Völkerverständigung mit einem Lächeln

Künstlerin Shau Chung Shin zu Gast in Dreieicher Stadtgalerie

Beim Künstlergespräch im Rahmen der Kunsttage Dreieich warf Shau Chung Shin gemeinsam mit den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebs. Foto: col

Dreieich (col) – Es ist eine seltene Gelegenheit, nicht allzu oft bekommen die Kunstfreunde die Möglichkeit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Bei den 26. Dreieicher Kunsttagen haben es die Initiatorinnen Ilse Dreher und Waltraud Munz-Heiliger möglich gemacht.

Die eigentliche Herbstausstellung läuft nun einige Tage. Jetzt konnten die Ausstellungsbesucher einmal hinter die Kulissen der Künstler – oder noch besser, hinter die Köpfe der Künstler blicken. Nun war die Frankfurter Künstlerin Shau Chung Shin zu Gast in der Stadtgalerie der Bücherei.

Die studierte Designerin, die in Dreieich ihre spannenden Label- und Laden-Fotocollagen aus Frankfurts Straßen zeigt, berichtete, wie schwierig es manchmal war, als Kind chinesischer Eltern in Deutschland aufzuwachsen. „In meinem Elternhaus wurde von mir verlangt, gehorsam zu sein und das zu tun, was man mir sagt. In der Schule verlangte man von mir, selbstständig zu sein und zu sagen was ich denke. Das hat viel Verwirrung gestiftet“, erzählt die sympathische Künstlerin. Sie habe oft das Gefühl gehabt, „komisch“ zu sein. Diese Indifferenz und auch die Unterschiedlichkeit der Kulturen nutzte Shau Chung Shin später aber sehr erfolgreich, um ihre beiden Lebenswelten zueinander zu bringen.

Auf der Buchmesse für Furore gesorgt

In Frankfurt feierte die Designerin schnell Erfolge. Mit ihrer Agentur „Rosa Gelb“, die auf die Hautfarben anspielt, verhilft sie chinesischen Unternehmen, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen und deutschen Firmen auf dem chinesischen Markt. Mit einem Aufkleber eines chinesischen Schriftzeichens, das für das Wort Furz steht, hat sie auf der Buchmesse 2009 für Furore gesorgt. „Ich habe mich zunächst ein bisschen gefürchtet, die Aufkleber auf den Stühlen anzubringen. Aber die deutschen Gäste waren neugierig und die chinesischen Vertreter konnten das Wort natürlich sofort lesen. Es war auf jeden Fall ein Anlass, beide Kulturen miteinander ins Gespräch zu bringen.“

Fotokalender mit Hundepos als Kundengeschenke und ganze Serien von Menschen, die sie in Unterhosen und Hausschuhen zeigte, waren weitere Projekte, die die chinesische Frankfurterin in den vergangen Jahren initiiert hat. Die Fotocollagen mit den Firmen und Läden sind in den vergangenen Jahren entstanden. Auf den ersten Blick erkennt der Frankfurt-Kenner, wo die Fotos entstanden sind. Auf der teuren Frankfurter Goethestraße, im Rotlichtviertel oder in Alt-Sachsenhausen. Die Besucher des Hinter-den-Kulissen-Gespräches finden es spannend, wie bunt und lebendig die Rotlichtviertel-Fotos sind und wie elegant und dabei gleichförmig in schwarz, weiß und grau sich der visuelle Code der Goethestraße darstellt. Shau Chung Shin berichtete noch, dass sie für die Fotos im Rotlichtviertel auch mit den Ladeninhabern ins Gespräch kommen musste. „Sie fanden es komisch, dass ich ihre Fassade fotografiert habe. Aber so kam ich mal in ein Laufhaus, wo eine Frau ja sonst selten den Zutritt bekommt“, erzählt die Künstlerin lächelnd.

Ausstellung noch bis 2. Oktober

Die „Art. 26. short. cuts“- Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 2. Oktober. Am Donnerstag, 29. September, ist um 19 Uhr Gunter Deller zu Gast. Im Gespräch mit Karola Gramann und Professor Heide Schlüpmann (Kinothek Asta Nielsen) spricht er über sein filmisches Arbeiten mit 16-Millimeter-Filmprojektion. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind freitags von 17 bis 21 Uhr, samstags von 15 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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