Besucher ließen sich die „Nacht der Lichter“ vom Wetter nicht vermiesen Der Regenschirm blieb am Abend ein treuer Begleiter

Dietzenbach (liz) – Der Zauber beginnt schon nachmittags, wenn Kerzen auf Gehwegen und Fenstersimsen platziert werden. Die Atmosphäre der „Nacht der Lichter“ ist schon greifbar, obwohl die Sonne das Scheinen noch nicht dem Mond überlassen hat. Doch von dem sieht man ohnehin nicht viel, weil Regenwolken den Himmel bedecken. Die Flammen der Teelichte, die die Gassen der Altstadt säumen, tanzen schließlich in der Reflexion des regennassen Kopfsteinpflasters.

Treuer Begleiter bleibt an diesem Abend der Regenschirm. Da liegt es nicht fern, dass der Musiker Jonas Fisch seinen Streifzug durch die Höfe mit dem Lied „Umbrella“, also „Regenschirm“, beginnt. Neben Fisch ziehen Patrick Steinbach und die Band „Sunshine Conspiracy“ von Hof zu Hof. Mit Musik, die keinen Strom braucht, unterhalten sie die Besucher, die sich trockene Plätze unter Pavillons gesucht haben. „Das Zelt haben wir schon am Freitag aufgebaut“, erzählt Ingrid Bien, Bewohnerin des Eckertschen Hofes. Der Wetterbericht sei regelmäßig geprüft worden, um auf das Fest vorbereitet zu sein. „Einige Besucher sind wegen des Regens auch einfach sitzen geblieben“, berichtet sie weiter. „Dennoch war die Stimmung von Anfang an gut, das lassen sich die Dietzenbacher nicht nehmen“, fügt Bewohnerin Bruni Höfer hinzu.

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Zu einer besonderen Atmosphäre vereint der Blumenbinder Arne Brokmeier Kunst mit Wein und Musik. Zu edlen Tropfen von Köppen Gourmet sinnieren die Besucher zur Porträtmalerei der jungen Künstlerin Ina Schult. Links neben der Tür hat sich die Akustikcoverband „Black Cat Music Salon“ platziert. „Es ist zwar eng, aber dafür kommt man hier so schnell miteinander ins Gespräch“, findet Besucher Gundy Keller. Der Aschaffenburger besucht die Nacht der Lichter zum ersten Mal und die Blumenbinderei ist eine von vielen Stationen, die er an diesem Abend besuchen will. „Hier gleicht keine Gasse der anderen, jede hat ihre eigene Note“, sagt der Besucher anerkennend.

Wer durch die Straßen läuft, wird auf den ersten Blick gar nicht alles sehen. Neben den opulent hergerichteten Höfen lohnt sich auch der Blick in kleine Fenster. Manche warten mit großen Laternen auf, andere mit filigranen Lichterketten, die das Innere einer Weinflasche zum Leuchten bringen.

Schaulustige Schirmträger verschlägt es auf den „Roten Platz“, wo die „Firedancer“ mit einem Spektakel aus Flammen und Akrobatik begeistern. Die Sirene des Feuerwehrmuseums gellt durch die verregnete Nacht und ruft damit zu der historischen Löschübung mit Eimerkette und Handdruckspritze.

Literarische und musikalische Happen bietet Reiner Wagner im Theater Schöne Aussichten an. Das Open-Air-Vorhaben hat er schon am Mittag in den Theatersaal verlegt. „Das Wetter kann man eben nicht beeinflussen, aber wir machen alle das Beste daraus“, sagt er motiviert.

Die Dunkelheit und das Kerzenlicht entschleunigen das Geschehen.

Wem der Sinn nach Meditation steht, kommt in der mit Kerzen ausgeleuchteten Christuskirche zur Ruhe. Ein besonderes Erlebnis im Zwielicht der Kerzen ist das Orgelkonzert, das zu später Stunde das alte Gemäuer erfüllt. Die liebevollen Illuminationen der Altstadt geben der Weißrussin Christina Filimonova langsam zu verstehen, was sie sich unter einer „Nacht der Lichter“ vorstellen kann.

Sie ist derzeit mit einer Gruppe aus der Partnerstadt Kostjukovitschi zu Besuch. „Ich konnte mit dem Begriff nichts anfangen und bin jetzt angenehm überrascht“, sagt sie. Das Fachwerk, das es in ihrer Heimat nicht gibt, und die Kreativität, mit der es geschmückt ist, beeindrucken die Weißrussin. Das Programm findet zwar zur Geisterstunde ein Ende, doch so manches Licht flackert in den Höfen noch weiter und Gitarrensaiten klingen nach. „Wir sind leer gekauft und zufrieden“, resümiert Bien. „Hätte sich die Sonne doch gezeigt, wäre es enger geworden.“

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