Die Diabetiker-Selbsthilfegruppe trifft sich seit 1995 Mit der Krankheit nicht alleine bleiben

Füreinander da sind die Mitglieder der Selbsthilfegruppe jeden ersten Dienstag im Monat. Bild: ans

Dietzenbach – Die Anzahl der Diabetiker in Deutschland nimmt zu. Die jüngste Erhebung der Krankenkasse Barmer zeigt, dass von 2021 auf 2022 einen Anstieg um 95 450 Menschen auf nunmehr 7,29 Millionen Erkrankte gab. Bei Diabetes-Typ-2 ist es dabei meist der Lebensstil, der zu der Erkrankung führt. Typ 1 hingegen ist eine unverschuldete Autoimmunerkrankung, bei der bis heute nicht abschließend erforscht ist, was sie auslöst, wie das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung erläutert. Die Krankheit wirkt sich dabei unter anderem auf die Augen, die Nieren und etwa die Füße aus.

Bei all den schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen gibt es jedoch einen Faktor, der zuversichtlich stimmen kann. „Es ist eine der wenigen schlimmen Krankheiten, bei denen die Betroffenen etwas aktiv tun können“, sagt Lore Steinborn, stellvertretende Leiterin der Diabetiker-Selbsthilfegruppe in Dietzenbach, die sich im Jahr 1995 gegründet hat.

Bis heute treffen sich ihre derzeit rund 20 Mitglieder einmal im Monat zum Erfahrungsaustausch. Jeder kann seine Fragen stellen und trifft dabei auf jemanden, der sich möglicherweise selbst schon mit dem Thema beschäftigt hat oder zumindest einen Rat weiß, versichern mehrere der Gruppenmitglieder. „Man lernt hier auch, wie man mit den Ärzten umzugehen hat“, sagt etwa einer der wenigen Männer, die am Dienstag ins St. Martin Gemeindehaus gekommen sind. Diabetikern etwa stehe es zu, dass ihre Füße regelmäßig von Medizinern begutachtet werden. Denn ihre Krankheit wirkt sich unter anderem auch auf diese Körperteile aus und kann im schlimmsten Fall zu Amputation führen.

Insgesamt jedoch hat sich im Umgang mit der Krankheit in den letzten Jahrzehnten viel getan. „Diabetiker leben heute länger, weil es richtige Therapien und mehr Informationen über das Krankheitsbild gibt“, sagt Steinborn. Das kann auch ein Mitglied der Selbsthilfegruppe bestätigen. Früher habe man sich nur daran gehalten, was man essen darf und was nicht, weiß die Seniorin. Mittlerweile jedoch wird der Blutzuckerwert durch Tabletten oder Insulinspritzen im Gleichgewicht gehalten. Für Patienten, die letzteres anwenden, gibt es zudem die Möglichkeit, ihren Wert über einen Sensor zu messen. Dieser wird am Körper befestigt und gibt die entsprechenden Zahlen an eine App weiter. „Das ist für viele eine Erleichterung und Verbesserung“, sagt Steinborn. Schließlich müsse man so nicht mehr selbst seine Werte messen.

Wird hingegen das Haus für mehrere Stunden verlassen, müssen Diabetiker darauf achten, dass sie ausreichend Medikamente, aber auch Wasser und für den Notfall Traubenzucker dabei haben, wie einer der Betroffenen schildert. Im Sommer sei es hingegen wichtig, darauf zu achten, dass das Insulin immer kühl bleibe, erläutert Steinborn. Wird es warm, gehe es kaputt. Manch einer bewahrt die Spritze in einer Thermoskanne auf, wie im Gespräch mit den Gruppenmitgliedern zu hören ist. Gehe es jedoch in den Urlaub, sei eine kleine Kühltasche notwendig, um die entsprechende Menge an Medikamenten zu lagern. Neben der regelmäßigen Einnahme ihrer Arzneimittel müssen die Erkrankten bekanntermaßen auch auf ihre Ernährung achten. Bereits beim Einkaufen von Lebensmitteln ist dabei Vorsicht geboten. Befindet sich doch nicht allein in Schokolade, sondern auch in Fertigprodukten viel Zucker, wie Steinborn verdeutlicht.

„Es gibt so viele verschiedene Arten davon“, sagt sie. Da kenne sich der Laie überhaupt nicht aus. Generell gelte jedoch, alle Inhaltsstoffe, die auf „ose“ endeten zu meiden. Auch sei es wichtig, so verdeutlicht einer der Senioren, sich als Diabetiker regelmäßig aktiv zu sein. Er selbst hat sich einer Laufgruppe angeschlossen. Doch nicht jeder könne sich noch gut bewegen, wendet indes ein anderes Gruppenmitglied ein. Lore Steinborn weiß jedoch Abhilfe. „Man kann auch im Sitzen viel machen“, sagt sie und gibt den Mitgliedern gleich eine Übung mit auf den Weg.

Die Selbsthilfegruppe hingegen hat es sich zum Ziel gemacht, künftig auch Referenten einzuladen. Bisher habe es noch keine fachspezifischen Vorträge gegeben, wie Steinborn erläutert.

Die Selbsthilfegruppe
trifft sich jeden ersten Dienstag eines Monats ab 18 Uhr im St. Martin Gemeindezentrum.

Von Anna Scholze