Ein vorweihnachtliches Konzert der anderen Art Die Klazz Brothers & Cuba Percussion in St. Marien

Seligenstadt (red) - Beschauliche deutsche Winter-Weihnachtsstimmung und tropisch-kubanisches Rhythmus-Feuerwerk – passt das zusammen? Diese skeptische Frage stellten sich am Nikolausabend nicht wenige Zuschauer in der katholischen Kirche St. Marien in Seligenstadt. Das Kunstforum Seligenstadt hatte zu seinem jährlichen Vorweihnachtskonzert eingeladen. Dieses Jahr lautete das Motto „Christmas meets Cuba“ mit den Klazz-Brothers & Cuba Percussion. Die Klazz Brothers sind ein Trio aus Klavier, Bass und Schlagzeug, verstärkt durch zwei Percussionisten aus Kuba, welche das ganze Spektrum afro-kubanischer Schlaginstrumente bereithielten.

Es begann mit ganz zarten Akkorden auf dem Klavier, aus denen sich allmählich die Melodie von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ herauskristallisierte und dann gesellten sich Bass und Schlagzeug dazu: „Stille Nacht“ entsteht aus einer trägen Stimmung, welche eine Karawane verbreitet, die sich durch eine Wüstennacht schleppt. Als sich dann auch noch die beiden Percussionisten einschalten, wird aus dem Besinnlichen reine Lebensfreude: „Santa Claus is comming to Seligenstadt!“ All die deutschen Weihnachtsklassiker werden neu verpackt und mit komplexen Rhythmuswechseln versehen, immer wieder blitzt das Thema des jeweiligen Liedes aus dieser dichten Textur auf. Kilian Forster, der den Bass spielt, moderiert auch den Abend. Am Klavier sitzt Bruno Böhmer-Camacho, ein Mann mit kolumbianischen Wurzeln und Salsa im Blut, Tim Hahn ist der Schlagzeuger. Für ordentlich Schub sorgen die beiden Kubaner, Elio Rodriguez Luis mit seinen Congas und Alexis Herrera Estevez mit seiner Batterie von Timbales, Claves und Glocken.

Da die Kirche St. Marien über eine hervorragende Akkustik verfügt, konnten die Musiker auch mal auf die übliche Verstärkung verzichten und ein „Let it snow“ schön sparsam und transparent gestalten oder alleine, ausschließlich mit Nußknackern bewaffnet, eine Nußknacker-Suite vortragen. Gesanglich herausgefordert war das Publikum bei dem  Versuch, „Stille Nacht“ statt im üblichen ¾ -Takt nun im 4/4-Takt zu singen.

Auch die klassische Musik wird nicht verschont und mit dem treibenden Sound der Karibik vermischt zu einer Soße, was auf Spanisch Salsa bedeutet. Beethoven, Mozart oder Tschaikowski hätten es schwer, ihre Musik wiederzuerkennen. Wie man dazu Cha-Cha-Cha tanzt, wurde einigen Freiwilligen aus dem Publikum in einem Schnellkurs beigebracht. Überhaupt ließ man sich von der Musik zum Tanzen animieren, ob Mambo oder Merengue, Hauptsache mit Spaß dabei – auch das kann Weihnachtsstimmung sein.

Zum Ausklang wird noch einmal alles aufgefahren, es mischen sich „Jingle Bells“ mit Beethovens „Ode an die Freude“ und alle singen, klatschen und tanzen gemeinsam.

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