Wettbewerb der „Naturengel“ läuft noch bis zum 31. Mai Bei jedem Spaziergang fünf Teile Müll auflesen

Coronabedingt sind die „Naturengel“ derzeit nur in kleinen Gruppen unterwegs. Gerade jetzt wollen sie aber auch mit einer neuen Aktion Mitstreiter zum Müllsammeln animieren. Foto: Schmedemann

Heusenstamm (liz) – Die Gastronomie hatte auf Liefer- und Abholservice umgesattelt. Dadurch fiel noch mehr Verpackungsmüll an als üblich. Und dieser landete und landet leider auch in der Umwelt. Sperrige Pizzakartons, die halbherzig geknickt worden sind, nehmen dann das gesamte Mülleimervolumen ein, wenn sie sich wieder entfalten. Die nächste Styroporpackung und der übernächste To-Go-Becher haben da schon gar keine Chance mehr.

Auch der Verbrauch von Einmalhandschuhen ist gestiegen – was sich oftmals am Wegesrand zeigt. „Wir finden, dass wir gerade jetzt für alle handeln sollten“, sagt „Naturengel“ Simone Paesler.

Gehe es nach ihr und ihren Mitstreitern, müssten die Menschen gerade jetzt dafür sensibilisiert werden, dass der anfallende Müll bestellter Speisen den Weg in die richtigen Tonnen findet.

Die Kontaktbeschränkungen haben auch bei dem Umweltverein „Die Naturengel“ bewirkt, dass die regelmäßigen Müllsammeltouren zunächst einmal andere Formen annehmen müssen.

Die Gruppe trifft sich eigentlich jeden ersten Samstag im Monat, um Heusenstamms Straßen von Unrat zu befreien. Auch die Kleinsten der Gruppe greifen zur Müllzange und schlüpfen in die Warnwesten, die die Naturengel auch von Weitem gut sichtbar machen.

Neben den verkleinerten Sammelgruppen fallen durch die Corona-Pandemie auch einige Aktionen weg.

„Ostermärkte zum Beispiel, auf denen wir mit Interessierten ins Gespräch gekommen wären“, sagt Paesler.

Solche Einbußen wissen die Naturengel jedoch kreativ zu bewältigen: Seit Anfang des Monats läuft die „M(a)y Corona Challenge“, in der die Sammler die Schlossstädter dazu aufrufen, bei jedem Spaziergang fünf Teile Müll aufzulesen.

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Anschließend sollen Teilnehmer von sich und ihrem Sammelgut ein Bild schießen und dieses per Mail an info[at]dienaturengel[dot]de senden. Die Aktion läuft bis zum 31. Mai – dem Sieger mit dem Schnappschuss, der ausgelost wird, winkt ein Gutschein für die Heusenstammer Restaurants und Geschäfte. Den Gewinn finanzieren die Naturengel wiederum mit einm Preis, den sie selbst gewonnen haben: Im vergangenen November wurde der Verein vom Magistrat der Stadt ausgezeichnet. „Weil wir ohnehin auch viele Materialspenden bekommen haben, nutzen wir einen Teil des Geldes also für die Heusenstammer Geschäfte“, erläutert Simone Paesler.

Daraus ergibt sich ein Gewinn für jeden: „Wir bleiben im Gespräch, die Natur wird aufgeräumt, die Geschäfte werden unterstützt – und es ist so einfach“, findet Corinna Mack. Für diejenigen, die für die Challenge nicht lange suchen wollen, hat sie eine Empfehlung: jede Art von Wartebereich. „An Bushaltestellen und am Bahnhof liegt einfach immer irgendwas“, sagt sie. Gerade der Bahnhofsplatz, der mit Sitzmöglichkeiten und Brunnen zum Verweilen einlädt, sei mit zu wenigen Mülleimern ausgestattet. Während herrenlose Eisbecher und verwaiste Trinkpäckchen eher im Sommer Saison haben, sind Kippenstummel ein ganzjähriges Problem. „Ein einziger verunreinigt 40 Liter Grundwasser“, informiert Paesler. Die Naturengel wünschen sich, dass sie einige Raucher mit solchen Fakten zum Nachdenken anregen können. Dass sie dabei nicht jeden erreichen, ist ihnen aber bewusst. Corinna Mack findet: „Selbst wenn es nur 20 Prozent sind, die ihr Verhalten ändern – dann haben wir schon etwas erreicht.“ Schon die Kleinsten werden damit zum größten Vorbild. Die Brüder Benjamin und Julian sind kaum zu stoppen, wenn sie einmal einen Greifer in der Hand haben und damit losziehen.

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