Erika Hohmann feierte 90. Geburtstag Märchenfee verzaubert mit Geschichten und selbst genähten Kostümen

Sie erzählt Märchen ohne Buch: Erika Hohmann hat unlängst ihren 90. Geburtstag gefeiert. Foto: Schmedemann

Dietzenbach (liz) – Wenn sie erzählt, sind die Ohren gespitzt und die Augen funkeln. Auf dem Schulhof musste sie sich von der stürmischen Schülerschar beinahe in Acht nehmen, denn ihre Besuche werden stets sehnlichst erwartet. Seit diesem Jahr aber reist die Märchenfee nicht mehr selbst. Doch man hat Nachsehen: Erika Hohmann feiert e unlängst ihren 90. Geburtstag.

Besonders die Kleinen kennen Hohmann gut. In den Schulen und Kindertagesstätten der Kreisstadt war sie unterwegs, um Märchen zu erzählen. Sie ist jedoch keine Leseoma, die in einem Sessel sitzt und aus einem Buch vorliest; sie erzählt frei die Geschichten von verzauberten Fröschen, verwunschenen Schlössern und schönen Prinzessinnen. Rund 30 Märchen kennt sie auswendig. „Das macht mir viel mehr Spaß, weil ich die Kinder währenddessen anschauen kann und ihre großen Augen sehe“, begründet die 90-Jährige.

Das freie Erzählen ist jedoch nicht die einzige Besonderheit. Wenn die Märchenfee kommt, muss Tochter Rosemarie Neidinger mit anpacken: Denn für jede Geschichte hat die Schneider-Meisterin passende Kostüme, die die Kinder überziehen können. „Daraus entsteht dann ein spontanes, improvisiertes Theaterstück, das die Kinder selbst steuern“, erzählt Hohmann. Auf Kindergeburtstagen wird das zum Spektakel, in den Schulen fördert es die Sprache.

Neidinger berichtet: „In der Dietrich-Bonhoeffer-Schule waren wir regelmäßig in den Integrationsklassen zu Besuch, um die Kinder zu motivieren.“ Mit Erfolg. In der Gemeinschaft nimmt es die Angst, mit den anderen gemeinsam Zaubersprüche aufzusagen, das Theater stärkt die Selbstsicherheit. „Wir hatten mal ein Flüchtlingskind, das während einer Erzählung seinen ersten deutschen Satz gesagt hat“, erzählt Hohmann und lächelt. „Das war ein toller Moment.“

Die Leidenschaft für Märchen entdeckte Hohmann im Ruhestand. Ihre Feenkarriere begann, als sie Führungen im Offenbacher Ledermuseum für Kinder spannender gestalten wollte. Ein bisschen flunkern war erlaubt: „Ich habe erzählt, dass die Scherben in den Vitrinen vom König Drosselbart sind, weil er auf der Dippemess in einen Stand gefahren ist.“ Das eigentlich niedergelegte Schneiderhandwerk ließ sie künstlerisch wieder aufleben – die rund 500 Kostüme, die drei Kellerräume füllen, sind selbst genäht. Zumindest fast, denn manche Gewänder hat sie aus verschiedenen Teilen der Welt mitgebracht.

Bis zum Alter von 82 Jahren hat sie noch Gruppen durchs Ledermuseum geführt. „Aber ich muss mich etwas zurücknehmen, mit dem Laufen klappt das nicht mehr so gut“, wirft die 90-Jährige ein. Also kommen die Kinder eben zu ihr. So lautet auch der Plan der Familie für den Geburtstag während der Coronazeit. „Wer kann, der kommt“, meint die Märchenfee. Nachfeiern sei auch kein Problem – sie sei ja schließlich nun ein ganzes Jahr lang 90.

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