Götzenhainer feiern Kerbgottesdienst ohne Kerb/Kerbverein blickt optimistische in die Zukunft „Schöne Geste und kleiner Trost“

Pfarrerin Martina Schefzyk (links) zieht zum coronagerechten Gottesdienst in den Kirchgarten ein. Foto: Jost

Dreieich (njo) – Die drei alten Kerbfahnen flatterten am Sonntagmorgen im Kirchgarten von Götzenhain im Wind. Die älteste ist handbemalt und aus dem Jahrgang 1954. Es wehte nur ein Hauch von Kerb durch die Gassen, weil die große Feierei auf dem erst im vergangenen Jahr fertiggestellten Dalles pandemiebedingt ausfallen musste. Aber die Kirche ist eigentlich die Essenz der Kerb – hier nämlich hat einst alles angefangen.

Pfarrerin Martina Schefzyk lud die Gottesdienstbesucher daher zu einer kleinen Zeitreise ein. Schefzyk, die im vergangenen Jahr noch als Jesus im großen Kerbzelt erschien, schlüpfte in die Rolle des Kerbbembels. „Ich werde extra angefertigt und bin so wichtig, dass ich sogar angekettet, ständig herum geschleppt und bewacht werden muss. Denn wehe, einer klaut mich“, sagte die Pfarrerin. Die Gemeinde schmunzelte darüber, was der Bembel alles erlebt, beispielsweise, wenn ein Kerbbesucher zu tief ihn ihn schaut oder wer mit wem nach Hause geht.

Über 200 Jahre ist es her, dass ein schlimmer Sturm die komplette Götzenhainer Kirche zerstörte. „Da beschlossen die Leute hier in Götzehaa eine neue aufzubauen. Viel größer und schöner als die vorherige. Sie wollten den anderen, gerade denen aus em Haan zeigen, was das Küchendorf so alles kann“, erinnerte die Pfarrerin daran, dass nach zwei Jahren Bauzeit eine festliche Kirchweih folgte. „Ein bißchen Kerbflair, dazu laden wir gleich ein“, sagte Schefzyk zum Abschluss ihrer Predigt. Dann gab es einen Schoppen aus der Flasche auf dem Dorfplatz.

Sven Engels spielte auf dem Akkordeon Kerblieder, und die ehemaligen Kerbburschen summten leise mit. Stefan Freundel kam extra für den Gottesdienst aus Karlsruhe angereist. „Kerb ist ein Pflichttermin, da bin ich immer hier. Auch jetzt ist es schön“, sagt der 85er- Kerbbursch. Am Vorabend habe es einige kleinere Jahrgangstreffen im Privaten gegeben. Für Peter Schetzkens und Katharina Egentenmeyer vom Vorstand des Kerbvereins Götzenhain sind der Kerbgottesdienst und der anschließende kleine Frühschoppen eine „schöne Geste und ein kleiner Trost“ für die ausgefallenen Kerb. „Wir hatten einen riesigen Erfolg im vergangenen Jahr. Aber wir haben keine Sorge um die Zukunft unserer Kerb“, betonte Egentenmeyer. Sie ist überzeugt: die Kerb hat eine so gewachsene Tradition, sie wird auch die Pandemie überstehen. „Natürlich ist es schade, dass sie ausfällt – aber wir werden wieder auf dem Dalles feiern“, ist das ehemalige Kerbmädchen überzeugt. Ob das im kommenden Jahr schon wieder groß mit Zelt klappt, wird die Zeit zeigen.

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