Frühlingsfest und verkaufsoffener Sonntag vor und im Rathaus-Center Rummel auf dem Europaplatz

Vor allem für Kinder gab es auf dem Frühlingsfest zahlreiche Angebote. Bild: lynch

Dietzenbach – Churros, Bratwurst, Mandeln gehören für viele zu einem guten Rummel genauso wie Autoscooter, Kinderkarussell und Schießstand. Die bunten Buden locken Jung und Alt, Klein und Groß mit ihrem Angebot, dem stressigen Alltag zu entfliehen. Den Dietzenbachern bot sich diese Gelegenheit gestern auf dem Europaplatz. Beim traditionellen Frühlingsfest konnten sie sich nicht nur mit den Rummelattraktionen vergnügen. Die Geschäfte des Rathaus-Centers luden gleichzeitig noch zu einem verkaufsoffenen Sonntag ein – sehr zu Freude der Kunden. Doch nicht alle waren begeistert.

Das Bild und die Geräuschkulisse an diesem warmen Sommertag bestimmen die Kleinen: Auf dem Europlatz und im Rathaus-Center tollen sie überall herum. Viele haben eine tropfende Eistüte in der Hand, um sich abzukühlen. In der Eisdiele im Erdgeschoss des Einkaufstempels herrscht hektische Betriebsamkeit. Kaffeetassen klirren, Kellner laufen zackig die Tische auf und ab, an denen die Besucher in ihren Gesprächen vertieft sind. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Die brummende Kaffeemaschine, das Ausklopfen der Eiskelle, das Klingeln, um zu signalisieren, dass die nächste Bestellung bereitsteht, vermischt sich zu einem schief klingenden Konzert.

Eine junge Besucherin freut sich über den verkaufsoffenen Sonntag: „Sonntags kann man nicht so viel machen hier in der Stadt. Das ist so ein toter Tag. Ich würde es schön finden, wenn so etwas wie heute öfter stattfindet“, sagt die 16-jährige Alina. Die Argumente für und gegen verkaufsoffene Sonntage geistern seit Jahren durch die Medien. Gewerkschaften und Kirchen lehnen eine Ausweitung des Handels auf den im Grundgesetz geschützten Ruhetag ab. Angestellte im Einzelhandel hätten ohnehin schon eine Sechstagewoche. Ein Tag Pause sei notwendig, um diese nicht überlasten.

Befürworter argumentierten vor allem mit gesunkenen Einnahmen im stationären Handel und erhoffen sich mehr Geld durch verkaufsoffene Sonntage. Eine Angestellte in einem der Läden des Rathaus Center hat eine klare Meinung zum Thema: „Ich kann verstehen, dass manche Menschen gerne sonntags einkaufen gehen würden, weil sie vielleicht an den anderen Tagen arbeiten und keine Zeit haben. Aber für mich als Angestellte im Einzelhandel ist eine Ausweitung des verkaufsoffenen Sonntag kein wünschenswertes Ziel. Wir sind sowieso schon unterbesetzt. Wer soll die Arbeit machen? Ich lehne das klar ab.“ Ein Statement, das die Frau nur unter vorgehaltener Hand machen möchte, um es sich nicht mit dem Chef und den Kollegen zu verscherzen.

Draußen auf dem Europaplatz steht für die Kleinen ein besonderer Höhepunkt bereit, im wahrsten Sinne des Wortes. Dort, wo sich die größte Schlange von Jungs und Mädchen gebildet hat, stehen Trampoline in der Mitte des Platzes. Mit umgeschnalltem Sicherheitsgurt können sie dort mehrere Meter hoch in die Luft springen.

Die etwas älteren Kinder und Jugendlichen tummeln sich vor dem Autoscooter, wo die Jungs versuchen mit mehr oder weniger coolen Posen die Mädchen zu beeindrucken. Nichts für schwache Mägen ist das „Swing-Time“-Fahrgeschäft: Es dreht sich nicht nur um die eigene Achse, sondern neigt sich auch in alle Himmelsrichtungen. Ohne Sicherung halten sich die Adrenalinjunkies am Gitter über ihren Köpfen fest. Wer besonders mutig ist oder ein bisschen angeben will, der läuft auf der drehenden Scheibe und versucht standhaft zu bleiben.

Von Steffen Lynch

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