„Psychosoziale Dienstleistungen“ feiern zehnjähriges Bestehen mit Tag der offenen Tür

Wenn der Alltag zur Hürde wird

Christian Specht, Sieghild vom Dorp, Emma Biesuz und Peter Groh (von links) bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Psychosozialen Dienstleistungen Bergstraße, die mit einem Tag der offenen Tür ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert haben. Foto: Wittekopf

Dietzenbach (bw) –  Die „Psychosozialen Dienstleistungen Bergstraße“ haben ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Gäste waren zum Sektempfang und Imbiss geladen.

Für den künstlerischen Rahmen sorgte die Theatergruppe Nedelmann aus Urberach.

Begonnen hatte es vor zehn Jahren mit einer kleinen Gruppe Menschen, die psychische Betreuung benötigten. „Das war noch eine Freizeitgruppe“, sagt Peter Groh, der damals als Arbeitserzieher bei den „Psychosozialen Dienstleistungen Bergstraße“ (PSD) angefangen hat.

Die Arbeit fasziniert ihn, denn heute ist Groh – inzwischen in Rente – nach wie vor dabei.

Wie früher ist er mit seiner Freizeitgruppe an den Samstagvormittagen unterwegs. Manchmal steht ein Besuch im Zoo oder im Museum auf dem Plan, manchmal eine Schiffsfahrt.

Aber auch Aktivitäten wie Grillen oder Brunchen werden gerne angenommen.

Die PSD sind eine gemeinnützige Gesellschaft und betreuen überwiegend Menschen, die ihren Alltag aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr selbst regeln können, Als korporatives Mitglied der Arbeiterwohlfahrt sind die PSD in das Hilfesystem integriert. Finanziert wird die Arbeit der Tagesstätte durch das Land Hessen.

Die ersten Jahre hatten die PSD ihre Betreuungsräume noch am Roten Platz oberhalb vom Eiscafeeé. Vor einem Jahr zog man in das neue Domizil in der Offenbacher Straße 35a um.

Die aktive Arbeitsgruppe ist inzwischen auf fünf Mitarbeiter angewachsen, aber die Aufgaben bleiben nahezu dieselben. „Wir haben Platz für 23 Menschen, die ihren Alltag nicht bewältigen können, weil sie eine psychische Erkrankung haben“, sagt Christian Specht, Teamleiter der Tagesstätte. „Die Jüngste ist 20, die Älteste ist 60 Jahre, aber die meisten der betreuten Personen sind älter als 40 Jahre“, sagt er.

Eine Tagesstätte unterscheide sich von einer Tagesklinik, betont er. In Letzterer werden Patienten vor Ort betreut, die in einer psychiatrischen Anstalt stationär behandelt werden. Dagegen richtet sich eine Tagesstätte an Patienten, die meistens erwerbsunfähig sind. Sie haben beispielsweise mit Depressionen zu kämpfen, leben aber sonst zu Hause in ihrer eigenen Wohnung. „Natürlich gibt es hier keine generelle Erkrankung“, sagt Specht. „Die Menschen leiden unter Symptomen, die sich andere nur schwer vorstellen können, manche haben einfach Angst vor ihrer Umgebung und scheuen deshalb den Kontakt mit der Außenwelt.“

Groh berichtet, dass diese Menschen das Leben in einer Stadt sehr belaste. „Manche sagen, dass sie lieber in einem Wohnwagen alleine im Wald leben würden.“ Dann gebe es die, die keinen Lärm vertragen, und wiederum andere, die in der Nacht aufwachen, Halluzinationen haben und Gefahren sehen. Die Erkrankung trete dabei nur langsam in Erscheinung, erläutert Sieghild vom Dorp, Leiterin von „Betreutes Wohnen“ an der Werner-Hilpert- Straße. Häufig könnten Klienten ihrer Arbeit nicht mehr nahgehen, verlören mit dieser auch ihre finanzielle Grundlage. Oft kämen dazu noch Probleme im sozialen Umfeld, seltener eine Drogen- oder Alkoholsucht.

Die Aufgabe der Tagesstätte ist es, diese Menschen wieder lebensfähig in den Alltag zurückzuführen. „Das ist ein sehr langer Prozess“, sagt sie. Die Tagesstätte bietet eine Betreuung an fünf Tagen in der Woche an. Je nach Klient reicht es aber auch dreimal. „Wir sprechen hier von Betreuungsdosis, nicht jeder verträgt fünf Tage“, sagt Specht. Und so gibt es auch jene, die einfach mit Groh bei den Ausflügen dabei sind.

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