Rückverschwisterungsfeier mit Kostjukovitschi „Wer sich nicht an Geschichte erinnert, hat keine Zukunft“

Der Vorsitzende vom Freundeskreis Kostjukovitschi, Dietmar Kolmer (links) begrüßte die Gäste der Rückverschwisterungsfeier. Foto: Dreger

Dietzenbach (zsd) –„Eine interessante Woche mit besonderen Gästen liegt hinter uns“, sagte der Vorsitzende des Vereins „Freundeskreis Kostjukovitschi“, Dietmar Kolmer am Wochenende zu Beginn der Rückverschwisterungsfeier.

Er freute sich besonders über die „große innere und äußere Freude“, welche die Besucher aus der weißrussischen Partnerstadt bei ihrer achttägigen Bürgerreise in die Kreisstadt bereits nach kurzer Zeit gezeigt hätten. Großer Dank gehe an die aktiven Vereinsmitglieder, ohne deren Hilfe die Arbeit nicht möglich wäre. Finanziell unterstützt wurde die Bürgerreise auch von der Stiftung West-Östliche Begegnungen.

Auf Russisch begrüßte Stadtverordnetenvorsteherin Christel Germer bei ihrem Grußwort die Besucher. „Damit sind meine Russisch-Kenntnisse aber auch schon erschöpft“, sagte sie lachend, erntete aber für ihren fremdsprachlichen Willkommensgruß Anerkennung und Applaus der Gäste. Sie drückte ihre Freude darüber aus, dass der Freundeskreis Kostjukovitschi bereits so lange existiere. Auch Grüße vom Ersten Stadtrat Dieter Lang konnte sie überbringen. Dieser fehlte krankheitsbedingt an dem Abend, ließ aber durch Christel Germer viele Informationen zu der Anfang der 1990er Jahre beginnenden Freund- und Partnerschaft erklären.

„Wer sich nicht an Geschichte erinnert, hat keine Zukunft“, sagte der Leiter des Regionalparlaments von Kostjukovitschi, Nikolai Platanov und sprach damit die Geschichte der festen, freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Einwohnern Dietzenbachs und Kostjukovitschi an. GroßenDank sprach er der Ehrenvorsitzenden, Dörte Siedentopf aus, ohne deren Engagement diese Zusammenarbeit und Kooperation nicht möglich gewesen wäre.
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Die Mischung der Aktivitäten für die Besucher sei in der Woche gut angekommen, berichtete Kolmer. Neben Besichtigungen des Dietzenbacher Waldschwimmbades und einer städtischen Solaranlage standen auch Besuche von Kindertagesstätten und dem Bildungshaus auf dem Programm. Kulturelle Entdeckungstouren führten die Besucher etwa nach Schwetzingen und in die Mainmetropole Frankfurt. „Das fand ich toll“, sagte die weißrussische Deutschlehrerin Irina Lukaschenko, die alles Wichtige vom Russischen ins Deutsche und umgekehrt übersetzt hat. Der Besuch im Frankfurter Städel sei „sehr lehrreich“ gewesen, erzählte sie. Auch viele Geschichten über Frankfurt habe sie gehört. „Jetzt weiß ich warum ein goldener Hahn auf der ältesten Mainbrücke der Stadt steht und warum Frankfurt eigentlich Frankfurt heißt.“

Für den mitgereisten Leitenden Chefarzt der Kreisklinik von Kostjukovitschi, Dr. Alexander Lobau, sowie die dortige Oberkrankenschwester, Valiantsina Kliminakova, gab es im Rahmen einer sogenannten „Ärztegruppe“ Besuche und Einblicke etwa in Privatpraxen oder das Offenbacher Ketteler-Klinikum. Dessen Leitender Chefarzt, Prof. Dr. Vittorio Paolucci zeigte sich besonders vom „aktiven Interesse“ der Besucher begeistert. „Das Treffen war hochinteressant und informativ.“ Der individuelle Bezug zum Patienten sei in Deutschland ausgeprägter und auch organisatorisch zeige sich ein großer Unterschied, erläuterte der Weißrussische Chefarzt Lobau. So gehe von der Diagnose bis zur Behandlung alles viel schneller in Deutschland. In erster Linie sei er aber von den medizinischen Geräten beeindruckt gewesen. Oberkrankenschwester Kliminakova hob besonders die Zusammenarbeit zwischen Medizinern und sozialen Mitarbeitern als „bemerkenswert“ hervor. Auf die technischen Geräte sei sie „schon etwas neidisch“, verriet sie. „Hebeapparate, um Patienten umzubetten oder zu baden haben wir nicht“, erklärte sie, „alleine an Rollstühlen mangelt es oft“.

Über die große Freundschaft zwischen den Bürgern und das Wiedersehen vieler bekannter Gesichter freute sich auch Peggy Sauerborn. 1994 kam sie durch die Freundschaft zu Dörte Siedentopf zum Verein und hat mit dem Sammeln von Hilfsgütern und dem organisieren von Transporten begonnen. „Computer, Matratzen, Windeln, Spielsachen - es gab kaum etwas, das wir nicht transportiert haben“, erzählte Sauerborn. Rund 2000 Pakete seien es pro Lieferung gewesen. „Und das zweimal im Jahr“, fügte Vereinsmitglied Wolfgang Johner an. „Da waren auch mehr als 1500 Fahrräder und Ersatzteile dabei.“

Die Tische bei der offiziellen Rückverschwisterungsfeier im Saal des Restaurants Panorama auf dem Wingertsberg waren in die Themenbereiche Medizin, Politik, Kita und Schule sowie Sicherheit und bürgerliches Engagement unterteilt.

„Da können alle vertieft ihre Fachgespräche führen“, erklärte Kolmer die Idee dahinter. „Ich finde es faszinierend, die Besucher mal ganz privat zu erleben“, sagte Svenja Sattler. „In Kostjukovitschi hat jeder eine offizielle Funktion und hier trifft man sich mal auf einer Ebene.“

„Mit dem Chefarzt zusammen am Grill zu stehen ist eben eine ganz andere Atmosphäre als ihn im Arztkittel bei der Arbeit zu erleben“, fügte Svenjas Vater Harald an.

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