„Markt der Möglichkeiten“ an der Adolf-Reichwein-Schule Schüler lernen, welcher Beruf zu ihnen passt

Betriebe, Behörden und Vertreter von weiterführenden Schulen zeigten den Jugendlichen ganz unterschiedliche Wege für den Einstieg ins Berufsleben auf. Foto: m

Heusenstamm (m) – Einen „Markt der Möglichkeiten“ öffnete die Adolf-Reichwein-Schule (ARS) für künftige Absolventen der Haupt- und Realschule, erstmals aber auch für Gymnasiasten. Betriebe, Behörden und Vertreter von weiterführenden Schulen zeigten den Jugendlichen ganz unterschiedliche Wege für den Einstieg ins Berufsleben auf.

Seit sieben Jahren organisiert Carsten Weirich den Markt. Der Koordinator für Berufsorientierung und die Klassenlehrer praktizieren einen breit gefächerten Kanon an Aktivitäten zur Orientierung. Die Pädagogen üben mit den Hauptschülern ab Klasse acht, Bewerbungen zu schreiben, vermitteln Einblicke und Praktika in Produktion und Verwaltung. Aber: 90 Prozent der Eltern wollen, dass ihre Sprösslinge weiter zur Schule gehen.

Jasmin aus der 10R weiß noch nicht so recht, was sie machen soll. Ihre Freundin Anastasia ist da deutlich weiter: „Ich möchte einen kreativen Job, etwas mit Kunst“, erklärt sie. Schneiderin würde ihr gefallen oder Tätowiererin – aber das sei kein Ausbildungsberuf. Also hat sie Grafik-Design ins Auge gefasst. Nataliya gehört zu jenen, die das Abitur anvisieren, um einen Studiengang mit Wirtschaft zu wählen: „Damit hab ich dann mehr Möglichkeiten“, sagt sie.

Wer einen Gesellenbrief in der Tasche hat, kann sich weiterqualifizieren, einen Meisterbrief machen oder studieren. Das bestätigen die Mitarbeiter vom Autohaus Zeiger, das mit Partnerbetrieben zusammenarbeitet. „Wir haben bis jetzt sehr gute Bewerber, die Kfz-Mechatroniker werden wollen“, sagt Werkstattleiter Tom Braumann. Der Beruf sei immer noch sehr begehrt bei Jungen. Aber auch Mädchen kommen oder Studienabbrecher. „Sie müssen halt ins Team passen“, lautet eine wichtige Anforderung an die Bewerber.

Burak aus der neunten Klasse hat sich schon im Internet und bei einem Praktikum umgesehen. „Mir gefällt der Beruf des Mechanikers“, sagt er. Es könnten auch Industrie- oder Werkzeug-Mechaniker sein, die Thomas Hofferberth sucht. Der Ausbildungsleiter der Rodgauer Firma Henkel Feinmechanik hat erkannt, „es ist nicht einfach, gute Lehrlinge zu finden“. Er geht selbst in die Schulen, besucht den Unterricht und lädt Interessierte ein, in den Ferien in den Betrieb zu schnuppern. „Der Weg ist mit der Ausbildung nicht zu Ende“, verbreitet der Ausbilder Appetit auf mehr, „im Gegenteil“.

Der Kreis Offenbach hat beispielsweise duale Studiengänge im Portfolio. Die Auswahl in Dietzenbach sei groß, zeigt Martina Lotz von der Ausbildungsabteilung. „Wir brauchen Verwaltungsfachangestellte, Veranstaltungskaufleute und -techniker, auch Tischler“, zählt sie auf. Vor allem bei den handwerklichen Berufen sei es schwierig geworden, Personal zu finden. Vom Hauptschüler bis zum Bachelor-Absolventen seien im Kreishaus alle zur Vorstellung willkommen – allerdings erst für einen Start im Herbst 2020.

Für Gymnasiasten, die vom Ziel Abitur abweichen oder trotz Hochschulreife nicht auf die Universität wechseln wollen, stand Lehrerin Lina Scheich vom ARG bereit. „Viele wissen gar nicht, was sie studieren sollen“, für sie sei eine Ausbildung eine sinnvolle Alternative. Allerdings nutzten nur wenige Schüler von gegenüber das Angebot im ARS-Foyer.

Dabei wären sie bei Anja Mahlow-Hüfner gut aufgehoben. Die Geschäftsführerin bildet Mechatroniker für Kältetechnik und Anlagentechniker für ihre Firma Hüfner Sanitär & Heizung aus. Gute Noten in Mathe und Physik seien wichtig. „Wir wachsen, und nach diesem Sommer ist es schwer, Leute zu finden“. Die Branche boome, alle wollen Klimaanlagen!

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Wissen erwerben

Wer von den Schulabgängern glaubt, er weiß schon alles was er zum Leben braucht, irrt sich ganz gewaltig. Er hat vielleicht 15% dafür gelernt. Es ist nur der Grundstock um mal anzufangen. Wer damit aufhört weiter zu Lernen, wird früher oder später in Hartz 4 landen, und von der Tafel das nötige zum Überleben zu besorgen. Ich hatte das Glück mich bei der richtigen Firma, der europaweit größten Autofabrik bewerben zu können. Ich hatte mich während der I.A.A. in Frankfurt beworben. Der Personalchef verlangte nur, dass ich den Oberlippenbart abrasiere. Was ich dann auch tat. Nach über 45 Jahren Betriebszugehörigkeit als leitender Außendienst Mitarbeiter, bin ich dann 1995 ausgeschieden, und in Rente gegangen. Alles weitere an Erfahrung für meinen Beruf, habe ich zum Glück in dieser Firma lernen können. Es schadet aber nicht nach der Schule/Studium Autodidakt zu bleiben. Es schadet auch nicht ab und zu ins Theater, Museum, Vernissage, Weinverkostung, Sprachenschule, und ganz wichtig, einen Knigge Kurs zu besuchen. Es ist unmöglich bei einer Bewerbung eine Ente, wenn es verlangt wird, diese mit 4 Beinen zu zeichnen. Alles Wissen was ich nach der Schule mir angelernt habe, hat mir ein Haus in Florida, und eine Finca in Alicante eingebracht. Wohlgemerkt, als Angestellter.

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