Bei den „Blaumachern“ lernen Kinder, eigenverantwortlich zu handeln Die Sommerferien nutzen, um Wissenslücken zu schließen

Gut gelaunt, obwohl sie in den Ferien lernen: Die Blaumacher um Initiatorin Elke Schott nutzen die Ferien, um Wissenslücken zu schließen. Foto: Schmedemann

Dietzenbach (liz) – „So, wir müssen alle etwas trinken“, sagt der neunjährige Zalmai in gewissenhaftem Ton, während er seinen Handywecker ausstellt. Dieser klingelt alle 15 Minuten, um die sechsköpfige Truppe an ihren Wasserhaushalt zu erinnern. Denn das fördert die Konzentration, wenn man lernen will.

Denn die „Blauchmacher“ treffen sich regelmäßig, um gemeinsam Grammatik und Co. zu pauken – auch in den Ferien.

Zum Start der schulfreien Zeit hat das Sommerprojekt der 2018 gegründeten Initiative „Die Blaumacher“ begonnen. Während Klassenkameraden sich vielleicht im Waldstadion ausgetobt haben, haben die sechs Schüler „Fehler“ in „Chancen“ gewandelt.

Elke Schott, die mit ihrem Projekt rund um die „Blaue Bank“ ihre Fahne für mehr Respekt in den Wind der Gesellschaft hält, möchte diese Werte spielerisch an Kinder weitergeben. „Das sind die Erwachsenen von morgen“, betont die 59-Jährige.

Als Nachhilfelehrerin hat sie schon einige Schüler erlebt, die aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten in der Schule haben.

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„Oft liegt das ja nicht daran, dass sie den Stoff nicht verstehen – sondern weil andere Dinge sie ausbremsen“, weiß Schott. Das kann der Druck sein, den die Eltern machen, oder die Angst, vor der gesamten Klasse etwas Falsches zu sagen. Auf der anderen Seite hat Schott als Qualitätsmanagerin so manche Firma umgekrempelt und findet: „Was bei den Großen geht, funktioniert auch bei den Kleinen.“ Das Homeschooling während der Corona-Zeit hat noch einmal verdeutlicht, worum es bei den „Blaumachern“ geht: Wer einmal den Anschluss verloren hat, holt das nicht ein. Wissenslücken ziehen sich zwangsläufig durch die folgenden Schuljahre und sorgen für Frust. Auf der anderen Seite hat der große Bedarf andere Prozesse beschleunigt: „Die Blaumacher sind jetzt ein eingetragener Verein“, freut sich die Vorsitzende.

Die ersten Nachhilfestunden nach Blaue-Bank-Konzept fanden bereits im Januar statt. Die zehnjährige Khaula ist von Beginn an dabei. „Wir haben zusammen geguckt, wo ich Schwierigkeiten habe“, erzählt das Mädchen. Das Wort „Fehler“ formuliert Schott dabei in „Chance“ um: „Erst wenn ich weiß, wo meine Schwäche liegt, kann ich anfangen, nach Lösungen zu suchen.“ Anstatt stupide die immer selben Grammatikregeln zu büffeln, lernt ein „Blaumacher“, sich selbst zu helfen. „Außerdem helfen wir uns gegenseitig“, fügt die Fünftklässlerin hinzu. Die Erstklässlerin Hajar bestätigt das mit einem stolzen Nicken, während Viertklässler Zalmai einen neuen Wecker für die nächste Trinkpause einstellt. Den Kindern wird Verantwortung übertragen. Also etwas, das im Schulalltag zu kurz kommt oder teilweise von Eltern versäumt wird. Neben dem Pausenmanager werden pro Tag außerdem die Rollen des Projektmanagers und des Assistenten vergeben. Auf diese Weise gibt jeder einmal Anweisungen oder muss diese befolgen. Die Essenz der Sache: Nichts geht ohne Team und ohne Eigenverantwortung.

Was in Worten so trocken klingt, wissen die Kinder lebhaft umzusetzen. Sie erörtern und diskutieren, sammeln ihre Ergebnisse auf Plakaten. Und wenn bei einer Frage doch einmal ein Finger nach oben schnellt, sind dem Anzeiger vorwurfsvolle Blicke gewiss. „Wir sollen uns doch nicht melden“, zischt der achtjährige Yassir seinem Sitznachbarn zu. Zu spät, Strafe muss sein: Eine Runde auf einem Bein über den Hof hüpfen. Schott erläutert: „Diese ‚Strafen‘ und Regeln haben sich die Kinder am Anfang selbst erarbeitet.“ Als Zalmai von seiner Strafrunde zurückkehrt, widmen sich die Kinder wieder gemeinsam der Aufgabe. Denn zum Ende der Ferien wollen zwei Projekte umgesetzt sein: In einem Schülerkalender werden die Grammatikspicker und in einem Buch selbst geschriebene Geschichten gesammelt. „Zusammen macht das richtig Spaß“, findet Hajar.

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