Rücksendung der Deutschen Post macht Dietzenbacher ratlos „Viel Gedöns“ um fünf Cent

Dass Internetmarken nach drei Jahren ihre Gültigkeit verlieren, hätte der Dietzenbacher Ulrich Eisenblätter gerne früher gewusst. Während des Bestellvorgangs werden Kunden darauf nicht hingewiesen, sondern erst in den AGB. Bild: privat

Dietzenbach – Die Verwunderung bei Ulrich Eisenblätter war groß, als er einen Brief mit einem großen, gelben Etikett aus seinem Briefkasten gefischt hat. Zwar mögen Briefe erst einmal nichts Ungewöhnliches sein – wenn sie von einem selbst stammen hingegen schon. Wenige Tage zuvor hatte der Dietzenbacher die Geburtstagsgrüße nämlich selbst in den Briefkasten an der Ecke geworfen. Auf dem gelben Etikett ist zu lesen: „Sie erhalten diese Sendung zurück, da die Gültigkeit der zur Frankierung der Sendung verwendeten Internetmarke abgelaufen ist.“ Weiter verweist der Aufkleber auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen zum Herunterladen der Internetmarke.

Die Grüße haben das Geburtstagskind nun nicht mehr erreicht, so viel steht fest. Mit der Frage nach dem Warum hat sich Eisenblätter jedoch an die Redaktion gewandt und schildert die Situation folgendermaßen: Die klassische Marke, die er zur Hand hatte, wies nur 80 Cent aus, inzwischen liegt der Frankierungsbetrag bei 85 Cent für einen Standardbrief. Nach ein wenig Kramen hat der Dietzenbacher schließlich noch eine Internetmarke mit einem Wert von 10 Cent gefunden, die er im Dezember 2019 ausgedruckt hatte – so ist es zumindest deutlich auf der Marke zu lesen. „Ich habe gleich mehrere Marken mit diesem Wert ausgedruckt, um Papier zu sparen“, erläutert Eisenblätter. Denn neben dem Bogen hat sich der Rentner immerhin auch den Weg zur Postfiliale gespart, demnach ja auch irgendwie Personalkosten.

Ausgedruckt auf dem heimischen Drucker, selbst ausgeschnitten und schließlich mit dem eigenen Klebestift auf dem Kuvert platziert, wähnte sich Eisenblätter in Sicherheit. „Ich wusste nicht, dass Briefmarken ablaufen können“, sagt Eisenblätter überrascht. Und tatsächlich: Laut der Webseite der Deutschen Post bleiben alle Marken, die seit der Euro-Einführung 2002 herausgegeben worden sind, gültig. Ältere Briefmarken können dann benutzt werden, wenn sie die Doppelnominale mit Pfennig- und Eurobetrag aufweisen. Dass Internetmarken verfallen, erfährt hingegen nur derjenige, der das Kleingedruckte liest.

Laut der allgemeinen Geschäftsbedingungen, auf die das gelbe Etikett auf der Geburtstagspost verweist, ist das Kaufdatum, das auf jeder Marke steht, maßgeblich für die Gültigkeitsdauer. Auf der Webseite heißt es weiter: „Erworbene Internetmarken verlieren mit Ablauf des dritten auf den Kauf folgenden Jahres ihre Gültigkeit.“

Während des Bestellprozesses werden Kunden jedoch nicht gesondert auf dieses „Verfallsdatum“ aufmerksam gemacht, wie der Selbstversuch in der Redaktion zeigt. Nach ein paar Klicks können Marken erworben werden, beim Bestellprozess werden die obligatorischen Häkchen bei den AGB und der Datenschutzerklärung gesetzt. Eisenblätter findet: „Das hätte ich mir schon ein bisschen auffälliger gewünscht.“

Doch warum verfallen Internetmarken, während die klassischen Varianten nicht ablaufen? Wegen der Aufbewahrung. Damit ist nicht das Schlummern in Eisenblätters Schublade gemeint, sondern das Speichern der zur Internetmarke hinterlegten Daten auf Servern. Für jede Marke wird ein QR-Code generiert, dessen Informationen zu speichern auf Dauer zu aufwendig und teuer wäre.

Doch es gibt auch noch einen weiteren Fallstrick beim Kauf von Internetmarken: Auf ihrer Webseite informiert die Deutsche Post außerdem darüber, „dass eine Mischfrankierung aus Internetmarken und Standardpostwertzeichen nicht zulässig ist“. Die Frage, ob das der Grund für die Rücksendung der Geburtstagspost in den Briefkasten der Eisenblätters war, konnte die Deutsche Post bis Redaktionsschluss nicht beantworten. Auch die Antwort auf die Frage, ob man anstatt des Kaufdatums das Verfalldatum auf die Internetmarke drucken kann, liegt uns nicht rechtzeitig vor. Falls es jedoch tatsächlich lediglich um eine Differenz von fünf Cent gegangen ist, winkt Eisenblätter locker ab: „So viel Gedöns steht ja in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, mir den Brief zurückzuschicken.“

Von Lisa Schmedemann

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