Ausstellung von Modelleisenbahnen im Haus der Stadtgeschichte Erinnerung an „Bananenexpress“

Staunend betrachtet Bürgermeister Steffen Ball (Mitte) die ausgestellten Modelle von Volker Reuter (vorne rechts). Bild: Prochnow

Heusenstamm – „Eigentlich ist es eines der schönsten Hobbys“, wirbt Volker Reuter, „man kann es in jedem Alter ausüben.“ Der Sammler dokumentiert zusammen mit dem Heimat- und Geschichtsverein (HGV) die Historie der Eisenbahn in deutschen Landen. Dazu parkte er in den Vitrinen und Schaukästen im Haus der Stadtgeschichte Lokomotiven und Waggons vergangener Epochen, HGV-Vorsitzender Roland Krebs zeigte die Entwicklung des Verkehrsmittels auf der Leinwand.

Die S-Bahn und ein ICE namens Heusenstamm stehen zwischen St. Cäcilia-Kirche, Torbau und altem Rathaus. Am 20. März 2009 wurde der Zug auf den Namen der Schlossstadt getauft, erinnert eine Schrifttafel. Der Bahnhof sei einer der schönsten, nein, „der schönste der Welt“, ruft der Bürgermeister aus dem Hintergrund in den Ausstellungsraum.

Die Firma Trix baute seit den frühen 30er Jahren Lok- und Wagenmodelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg, erläutert Reuter den Inhalt eines Glasschranks, stellten mehrere Unternehmen Bausätze mit Fahrgestellen und Rädern aus Metall her, die Aufbauten mussten aus Karton gefaltet werden. Reuter scannt die alten Baupläne und druckt das Kulturgut aus. In der Nachkriegszeit produzierten Betriebe wie Märklin und Fleischmann. „Ich habe aufgehört zu sammeln, als die Bahn angefangen hat, nicht mehr pünktlich zu fahren“, erklärt der einstige Mathe- und Physiklehrer am Leibnizgymnasium in Offenbach.

Die markanten Gebäude wie die evangelische Kirche seiner Heimatstadt oder das Michelstädter Rathaus nennt er seine „Corona-Häuser“, weil sie während der Pandemie entstanden.

Der Rentner möchte nicht „Exoten nachrennen“, sondern „Alltagsgeräte sichern“. Und die Zeit: „Im Bahnverkehr Russlands galt im ganzen Land die Moskauer Zeit“, während jedes deutsche Fürstentum zwischen Schlesien und Ruhrgebiet seine eigene Uhrzeit hatte, die Reisende berücksichtigen mussten. Mit der Ausrufung des Deutschen Reichs 1871 galt überall die Mitteleuropäische Zeit begann Krebs seinen Vortrag.

Auch die Bahn wurde vereinheitlicht, belegt der Vorsitzende. Die 01 aus dem Hause Borsig hatte schon eine stromlinienförmige Verkleidung, brachte mehr als 200 Sachen auf die Schiene. Die Einführung der E-Loks Ende des 19. Jahrhundert galt als Sensation.

„Epoche III“ begann 1949 mit der Gründung der Deutschen Bundesbahn. „Die DDR legte größten Wert darauf, nicht als Nachfolgestaat des Deutschen Reichs zu gelten“, lehrt Krebs, dennoch nannte sie ihre Züge „Reichsbahn“. Das war Voraussetzung, damit sie weiter nach West-Berlin fahren durfte, ergänzt Reuter.

Mit der V200 ging eine schnelle Diesellok auf die Strecken, 1977 war „Schluss mit Dampf“. Ein neues Farbkonzept mit dunkelrot- oder blau-beigen Fahrzeugen läutet in den 70er Jahren Epoche IV ein. Phase V startete die Fusionierung mit der Reichsbahn und den ersten privaten Bahnen. Den aktuellen Zeitabschnitt VI kennzeichne einheitliche, digital nutzbare, zwölfstellige Zahlen-Kombinationen zur europaweiten Kennung der Schienenfahrzeuge. In Heusenstamm erinnere man sich noch gerne an den „Bananenexpress“ nach Dietzenbach, gezogen von einer Diesellok, bis die erste S-Bahn rollte. Musiker untermalen die Vernissage mit „Jim Knopf“, dem „Lummerland-Lied“ und anderen Eisenbahn-Hits.

Die Eisenbahn-Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte ist noch am 19. und 20. Mai jeweils von 14 bis 18 Uhr zu sehen oder nach Vereinbarung per Mail an vorstand[at]hgv-heusenstamm[dot]de.
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