Mit dem „Digitalhandbuch“ des Kreises Offenbach modernisiert Gerd Jünger die TG „Am besten einfach anfangen“

Zur Digitalisierung, die Gerd Jünger für die TG angestoßen hat, gehört auch die richtige technische Ausstattung. Sukzessive macht er damit den Verein fit für die Zukunft. Bild: schmedemann

Dietzenbach – Die Digitalisierung hat viele Gesichter. Gerade im Ehrenamt stehen die Mitglieder oft vor einem großen Fragezeichen, wenn es darum geht, den Verein fit für die digitale Welt zu machen und damit auf ein stabiles Fundament für die Zukunft zu stellen. Seien es moderne Homepages, der Auftritt in den sozialen Medien oder cloud-basierte Verwaltungssoftware. Mit dem „Digitalhandbuch“ stellt der Kreis Offenbach Vereinen einen Leitfaden zur Verfügung, der durch Workshop-Angebote ergänzt wird. Zur Erstellung des Leitfadens wurden drei Modellvereine aus dem Kreis herangezogen: Einer davon ist die Turngemeinde Dietzenbach 1886 (TG), deren Digitalisierungsbeauftragter Gerd Jünger die Technik nun Schritt für Schritt integriert.

Das Praxishandbuch unterteilt die Digitalisierung in fünf Phasen: Bestandsaufnahme, Planungsphase, Handlungsphase, Evaluation und Nachhaltigkeit sowie Veränderungsmanagement. Als Gerd Jünger im Frühjahr 2022 in den Vorstand der TG gewählt worden ist, hat er schnell festgestellt: „In den vergangenen Jahren ist viel liegen geblieben.“ Kurz darauf folgten die Ausschreibungen für die Modellvereine, bei denen sich der 67-Jährige sofort beworben hat. In fünf Workshops beim Kreis kam er mit dem Geschichtsverein Egelsbach und dem „Mühlheimer Karneval Verein“ ins Gespräch. „Dabei haben wir schnell gemerkt, dass wir alle dieselben Probleme haben, egal, aus welcher Branche wir kommen“, berichtet Jünger. Gleichzeitig fand er es hilfreich, über den eigenen Vereinshorizont blicken zu können. Das erste Projekt, das Jünger im Zuge des Pilotprojekts in Angriff genommen hat, ist eine Software zur Mitgliederverwaltung. Diese soll helfen, weg von lokal gespeicherten Excel-Tabellen zu kommen und künftig eine Cloud zu nutzen. Die im Internet abgelegten Daten haben den Vorteil, von jedem Ort aus und von jedem Verantwortlichen abgerufen werden zu können. „Viele scheuen sich vor der neuen Technik“, meint Jünger. Dabei die Benutzeroberfläche der neuen Software leicht zu bedienen. „Wir schulen unsere Vorstandsmitglieder und Trainer, sodass jeder damit gut arbeiten kann“, sagt er weiter. Mit wenigen Klicks wirft das Programm die Daten aus, die der Nutzer braucht. Welchen Kurs besucht das Mitglied? Liegt ein Lastschriftmandat vor? Fragen, die mit der neuen Technik schnell beantwortet werden – sogar per App auf dem Smartphone. Und wie sieht’s mit der Datensicherheit aus? Auch dafür hat Jünger eine Lösung: „Ich habe ein Netzwerk aufgebaut, dass die Sicherheit gewährleistet.“ Dazu musste der Verein auch die Hardware in der Geschäftsstelle an der Jungfern-Wingert-Straße 5 durch moderne Geräte ersetzen. Neben einem Breitband-Router für die richtige Verbindung und einem großen Bildschirm für Konferenzen und Präsentationen, gehört auch ein Scanner, der beidseitig und stapelweise Dokumente elektronisch erfasst, zum Digitalisierungsprozess. „Das alles erleichtert schon jetzt die Vereinsarbeit ungemein.“

Wenn die Software zur Mitgliederverwaltung nach den Wünschen des Digitalisierungsbeauftragten läuft, widmet er sich anderen Baustellen. Als Nächstes ist eine Software zur zentralen Verwaltung von Dokumenten an der Reihe. „Das wird mich das ganze nächste Jahr beschäftigen“, schätzt der Ruheständler. Man dürfe die Zeit für solche Projekte nicht unterschätzen. Und schlussendlich nutzt auch das beste System nicht, wenn es keiner benutzt. Jünger rät: „Am besten einfach anfangen.“ Unter den Schlagworten „Dein Verein: Regional & Digital“ informiert der Kreis auf seiner Internetseite zum Thema und stellt das Digitalhandbuch zum Herunterladen bereit.

Von Lisa Schmedemann