Ritterspektakel und Feuershow Dreieich: Hayner Burgfest 2018

In vollem Galopp stürzten Reiter und Pferd auf den Ring zu, den es mit der Lanze aufzuspießen galt. Foto: zcol

Dreieich (zcol) – Das Hufgetrappel war in dem tiefen Sand des Turnierplatzes vor dem Obertor kaum wahrnehmbar. Umso lauter waren die aufeinanderprallenden Schwertklingen der kämpfenden Reiter am frühen Samstagabend zu hören. Unter dem Titel „Belenus – das Licht der Sonne“ erlebten die Zuschauer auf dem Hayner Burgfest den leidenschaftlichen Wettkampf zwischen Licht und Finsternis, Kälte und Hitze und den so spannend in Szene gesetzten Wettstreit der Jahreszeiten.

Regisseur Herold Flynn brachte wieder einmal eine atemberaubende Turniershow zu Pferde auf die Dreieichenhainer Bühne. Die Mittelalterfreunde jubelten, als die Göttin des Frühlings, mit ihrem wunderschönen Rappen im gestreckten Galopp über den Sand fegte, und die Finsternis des Winters besiegte. Ob die strahlenden Gottheiten zu Pferde zielgenau die Ringe stachen oder den Morgenstern ins weiche Holz versenkten – die große Pferdeshow war sicher wieder eines der größten Publikumsmagneten zwischen der Alten Burg, der Brücke, dem Burggraben und dem Untertor.

Mit den keltischen Traditionen war damit auch der Bezug zu Dreieichenhain hergestellt: im Jahr des 300. Kerbgeburtstags passte das ganz besonders gut. Stammen doch die Kerbtraditionen mit den Burschen, dem Baumaufstellen und der Kerbverbrennung auch schon aus der 4.000 Jahre vergangenen Zeit der Kelten. Roger Heil und sein Organisationsteam hatten einmal mehr ganze Arbeit geleistet: Das Ritterspektakel in der Dreieichenhainer Altstadt lockte wieder tausende Mittelalterfans an. Edle Ritter, tapfere Soldaten, Burgfräulein, Bettler, Hexen und Tagelöhner tummelten sich zwischen den etwa 100 Ständen, von historischem Handwerk, Händlern und Schankwirten. Schon am Freitagabend war der Burggarten brechend voll, die Fans wollten Soar Patrol erleben. Die markanten Schotten rockten den Garten mit den druckvollen Trommeln, den Dudelsäcken und ihrer ganzen mittelalterlichen Pracht.

Ein wenig abseits von diesem ganz großen Trubel machte am Freitagabend Olaf Wüst auf dem mittelalterlichen Markt ein sehr glückliches Gesicht. Als der Vorsitzende der Freyen Gefolgschaft zum Hayn nackig wie Gott ihn schuf gemeinsam mit seinen Vereinskollegen in den großen Badezuber stieg, war für ihn seine mittelalterliches Welt sehr in Ordnung.

„Bei uns läuft es prima. Unser Lager steht, die Betten sind bezogen, das Feuer brennt. Und wir können uns über viele neue Mitglieder freuen“, berichtete Wüst über die erfreuliche Entwicklung des Vereins. Markus Weidler, einer der neuen Ritter, hatte es sich in der heißen Wanne ebenfalls bequem gemacht: „Ich wurde wirklich in noch keinem Verein so herzlich und familiär aufgenommen, wie hier“, genoss auch er das mittelalterliche Leben, fern von Laptop und Handy, in dem aufgeschlagenen Lager im Garten vom Faselstall.

Das größte Spektakel aber wartete am Samstagabend im Burggarten. Da gab es dann auch kein Durchkommen mehr, alle Burgfestbesucher wollten die Feuershow der Gruppe Lord of the Fire erleben. Und wer diese Show nicht gesehen hat, hat wahrlich etwas verpasst. 15 athletische Feuerkünstler erzählten die Geschichte vom „Feuer des Waldes“ und der dämonenhaften Kraft der heißen Flammen.

Dabei war die Erzählung beinahe zu vernachlässigen, viel mächtiger waren die gewaltigen Feuerbilder, die die jungen Leute auf der Bühne zeigten. Ob mit Springseilen, Fackeln, Feuerkeulen, Hanteln oder großen Toren: Sie leuchteten, glühten, sprühten Funken. Dazu klassische, mystische Klänge und äußerst sportliche Körper, die sich anmutig bewegten. Wie aufwendig die Show war, bewies nicht nur die perfekte Choreografie, auch die Maskenbildner hatten ganze Arbeit geleistet.

Die barbusigen Mädels waren am Oberkörper nur mit einer Kunstmasse aus Orchideenmulch und Latexmilch bekleidet. Das Kostüm ließ die Künstler aber dennoch sehr angezogen wirken. Schon morgens um sechs Uhr hatte das Team begonnen, sich auf diesen besonderen Auftritt vorzubereiten. Das hatte sich gelohnt, der Burggarten tobte und Roger Heil hatte glänzende Augen: „So etwas ist nicht mehr oft zu finden“, war er auf diese Feuershow sehr stolz, „eigentlich können wir uns einen solchen Auftritt auch nicht leisten, aber die Gruppe wollte gerne hier spielen und wir sind auch nett zu unseren Künstlern“, ist er froh, dass er das Spektakel für das Burgfest verwirklichen konnte.

Insgesamt zog Heil eine positive Bilanz des Burgfestes. Viele Besucher, zufriedene Aussteller, das Burgfest erfreue sich trotz der Konkurrenz vieler ähnlicher Feste großer Beliebtheit. Für die Jubiläumskerbborschen gab es einen kleinen Auftritt nach den großen Jubiläumsfeierlichkeiten im Mai: Kerbvadder Robin Winkel zeigte mit seinen Jungs am späten Samstagabend noch einmal die traditionelle Kerbverbrennung auf dem Turnierplatz – ganz nach keltischem Vorbild.

Mehr Eindrücke vom Hayner Burgfest 2018 gibt es in der StadtPost-Fotogalerie.

 

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