ARS-Konrektorin Doris Huber geht nach 45 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand Allerlei Experimente und Wandlungen erlebt

Doris Huber hat als langjährige Konrektorin die Entwicklung der Adolf-Reichwein-Schule mit geprägt. Foto: m

Heusenstamm (m) – An der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) endet nach 43 Jahren eine Ära: Konrektorin Doris Huber wechselt in den Ruhestand – und hinterlässt Spuren. Eine davon heißt Förderverein. Diesem will die Pädagogin auch weiterhin treu bleiben, verrät sie. Insgesamt 45 Jahre stand sie im Schuldienst und hat dabei allerlei Experimente und Wandlungen des Kultusministeriums erlebt.

Geboren und aufgewachsen ist Doris Huber in Gräveneck bei Weilburg. Zu ihrer Einschulung zog die Familie in die Kreisstadt. Als 16-Jährige schließlich kam sie nach Ober-Roden. Rödermark ist bis heute ihre Heimat. Am Goethegymnasium in Dieburg machte sie dann das Abitur.

Sie gehörte zum ersten Jahrgang, der das Lehramt an der Frankfurter Goethe-Universität studierte, zunächst auf Grundschule mit Mathematik als Haupt- und Englisch als Nebenfach. „Das war damals ganz neu“, erläutert die Pädagogin. Nach der Mindeststudienzeit von sechs Semestern legte sie im Juni 1975 die Erste Staatsprüfung ab und absolvierte ihr Referendariat an der Trinkbornschule in Rödermark.

Aber schnell erkannte die Lehrerin: „Die Arbeit mit den kleinen Kindern war nicht mein Ding.“ Nach der Zweiten Staatsprüfung im November 1976 bekam sie zunächst keine Stelle, nutzte die Zeit, um eine Zusatzqualifikation für die Sekundarstufe I zu erwerben. Zum September 1977 erhielt Doris Huber dann als Angestellte eine Stelle an der Heusenstammer ARS. „Damals standen überall auf dem Sportplatz und auf dem kleinen Hof an der Teestube Pavillons“, erinnert sie sich. Mehr als 1200 Kinder und Jugendliche besuchten die Schule damals. Fast alle Fünft- und Sechstklässler der Schlossstadt wurden in der Förderstufe an der Leibnizstraße unterrichtet. Inzwischen sind es halb so viele. Doris Huber kritisiert die ständigen Wechsel: „Jede Regierung schraubt am Schulwesen.“ Das erzeuge auch „enormen Druck auf die Eltern“, die Jagd auf die Noten fürs Gymnasium fange in der zweiten Klasse an. „Die Schüler haben kaum Zeit, sich zu entwickeln“, meint sie. „Ganze Familien leiden“, viele „Schicksale“ stranden zur achten oder neunten Klasse frustriert an der Realschule. Doch, „die meisten Jugendlichen kommen gerne zu uns“.

Die Entwicklung der Kinder sei so unterschiedlich, „viele blühen erst später auf“. Die ARS zeichne eine hohe Übergangsquote aus, lobt Huber. „Die Schule ist überschaubar, wir kennen unsere Schüler und pflegen einen familiären Zusammenhalt, können so bei Problemen schneller reagieren“, erläutert sie. „Kleine Systeme haben eben Vorteile.“

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Zum Beispiel den geringen Anteil an Gewalt. Dazu trage auch das weitläufige Schulgelände bei. Und Aktionen wie die Mittagsbetreuung, die Doris Huber organisiert hat. Das Kollegium habe die ARS in eigener Regie zur Ganztagsschule erweitert, erst 2014 wurde sie in das Programm des Landes aufgenommen. „Wir kochen schon immer“, betont die Pensionärin. Die ARS sei eine der wenigen Schulen in Hessen mit dem Angebot, frische Zutaten aus dem Schulgarten zu verarbeiten.

Bis zu 90 Essen gehen mittags über die Theke neben der Aula, „damit sind wir eines der größten Lokale in der Region“, berichtet die Hobbyköchin. „Das ist so wichtig, fürs Leben zu lernen und sich vernünftig zu ernähren.“ Und: „Viele unserer Schüler haben eine Ausbildung zum Koch gemacht.“ Als Lehrkraft hat sie auch den Förderverein mitgegründet, der unter anderem den Kiosk in der Pausenhalle verwaltet. Neuntklässler belegen und verkaufen im Wahlpflichtunterricht selbst belegte Brötchen und eigene Pizza.

Zum Schuljahr 1980/1981 wurde Doris Huber verbeamtet, seit 2004 war sie als Konrektorin verantwortlich für Stunden- und Vertretungsplan, musste als erste im Haus sein und verließ es oft als letzte – auch als jetzt Corona-Konzepte erstellt werden mussten oder einmal fast alle Schuldaten durch einen Absturz des Computernetzwerks verloren gingen.

Gerne erinnert sie sich an die Projektwochen an der ARS. So reiste sie 1998 mit zwölf Schülern in Heusenstamms belgische Partnerstadt Malle, um den britischen Autor Anthony Horowitz kennenzulernen.

Eigentlich endete ihr Berufsleben schon im Februar. „Aber ich wollte noch meine Englisch-Klasse zum Abschluss begleiten.“ Thorsten Krahn heißt ihr Nachfolger, der selbst Schüler an der ARS war. Auch für den Posten einer Schulleiterin hatte sich Doris Huber mal beworben, „aber ich wollte nicht die Schule wechseln“, erläutert sie und fügt an: „Es fehlt Anerkennung für die Lehrer an Haupt- und Realschulen“, denn, „gute Schüler kann jeder unterrichten“.

Den familiären Kollegenkreis wird Doris Huber vermissen. Aber langweilen werde sie sich nicht. Sie spielt seit zehn Jahren Gitarre, ist Kirchenvorsteherin in der evangelischen Petrusgemeinde Urberach und singt, besucht ein Fitnessstudio, wandert, verreist gerne, besucht Schlösser und Museen.

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