Meilensteine der vergangenen 270 Jahre Von Tradition und Neuanfang

Das dritte Rathaus der heutigen Kreisstadt befand sich in der Frankfurter Straße 1. Die Verwaltung war hier mehr als 80 Jahre ansässig. Heute ist das Gebäude in Privatbesitz. Bild: ans

Dietzenbach – Dietzenbach kann auf eine lebendige Geschichte zurückblicken. Festgehalten haben diese Detlev Kindel und Gisela Rathert in ihrer Veröffentlichung „775 Jahre Dietzenbach – Heimat- und Geschichtsbuch“. So zeigt ein Blick in die Vergangenheit, wie tief verwurzelt die Tradition des Kirchweihfestes ist. Oder dass das Waldstadion den Dietzenbachern bereits seit 70 Jahren als Sportstätte dient.

.  Vor 30 Jahren

Am 1. Juli 1994 fand der Spatenstich zum Bau der Sterntalerschule statt. Es war die fünfte Grundschule, die in Dietzenbach errichtet wurde. Noch im selben Monat begannen die Umbauarbeiten in der historischen „Alten Schule“ an der Darmstädter Straße. Denn das Land Hessen hatte dem Wunsch der heutigen Kreisstadt entsprochen und genehmigte eine 24 Stunden besetzte Polizeistation, wie dem Buch von Rathert und Kindel zu entnehmen ist. Die Volkshochschule, die bis dahin in dem Gebäude ansässig war, zog 1995 an den Masayaplatz.

.  Vor 40 Jahren

Es ist ein Lokal mit langjähriger Tradition: Die Gaststätte „Zur Linde“ an der Darmstädter Straße wurde am 28. April 1984 neu eröffnet. Die „Linde“ war umgebaut und erweitert worden. Dem ging ein Streit unter den Kommunalpolitikern im Jahr 1979 voraus, der zunächst zur Schließung des Linde-Saales und später auch der Gaststätte führen sollte. Einige Jahre später jedoch entschied sich die Stadtverordnetenversammlung dazu, die „Linde“ für damals 2,1 Millionen Deutsche Mark neu gestalten zu lassen. Dabei galten die Bedürfnisse der Vereine als Maßstab. Denn die Lokalität hatte sich seit dem Jahr 1919 für die ehemaligen Musik- und Gesangsvereine zur Heimat entwickelt.

.  Vor 50 Jahren

Im Herbst 1974 klagte die „Interessensgemeinschaft Stadtentwicklung“ gegen das Land Hessen. Grund für das sogenannte „Normenkontrollverfahren“ war, dass die Stadtverwaltung im Zusammenhang mit dem Städtebauförderungsgesetz Eigentümern ihre Grundstücke abkaufen sollte. Diese bekamen zwar später ein Vorkaufsrecht auf ihren Besitz, wer sich jedoch weigerte, sein Eigentum zu veräußern, wurde zwangsenteignet. Die Klage gegen diese Maßnahme war allerdings erfolglos. Der Verwaltungsgerichtshof Kassel wies sie im Jahr 1980 zurück.

.  Vor 70 Jahren

Im Jahr 1954 wurde an der Offenthaler Straße das Waldstadion eröffnet. Einige Jahre später sollte das Stadion zur Heimat des FC Dietzenbachs werden, nachdem sich dieser aus dem Schatten der SG Dietzenbach freigespielt hatte. Kickten doch einige Gründungsmitglieder des FC zuvor bei der Sportgemeinschaft, bevor sie 1971 ihren eigenen Verein gründeten. Seit mehreren Jahrzehnten toben Sommer für Sommer Dietzenbacher Kinder während der Ferienspiele über das Gelände. Im Jahr 2015 lebten rund drei Jahre Geflüchtete in Containern auf dem Freizeitareal. Heutzutage sind hingegen die notwendigen Sanierungsarbeiten eines der hervorstechenden Themen, die im Zusammenhang mit dem Waldstadion stehen.

.  Vor 130 Jahren

In den Jahren 1894/95 erhält Dietzenbach in der Frankfurter Straße 1 sein drittes Rathaus. Mehr als 80 Jahre war dort dann die Verwaltung ansässig. In den letzten Jahren wurde das Gebäude jedoch zu klein, denn mit der Entwicklung Dietzenbachs vom Dorf zur Stadt wuchs auch der Verwaltungsapparat. Viele Ämter mussten an anderen Orten untergebracht werden. Nach dem die Stadt ausgezogen war, nutzen die Vereine das Gebäude etwa für ihre Veranstaltungen. Im Jahr 1991 zog hier allerdings der Polizeiposten ein. Der später, wie erwähnt, nur einige Häuser weiter in die „Alte Schule“ in der Darmstädter Straße ziehen sollte.

.  Vor 250 Jahren

Im Juni 1774 stürzen insgesamt 35 Gebäude, von denen der Großteil Scheunen war, aufgrund eines Unwetters zusammen. Insbesondere die Borngasse ist stark betroffen. Zudem brechen rund 2000 Obstbäume unter dem Sturm zusammen. Eine Frau verliert während des Unwetters ihr Leben.

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Vor 270 Jahren

Am 27. Oktober 1754 wird das neu gebaute Kirchenschiff der heutigen Christuskirche eingeweiht. Seit diesem Tag feiern die Dietzenbacher jedes Jahr die Kirchweih am 21. Sonntag nach Trinitatis. Das alte Kirchenschiff war während des Dreißigjährigen Krieges beschädigt und anschließend nur „notdürftig geflickt“ worden, wie Kindel und Rathert schreiben. Auch war es für die Gemeinde, die damals viele Mitglieder gewonnen hatte, zu klein geworden. Der Neubau wurde mit dem Kirchturm verbunden, der bis dahin für sich alleine gestanden hatte.
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