Bürgerinitiative befreit Heusenstamm künftig an jedem ersten Samstag im Monat von Müll „Clean up Day“ soll keine Eintagsfliege bleiben

Was am vergangenen Wochenende mit 20 kleinen und großen Leuten in der Schlossstadt begonnen hat, wird ab sofort an jedem ersten Samstag im Monat stattfinden: Der „Clean up Day“ soll in Heusenstamm keine Eintagsfliege bleiben. Foto: Kokoschka

Heusenstamm (zvk) –  Trübe Glasflaschen, faulige Zigarettenpäckchen, zerbeulte Bierdosen und jede Menge Verpackungsfolie – was normalerweise in die Tonne gehört, haben Heusenstammer am Wochenende in der Natur vorgefunden.

An Heusenstamms erstem regulären „Clean up Day“ füllten engagierte Bürger also einen blauen Sack nach dem anderen mit Unrat aller Art.

Angelehnt an die weltweite Aktion „World Clean up Day“ will die Bürgerinitiative ihre Stadt vom Müll befreien.

„Wir wissen, dass es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist und dass wir damit die Welt nicht retten“, sagt Florian Früchel, „aber wir können dafür sorgen, dass unsere Welt sauber und schön bleibt.“ Früchel ist der Ideengeber des Ganzen. Der 26-Jährige hat ein Praktikum als Entwicklungshelfer im Kongo absolviert. „Dort habe ich gesehen, wie die Menschen ihren Müll wiederverwerten: Aus alten Reifen machen sie Schuhsohlen, aus PET-Flaschen Blumentöpfe“, berichtet Früchel. Das habe ihn dazu inspiriert, seine eigene Lebenswelt nachhaltiger zu gestalten. Fast täglich sammelt er nach der Arbeit noch umherliegenden Müll ein und entsorgt ihn. Die Ergebnisse veröffentlichte er jeweils auf Facebook – und kam so in Kontakt mit Hendrik Fett. „Dann begann eine Art Kettenreaktion: Hendrik erzählte seiner Frau davon und sie erzählte es wiederum weiter, so dass eine Community entstand“, sagt Früchel.

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Zur Auftaktveranstaltung kommen rund 20 Menschen. Damit ist die Gruppe groß genug, um sich aufzuteilen. Mit Mütze, gepolsterten Handschuhen, festen Schuhen und Warnwesten marschiert eine Truppe mit Bollerwagen und Trettraktor Richtung Martinsee.

„Es geht ja nicht nur darum, dass die Umwelt besser aussieht und nicht so stinkt. Sondern auch, dass die Tiere an dem Plastik nicht verenden“, betont Teilnehmerin Julia Weitzel.

Dessen sind sich auch Marlene und Helena bewusst. Sie sind voller Tatendrang, wuseln durch den Wald und halten nach dem kleinsten Abfall Ausschau. „Die Umwelt ist uns wichtig, und wir wollen den Müll sammeln, damit weniger Tiere sterben“, erklärt Marlene. Und die fünfjährige Helena ergänzt: „Wir wollen später ja noch die Natur erforschen, dafür muss sie sauber bleiben.“

Am Martinsee ist die Lage noch übersichtlich. Besonders schlimm ist die Situation aber an der Heusenstammer Straße: Die Straßengräben sind vollgestopft, in den Gebüschen flattert Verpackungsfolie. „Die Autofahrer machen das Fenster auf und werfen ihr Zeug dann einfach raus“, schildert Saskia Hitzel-Kronenberg, „auch an den Ausfahrten, wenn die Leute eine Kurve fahren müssen, schmeißen sie ihren Abfall aus dem Fenster. Scheint eine Art Sport zu sein.“ Mit ihren beiden Söhnen nimmt sie an diesem Samstagmorgen an der Aufräumaktion teil. „Ich fahre die Jungs zu ihren Fußballspielen – und jetzt machen sie mal, was die Mama will“, lacht Hitzel-Kronenberg.

Vince teilt mit seiner Mutter das Unverständnis für den Dreck am Straßenrand. „Warum können die Autofahrer ihren Müll nicht im Auto behalten, bis sie zur nächsten Tankstelle fahren?“, fragt sich der Zwölfjährige. „Bestimmt aus Bequemlichkeit“, vermutet Hitzel-Kronenberg.

Darum wollen die Heusenstammer nun mit gutem Beispiel voranschreiten. Und sie haben Hoffnung auf mehr Helfer. „Auch wenn manche nur eine kleine Tüte vollpacken oder nur fünf Sachen aufheben, ist schon was getan“, sagt Früchel. Auf die Unterstützung der Stadt können die Ehrenamtlichen zählen: Sie stellt die Müllsäcke und holt die vollen ab. Auch Sponsoren hat die Initiative gefunden: Den Biomarkt „Karotte“ in Obertshausen, den Salon Gaby in Heusenstamm und Webranking, das sich um den Internetauftritt der Bürgerinitiative kümmern will.

Zum „Heusenstamm-Clean up Day“ treffen sich die Helfer an jedem ersten Samstag im Monat auf dem Parkplatz am Martinsee.

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