Fünfte Jahreszeit auf den Punkt.

Dann geht‘s auch schon los mit dem ersten Akt – Gardetänze der Minigarde (Leitung: Jenny Malsy/Nicole Niedermeier) und Midigarde (Nadine und Melanie Böres), bei deren rasantem Tempo sich die Gäste schnell warm klatschen. Der Einzug des Prinzenpaares (Bericht auf der nächsten Seite) ist für viele offenkundig ein freudiges Ereignis. Die Prinzenpaar-Sucher schienen ein glückliches Händchen bei der Wahl gehabt zu haben: Sympathisch und locker erzählen Jörg und Marie-Christin bei der Antrittsrede von ihrer Freude nach der Berufung. Von Karli Bastkowski gibt‘s noch den neuen Orden, das Musikcorps der TGS Seligenstadt unter Heinz Seipel intoniert eine Schunkelrunde, dann haben sich die „Young and Happy Harmonists“ auf der Bühne versammelt. In tierischem Outfit singen sich die Chorkinder unter Leitung von Johannes Wallbaum, betreut von Claudia Heeg, mit einem Tierlieder-Potpourri in die Herzen der Zuhörer.

Szenenwechsel in die Bütt. Der Protokoller tut sich dieses Mal schwer, das abgelaufene Jahr zu glossieren angesichts von weltweiten „Anschlägen auf unsere Kultur und Leben“. Doch Ingo Dries bietet religiöser Intoleranz die Stirn: Statt auf 71 Jungfrauen im Paradiesgarten zu hoffen, verweist er auf das Froschhäuser Paradies im Hier und Jetzt. Hält den Flüchtlingsdramen, Abgas-Manipulationen, gekauften Sport-Events und veganen Fleischhaxen den Narrenspiegel vor und fragt: „Wo bleibt die Moral?“

Die düsteren Aussichten setzen sich fort, der nächste Programmpunkt wird mit Krückstock und Rollator gestartet, aber die Hilfsmittel kommen schnell in Schwung, die Prinzengarde (Trainerin: Nadine Böres) ist in Bewegung. Wer so elastisch tanzt, wird mit 70 noch Handstehen und das Cancan-Bein schwingen. Erstaunlich jung auch der „alte Häuptling der Indianer“, als die Minigarde zur Party im Wilden Westen einlädt und nach ihrem Schautanz ganz bestimmt keine Federn lassen muss. Es folgt einer der Höhepunkte des Abends: Mit Collin Murmann, Sprössling des Sitzungspräsidenten aus Harreshausen, wird aus Kindermund Wahrheit kundgetan.

Weltweite Kreuzfahrt

Zur großen Gaudi des Publikums erzählt er, weshalb er dem Opa Gras überreicht hat – „Mama sagt, wenn Opa ins Gras beißt, gibt’s einen Flachbildschirm“; dass er mit dem Hund das Essen tauscht, falls Mamas Kochkünste mal wieder versagt haben und der kleine Bruder Kevin vom Nachbarn ist. Die „Uiuiuis, Auauaus“ und zum Schluss Stehapplaus sind diesem komödiantischen Talent durchaus angemessen. Zugabe fordert der Saal auch vom Männerballett (Trainerinnen: Karin Stadler/Sandra Oetzel) als „Rastafari“. Die Direktimporte aus Jamaika mit Zopf, Häkelkäppchen und bunter Pluderhose vernebeln die Bühne mit Riesen-Joint und schwingen die Hüften zum Reggae-Song „Äppelwoi-Cola is wie Urlaub in Offebach“. Prädikat: high und cool!

Noch ein Import ist Ralf Knöpp, der mit seinem Vortrag „Ein Versprecher“ Wortakrobatik am laufenden Band bietet, damit so manches Zwerchfell massiert. So berichtet der Babenhäuser von seinem Raufaserdackel und der Sesamkatze, vom Wunsch nach einem Hochstuhlabschluss in Musik, der aber von der Familie als kotlose Brunst abgelehnt wurde, gemäß dem Motto: „Genitiv ins Wasser, denn es ist Dativ.“ Die Fastnachtssause braucht eine Verschnaufpause – sticht danach mit voller Kraft voraus in See. Die Harmonisten (Leitung: Johannes Wallbaum/Idee und Text: Bernd und Tanja Rückert, Silke Mahr, Susi Reichenbach) nehmen die Narrenschar mit auf weltweite Kreuzfahrt. Per Chorgesang vom Feinsten wird in Amsterdam, Paris, Mallorca angelegt, ein Grieche, ein Russe und ein Eskimo dürfen auch mit, ein blinder Passagier muss geführt werden, der Schlumber Mischa Buschmann dagegen wird über Bord gekippt. Dem blutrünstigen Tanzspektakel „Schatten der Nacht“ der Midigarde folgt erstmals eine Moritat im Bürgerhausbau. Mit anschaulichen Bildern von Anke Haberer singen Jürgen Haberer, Harald und Silvia Ott (Akkordeon: Hubert Malsy) Anekdoten, die sich im Flecken zugetragen haben, aber nicht im Heimatblatt standen.

Schenkelklopfer erzeugt der Dialog der „Bauernfraue“ Tanja Rückert und Silke Mahr. Kostproben gefällig? „Ich geh mit meinem Mann zur Ochsenversteigerung.“ – „Meinst du, für den kriegst du noch was?“ Oder der: „Wir fliegen nach Bangkok.“ – „Über Athen oder Bukarest? – „Weder noch, über Ostern.“ Eine „Boygroup“ in Krachledernen, fit gemacht von Nadine Böres, reißt dann das weibliche Publikum von den Stühlen mit der Aufforderung „Hey Mädel, wolln mer tanzen gehen?“ Jenny und Tanja Malsy sowie (Prinzessin) Marie-Christin Simon stecken gleich darauf den ganzen Saal in die Tasche, als „E’eser“ ist das charmante Gesangstrio seit Jahren Garant für Stimmung. Wie der Alltag aussieht, nachdem sich Liederfreund-Frau Daniela Göbel und Harmonie-Ehegatte Rüdiger Göbel gefunden haben, wird von ihr im Vortrag „Gegensätze“ zum Besten gegeben. Noch ein letzter Augenschmaus beim „Karneval in Venedig“ der Tanzgruppe „Dance for Harmonie“ (Leitung: Jenny Malsy/Jennifer Schulz), die in tollen Barockkostümen glänzt, dann klingt ein stimmungsvoller Abend mit den Harmonisten auf der Bühne aus...

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