Projektwoche hat auch den Namensgeber der Schule zum Thema Fünftklässler lernen Adolf Reichwein kennen

„Die Gedanken sind frei“ haben Schülerinnen und Schüler der Heusenstammer Adolf-Reichwein-Schuke während des Projekttags gesungen. Das Lied galt als eine der Hymnen des Widerstands während der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland. Foto: m

Heusenstamm (m) – Die Schläge mit dem Lehrer-Stock knallen schallend auf den Schülertisch. Die Finger des Jungen, der seine Hände ausstrecken muss, weil er eine falsche Antwort gegeben hat, trifft das Holz nicht – die Szene ist schließlich nur eine Szene im Theatersaal der Adolf-Reichwein-Schule. Dennoch erschrecken sich die Fünftklässler vor der Bühne, erinnern sich vielleicht so, was sie gerade über den Namensgeber ihrer Schule gehört haben.

In einem Projektunterricht beschäftigen sich alljährlich die siebten Klassen mit Leben und Überzeugung des Namensgebers der Adolf-Reichwein-Schulen. Die Ergebnisse präsentieren sie den neuen Mitschülern in der Förderstufe. „Es ist Mathe. Der Lehrer ist sehr streng, ungeduldig“, heißt es zur Szene oben. „Die Klasse ist ruhig, schüchtern, nett. Ein Schüler sagt etwas Falsches und der Lehrer schlägt ihn.“

Das war vor 100 Jahren in vielen Klassen Alltag, lernten die Teilnehmer des Deutsch- und des Musik-Kreises von Renate Gatzweiler und Martin Wienand, die auf der Bühne standen. Dank Pädagogen wie Reichwein erkunden Teenager heute in Gruppenarbeit, welche Aufgaben Herz, Lunge und Niere übernehmen, wie das nächste Bild der Aufführung zeigte.

Dazu passte die Hymne aus dem Widerstand gegen die Nazi-Diktatur, in dem Reichwein ebenfalls aktiv war: „Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen. Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei“. Der Reformer besuchte nach der Volksschule in Ober-Rosbach am Taunus ab 1909 die Augustinerschule in Friedberg und 1914/ 1915 die Oberrealschule in Bad Nauheim, um sich danach alleine auf das Abitur vorzubereiten, heißt es auf der Internet-Seite Wikipedia.

1916 wurde er als „Kriegsfreiwilliger“ eingezogen. Noch vor Ende seiner militärischen Ausbildung bestand er im Februar 1917 als Externer am Realgymnasium in Friedberg das Abitur und musste danach in den Ersten Weltkrieg ziehen. Ende desselben Jahres wurde er schwer verwundet, konnte aber ein Studium an der Universität Frankfurt beginnen. In den 1920er Jahren war der SPD-Politiker in Berlin und Thüringen in der Erwachsenenbildung tätig. So gründete und leitete er die Volkshochschule und das Arbeiterbildungsheim in Jena.

Von 1930 bis ‘33 war er Professor an der neuen Pädagogischen Akademie Halle (Saale). Nach der Machtergreifung der Nazis wurde er entlassen. Als Volksschullehrer einer Ein-Klassen-Schule in Tiefensee unternahm er viel beachtete Unterrichtsversuche, speziell zu Arbeitspädagogik und Projektarbeit.

Der Pädagoge bevorzugte einen jahrgangsübergreifenden, handlungsorientierten Unterricht mit praktischer Arbeit im Schulgarten. Adolf Reichwein wurde verraten und in Berlin enthauptet, hinterließ Ehefrau und vier Kinder.

Den Wandel in den Lehrplänen zeigte auch eine Arbeitsgruppe in „Leibesertüchtigung“. Sie organisierte einen Orientierungslauf mit Schlagballweitwurf und Hochsprung. Die Kunstgruppe gestaltete Pictogramme, zeichnete das denkmalgeschützte Schulgebäude und brachte Reichwein per Bleistift und Graffiti auf Papier.

Ein weiteres Team präsentierte die Stationen einer USA-Reise des Namensgebers. Einer Idee von Hausmeister Karsten Sigl folgend baute der Biologie-Unterricht Taschen-Bäume für die Rewe-Märkte: Kunden können an den Ästen Textiltaschen aufhängen für andere, die sonst eine Plastiktüte verwenden würden.

Matthias Unbehauen ließ die Schüler Holzteile in stabilen Ausmaßen mit Leim, Dübeln und Schrauben verbinden.

Jetzt werden die Kanten noch geschliffen, die Bäume mit Hartplattenöl geschützt. Die Fünftklässler ließen sich die Ergebnisse aller Projektteams in Kleingruppen erläutern.

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