Interton Trio musiziert schon mehr als ein halbes Jahrhundert in unveränderter Besetzung Seit 55 Jahren Garant für gute Laune

Die Band tritt seit 55 Jahren in der Besetzung Hans Lenk, Helmut Sauer und Karlheinz Kastner (von links) auf. Bei besonderen Anlässen wird aus dem Trio auch mal ein Quartett, dann mischt Sauers Sohn Peter (rechts) mit. Foto: p

Dreieich (fm) – So hatten sich die drei alten Haudegen ihr Schnapszahl-Jubiläum nicht vorgestellt: Seit 55 Jahren spielt das Interton Trio in unveränderter Besetzung und kann damit für sich reklamieren, die älteste Band Deutschlands zu sein. Und natürlich wollten Helmut Sauer (Gitarre), Hans Lenk (Akkordeon) und Karlheinz Kastner (Bass) aus diesem Anlass voll durchstarten und viele Menschen mit ihrer handgemachten Musik erfreuen. Doch das Coronavirus hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

„Das erste Mal in meinem Leben habe ich mehr Zeit, als mir lieb ist. Bis Ende August sind alle Termine abgesagt worden“, schildert Bandleader Helmut Sauer die Situation. Dabei tritt das Trio heute eher selten bei Großveranstaltungen auf, sondern ist zum Beispiel bei Geburtstagen als Überraschungsgast gefragt. Ob die Jubiläums-Gala mit zahlreichen befreundeten Künstlern am 10. Oktober im Sprendlinger Bürgerhaus unter dem Motto „So schön war die Zeit“ stattfinden kann, ist fraglich.

Die nahe Zukunft ist ungewiss, an der Vergangenheit hingegen ist nicht zu rütteln.

Die Ursprünge des Interton Trios führen zurück in die 50er Jahre. In der Grundschule wurde eine Musiklehrerin auf mehrere talentierte Jungs aufmerksam und bat diese zum Vorspielen. Im Jahr 1959 fand sich ein wilder Haufen zusammen. „Einige gingen gleich wieder, andere üben noch heute“, erinnert sich Sauer grinsend. 1961 zeichneten sich Konturen einer Tanzkapelle ab. „Zum Unmut der Nachbarn wurde tagein, tagaus geübt. Und da eine gute Ausbildung zum Handwerkszeug eines Musikers gehört, sind wir weiterhin brav zur Musikschule marschiert. Allerdings hatten die Musiklehrer schwache Nerven. Anstatt der gewünschten Partituren wurden Schlager geübt.“ Man trennte sich in „gegenseitigem Einvernehmen“.

Die zu dieser Zeit populär werdenden Musikfilme, insbesondere mit Freddy Quinn, zogen Helmut Sauer und Hans Lenk in den Bann. „So müssen wir unsere Musik machen“, war man sich einig. Es folgten viele Proben mit verschiedenen Musikern und wechselnden Bandnamen, zum Beispiel „Mexikanos“ oder „Starfighters“. Als sich Sauer und Lenk 1963 bei der Schulentlassung musikalisch verabschiedeten, flossen bei einigen Mitschülern Tränen. „Wir hoffen bis heute aus Rührung, nicht weil wir so schlecht gespielt haben“, sagt Sauer lachend.

Karlheinz Kastner war den beiden zwar schon bekannt, doch erst zum Ende der Schulzeit wurde bei einer Party die Idee geboren, es gemeinsam zu versuchen. Als die Drei 1965 auf der Suche nach einem Namen waren, „kam ein Anruf, mit dem niemand rechnen konnte“, erzählt Sauer. Eine Agentur, die auch mit Hazy Osterwald arbeitete, war auf der Suche nach einem Trio, nachdem sich die Schweizer Profiband Interton Trio aufgelöst hatte. Die jungen Dreieicher, die gerade am Anfang ihrer Ausbildung waren, sprangen nach kurzer Bedenkzeit ein, übernahmen den Namen und die Verträge.

Die Band war damit ganz dick im Geschäft. Die Zahl der Auftritte nahm stetig zu, das Niveau der Lokale stieg, die Gagen auch. Das Trio lernte Hazy Osterwald und James Last kennen.

„Wir haben jeden Abend gespielt und sind in ganz Deutschland aufgetreten“, berichtet Sauer. Es war die Zeit der Tanzlokale, die gerammelt voll waren. Auch in der Region. Tennis-Bar in Bad Homburg, Frankfurter Haus in Neu-Isenburg, Automaten-Jost in Offenthal, das Waitz in Mühlheim – das Interton Trio konnte sich vor Nachfragen kaum retten.

Und dann stand die Band am Scheideweg. Es kamen Angebote, voll auf die Musik zu setzen. Eigentlich verlockend, doch alle übten tagsüber einen „anständigen“ Beruf aus. Als sich Hans Lenk nach etlichen schlaflosen Nächten nicht dazu durchringen konnte, seinen Beamtenstatus an den Nagel zu hängen, verzichtete das Trio auf die Profikarriere – „sonst wäre die erfolgreiche Kapelle auseinandergefallen“, sagt Sauer.

So blieben die Drei „Hobbymusiker“, obwohl sie faktisch Profis sind. Heute spielen sie meist bei Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen Privatfeiern, aber auch auf der Sprendlinger Kerb. Bei größeren Auftritten verstärkt oft Sauers Sohn Peter das Trio. Er ist Multi-Instrumentalist und kümmert sich um die Technik. Wobei das Markenzeichen der Dreieicher handgemachte Musik ist, ohne Verstärker und Strom. „Es gibt sicher bessere Musiker, aber wir haben das Gefühl für das, was die Leute hören möchten“, sagt Sauer. Ein festes Programm haben sie selten, gerne spielen sie auf Zuruf. Das Repertoire reicht von Evergreens der 50er bis zu Titeln der 90er Jahre.

Das Trio spielt auch gerne für soziale Zwecke, zum Beispiel für die Speisekammer in Neu-Isenburg: Bei sechs Konzerten erzielte die Band einen Erlös von 71.000 Euro.

Und wie fällt das Fazit nach fünfeinhalb Jahrzehnten aus? „Ich würde alles noch mal so machen“, sagt Helmut Sauer. Und mit Blick nach vorne: „Wir haben nicht vor aufzuhören.“ Könnte also gut sein, dass in fünf Jahren der 60. gefeiert wird.

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