Stadtbücherei Dietzenbach feiert ihr 70-jähriges Bestehen

„Ein Ort der Begegnung und der Integration“

Die Leiterin der Stadtbücherei, Anette Wagner-Wilke, zeigte Alexander Budjan von der Hessischen Fachstelle für öffentliche Bibliotheken in den Büchereiräumen in der Darmstädter Straße 7+11 das neue Bücherregal für englische Jugendbücher. Foto: Dreger

Dietzenbach (zsd) – „Bibliotheken spiegeln die Gesellschaft wieder“, sagt Erster Stadtrat Dieter Lang. Im besonderen sei dies in der Dietzenbacher Stadtbücherei zu spüren. Diese hatte zu ihrem 70. Geburtstag mit Musik, Lesungen sowie Mitmachangeboten für die kleinen Gäste in ihren Hof an der Darmstädter Straße eingeladen. Zwischen den Bücherregalen gehe es nicht alleine um die Bücherausleihe. „Hier geht es um mehr“, hob Erster Stadtrat Lang hervor.

Die Stadtbibliothek sei vielmehr ein Ort der Begegnung und der Integration, einem Stadtteilzentrum gleich.

Im Zentrum der Arbeit stehe schon immer das Motto, Bildung und Kultur für alle zugänglich zu machen, erläuterte die Leiterin der Stadtbücherei, Anette Wagner-Wilke.

Konstruktive Teilnahme an der Demokratie und an der Gesellschaft beruhten nicht zuletzt auf guter Bildung und einer guten Lesekompetenz jedes Einzelnen, führte sie aus.

Dazu gehöre der uneingeschränkte Zugriff auf Wissen und Information, was die unabhängige Urteilsbildung erst ermögliche. Ein freier Zugang zu Bildung und Medien schaffe zudem die Grundvoraussetzungen für lebenslanges Lernen, Chancengleichheit und kulturelle Entwicklung sowohl des Einzelnen als auch gesellschaftlicher Gruppen.

Während sich die kleinen Besucher mit Glitzertattoos verschönern ließen oder eigene Ketten bastelten, ließen sich die großen Gäste im Hof bei Kuchen und Kaffee mit handgemachter Musik durch Geige und Gitarre vom Duo „Dreamteam Hannah“ unterhalten. Mit einer humoristischen Lesung wusste zudem Susanne Gertler für kurzweilige Abwechslung zu sorgen.
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Zwischen den Regalen im ersten Stock nahm Finja derweil eines von rund 7.500 Kinderbüchern in die Hand und begann t darin zu blättern. „Ich leihe mir gerne Bücher aus und hier ist immer was spannendes dabei“, sagte die Neunjährige und lobte das Angebot der Stadtbücherei. „Hier gibt es echt voll viel.“

Zusammen mit ihrer Schwester und einer Freundin hatte sich Finja einen ganzen Korb mit Büchern und CDs ausgesucht.

Insgesamt stehen rund 28.000 physische Medien zur Auswahl. Zusammen mit mehr als 100 Bibliotheken in ganz Hessen, warten nochmal etwa 170.000 digitale Medien im „Onleihe Verbund Hessen“ darauf, entdeckt zu werden. „Da gibt es unter anderem auch den kompletten Brockhaus“, erklärte Büchereimitarbeiterin Angela Pischulski. „Physisch als Buch wird die Enzyklopädie nicht mehr aufgelegt, und dort ist sie auch immer aktuell.“ Ohnehin werde das Digitale zunehmend mehr. Für Büchereileiterin Anette Wagner-Wilke ist das aber kein Nachteil. „Wir sehen das Angebot im Internet nicht als Konkurrenz, wir nutzen vielmehr beides, und das ergänzt sich ganz gut.“

Im Januar 1948 mit einem Buchbestand von 500 Exemplaren als kleine Volksbücherei im Keller der alten Schule eröffnet, hat die Stadtbücherei ihren Medienbestand im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut. Nach mehreren Umzügen etwa in die Kellerräume der heutigen Dietrich-Bonhoeffer-Schule in den 1960er Jahren, einer späteren etwa zehnjährigen Unterkunft in einem Holzpavillon und dem in den 1980er Jahren bezogenen Domizil in der City-Passage, kümmern sich mittlerweile vier hauptamtliche Mitarbeiter und vier Aushilfen um die im Jahr 2000 eröffneten Räume im Neubau an der Darmstädter Straße.

„Hier ist in der Vergangenheit sehr viel passiert und es gibt immer wieder neue Projekte“, lobte Alexander Budjan von der Hessischen Fachstelle für öffentliche Bibliotheken, die der Stadtbücherei seit Jahren beratend und mit finanzieller Unterstützung zur Seite steht. „Der stetige Fortschritt hier ist bemerkenswert.“

Die vor allem von der Barton-Stiftung finanzierte und mit kleineren Zuschüssen des Fördervereins sowie des Vereins Zusammenleben der Kulturen unterstützte Schülerhilfe bietet seit 2011 Literatur und Hilfe für Schüler an. Dank Landesmitteln konnte die virtuelle Stadtbücherei etwa um den Musik-, Streaming- und Downloaddienst Freegal Music, oder die Kinderbuch-App Tigerbooks ausgeweitet werden. Mehr als 35.000 Besucher zählte die Bücherei im vergangenen Jahr. Das Angebot ist vielfältig. „Fremd- und zweisprachige Bücher gewinnen aber immer mehr an Bedeutung“, erklärte Pischulski.

Ein ganzes Regal englischsprachiger Jugendbücher sei gerade erst errichtet worden. „Und das wird sehr gut angenommen.“ Kurz nach dem Bezug des Neubaus gründete sich der heute 40 Mitglieder starke Förderverein. Verschiedene Veranstaltungen wie der Interkulturelle Salon, Lesungen oder das Bilderbuchkino, das regelmäßig etwa von Kitas genutzt wird, sind fester Bestandteil des Programms. Auch zur Feier des Tages gab es ein Bilderbuchkino. Gemeinsam mit anderen Kindern verfolgte Emma dort gespannt die Geschichte „Der Löwe und der Hase“, die von Büchereimitarbeiter Daniel Windmüller vorgelesen und per Beamer auf die Leinwand projiziert wurde. „Das hat Spaß gemacht und war richtig spannend“, sagte die Dreijährige am Ende, verriet aber, dass sie gleich wieder in den Hof möchte um ihre Namenskette fertig zu basteln.

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