Lina Jankowiak verkauft selbst genähtes Zubehör Liebe zu Hund und Handwerk

So werden Kunden im Laden „Liradu Hundezubehör“ empfangen: Lina Jankowiak mit ihrem Hund Ciri, der nicht von ihrer Seite weicht. Bild: gruss

Seligenstadt – Mit einem Lächeln und gemeinsam mit ihrem Hund Ciri, der über die Ladentheke lugt, begrüßt Lina Jankowiak täglich die Kunden ihres Hundezubehörladens „Liradu“. Hinter ihr stapeln sich bunte Bänder, Nähgarn und verschiedenfarbige Taue. „Uns geht es nicht nur darum, dass ein Hundegeschirr zugeht, sondern darum, dass es wirklich passt“, erläutert sie die Nähmaterialien, mit deren Hilfe sie Halsbänder, Brustgeschirre und Leinen selbst näht. „Ein Einkauf bei uns ohne Hund, ist wie Schuhe kaufen ohne Füße“, erklärt sie. Man müsse den Hund erst ausmessen, um herauszufinden, welche Geschirrgröße für ihn ergonomisch am sinnvollsten sei, damit er sich nicht falsch belaste.

Lina Jankowiak ist mit Hunden aufgewachsen. „Für meine großen Hunde habe ich nie passendes Zubehör gefunden“, erinnert sie sich. Deshalb habe sie sich dazu entschlossen, Halsband und Geschirr selbst zu nähen. Nachdem sie sich das Nähen selbst beigebracht hatte, startete sie den Versuch, ihre Handarbeit in einem Online-Shop zu verkaufen: „Es passierte genau gar nichts“, erinnert sie sich belustigt zurück. Als sie 2015 ein kleines freies Eckgeschäft in Seligenstadt entdeckte, dessen Miete für die damals 20-jährige Studentin gerade so bezahlbar war, hängte sie ihre Geschirre im Schaufenster auf und wartete auf Kunden. „Und es kam gut an!“, bilanziert sie. Zwar hätten einige Menschen sie als junge Studentin unterschätzt und nicht an sie geglaubt, parallel dazu habe sich aber eine Stammkundschaft entwickelt, die den Laden auch heute noch besucht. Nach ihrem Uni-Abschluss 2018 folgte der Umzug auf die andere Straßenseite: Von 16 auf 200 Quadratmeter hatte sich das Geschäft vergrößert.

In der kleinen Manufaktur, die sich an den Laden anschließt, näht Jankowiak mittlerweile mit zwei Angestellten gemeinsam. „Vom Zuschnitt der Stoffe, über das Nähen bis hin zum Etikett machen wir alles selbst“, erzählt sie stolz. Qualität steht für sie an erster Stelle: Sie verkaufe nur Produkte, von deren Qualität sie sich selbst überzeugt habe. „Wir sind auch kein Schickimicki-Strasssteinchen-Laden, der den Hunden Frisuren macht, oder die Krallen lackiert“, scherzt sie. Neben dem selbst genähten Zubehör verkauft Jankowiak auch von ihrem Vater geschreinerte Futterbars aus Massiveiche, Hundefutter und weiteres Zubehör, das sie von ausgewählten Partnern bezieht. In Zusammenarbeit mit einer Tierärztin und einer Physiotherapeutin veranstaltet sie Informationstreffen, wie Erste-Hilfe-Kurse für den Hund, und berät ihre Kunden. „Das Ladenkonzept gibt es im Umkreis nicht noch einmal“, erklärt Jankowiak. Daher nehmen einige Kunden auch weitere Wege auf sich, um ein Geschirr bei ihr zu kaufen. Im Onlineshop seien sogar schon internationale Bestellungen eingegangen: „Da mache ich jedes Mal einen kleinen Freudentanz“, berichtet Jankowiak. „Ich habe auch schon ein Halsband für eine Ziege genäht“, erinnert sie sich, „und wir haben schon Hunde für Hochzeiten mit schicken Fliegen ausgestattet.“ Mal nähe sie Geschirre für 60 Kilogramm schwere Doggen, an anderen Tagen messe sie einen 1,3 Kilogramm schweren Chihuahua aus. „Mich erreichen fast täglich Nachrichten von Kunden, die unsere Arbeit loben“, erzählt sie weiter. Nachrichten wie „Ihr seid unglaublich“, „Wunderbar“ und Bilder, auf denen die Hunde ihr neues Equipment tragen, säumen Jankowiaks WhatsApp-Chats. „Ich habe meinen Traumjob definitiv gefunden“, ist Jankowiak sich sicher.

Von Lucy Gruss