Vor 50 Jahren eröffnete die Familie Ebeling Dietzenbachs erstes Juweliergeschäft Um Wunsch nach Selbstständigkeit zu erfüllen, ging die Familie im Jahr 1970 aufs Ganze

Mutter und Tochter: 1999 hat Katrin Reutel das Juweliergeschäft von ihren Eltern übernommen. Christel Ebeling schaut heute noch gerne vorbei. Foto: Wittekopf

Dietzenbach (lj) – Katrin Reutel hatte eigentlich andere Pläne. Dass sie irgendwann einmal das Juweliergeschäft ihrer Eltern an der Schmidtstraße übernehmen würde, hatte sie nie vor. Mittlerweile steht sie aber bereits seit 1999 im Laden, berät Kunden beim Schmuck- und Uhrenkauf, hilft weiter, wenn Reparaturen notwendig werden. „Als meine Eltern das Geschäft abgeben wollten, hat es für mich gerade gut gepasst“, erzählt sie. Gelernt habe sie in der Reisebranche, dort viele Jahre gearbeitet. Dann kamen die Kinder. „Als sich mein Vater zur Ruhe setzen wollte, hat sich das für mich angeboten.“ Zum 1. Januar 1999 trat sie dann die Nachfolge an.

Das Geschäft ihrer Eltern Christel und Joachim Ebeling hatte sich damals in der Kreisstadt längst einen Namen gemacht. Zum Glück. Denn um sich den Wunsch nach Selbstständigkeit zu erfüllen, ging die Familie 1970 aufs Ganze. Katrin Reutel erinnert sich noch gut daran. Damals lebte sie mit Eltern und Schwester im niedersächsischen Celle. Ihr Vater, der mittlerweile verstorben ist, war Uhrmachermeister und bei einer Firma angestellt. Aber er wollte sich selbstständig machen. In Celle hatte das wenig Aussicht auf Erfolg. „Dort gab es schon viel Konkurrenz in der Branche, knapp zehn Läden.“ Ihre Tante habe bereits in Dietzenbach gelebt. „Wir wussten also, dass es ein wachsender Ort war.“ Ein Juweliergeschäft habe es noch nicht gegeben. Die Entscheidung fiel, die Familie zog um, am 15. November eröffneten Christel und Joachim Ebeling ihren Laden an der Frankfurter Straße.

„Und von Anfang an wurde das Angebot gut angenommen“, erzählt Katrin Reutel. Und das, obwohl es damals andere Zeiten gewesen seien. „Die Auswahl war viel kleiner, aber die Kunden freuten sich über Qualität und Beratung.“ Das Geschäft mit Uhren, Ketten, Armbändern und Ringen lief so gut, dass bald größere Räume her mussten. 1975 stand darum der Umzug in die Schmidtstraße 1 an, wo der Laden bis heute zu finden ist und in dieser Woche seinen 50. Geburtstag feiert. Und auch nach 50 Jahren ist das Juweliergeschäft Ebeling in der Kreisstadt Ansprechpartner für die Kunden. Viele kommen seit Jahren. „Das bleibt eine Vertrauenssache“, sagt die Ladeninhaberin. Und sie sei immer da, man kenne sie, so wie man früher ihre Eltern kannte.

Dennoch hat sich in einem halben Jahrhundert vieles getan, auch das Geschäft mit Schmuckstücken hat sich gewandelt. So seien vielen Kunden mittlerweile Markennamen wichtig, sie kauften mehr, dafür mit weniger Augenmerk auf Langlebigkeit. Die gravierendste Veränderung aber sei der Online-Handel, sagt Katrin Reutel. „Als kleiner Laden kann man da nur überleben, wenn man vor Ort Service anbietet.“ Das tut sie. Neben dem Verkauf, hilft sie auch weiter, wenn ein Schmuckstück, eine Uhr defekt ist, sich die Zeiger nicht mehr drehen, der Verschluss hakt. „Kleine Arbeiten wie Batteriewechsel erledige ich hier.“ Für alles andere arbeite sie mit Uhrmachern und Juwelieren in der Umgebung zusammen. „Das hat schon mein Vater nicht mehr selbst im Laden gemacht“, erzählt Katrin Reutel. Die Arbeit an einem mechanischen Uhrwerk etwa sei sehr aufwenig, man brauche eine Werkstatt, Ruhe und vor allem Zeit.

Was ihr Sortiment angeht, hat sich Katrin Reutel von Trends und Markennamen verabschiedet. „Man muss seine Nische finden, ich konzentriere mich auf individuelle Stücke.“ Damit fährt sie bislang gut, ist zuversichtlich, den Kunden noch bis zu ihrem eigenen Ruhestand erhalten zu bleiben. Trotz Corona. „Auch wenn natürlich alle um das diesjährige Weihnachtsgeschäft bangen, hoffe ich, dass ich weiterhin auf meine Kunden setzen kann.“

Zumindest die Jubiläumsfeier lässt das Virus aber nicht zu. „Sekt und Häppchen im Laden, das geht gerade einfach nicht“, sagt Katrin Reutel. Aber das sei jetzt eben so. Stattdessen gibt es während der gesamten Woche vor dem eigentlichen Geburtstag am Sonntag, 15. November“, eine Rabattaktion. „Das kommt schließlich immer gut an.“

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