Plakat-Ausstellung ist bis zum 8. März im Rathaus zu sehen Steiniger Weg zum Frauenwahlrecht

Bürgermeister Halil Öztas eröffnete zusammen mit den Frauenbeauftragten Petra Beißel und Gundi Wilz im Rathaus Im Herrngarten die Ausstellung „Damenwahl! Frauen im Aufbruch - Politische Plakate.“ Bei der Eröffnung hielt die Sozialwissenschaftlerin Elke Schüller einen Vortrag zum Thema. Foto: m

Heusenstamm (m) – Im Schloss-Rathaus ist bis März „Damenwahl“ angesagt.

Unter diesem Titel erinnern die Frauenbeauftragten Petra Beißel und Gundi Wilz an die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Frauen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, vor 100 Jahren konnten sich die Bürgerinnen durchsetzen. An den steinigen Weg dorthin erinnert eine Ausstellung, die am Nikolaustag eröffnet wurde.

Dass Angela Merkel zu den mächtigsten Menschen gezählt wird, wäre 1918 undenkbar gewesen, erinnerte Bürgermeister Halil Öztas. Er dankte den beiden Mitarbeiterinnen für die Organisation der Schau. Nur wenige Besucher kamen zur Vernissage, der Rathauschef führte das darauf zurück, dass ,,die Rechte vielleicht schon zu selbstverständlich geworden sind“.

Dabei gebe es in den meisten Parlament noch längst keine Parität, „offenbar trauen sich viele Damen nicht, sich um Posten und Ämter zu bewerben“, vermutete Öztas. Vielleicht spiele für die Frauen die Familie eine wichtigere Rolle. „Wir müssen froh sein, dass es Menschen gab, die dafür gekämpft haben, dass die Frauen gesellschaftliche Gleichheit erringen.“

Die Sozialwisschenschaftlerin Dr. Elke Schüller aus Frankfurt hat sich mit der Entwicklung zur November-Revolution beschäftigt, die zur Ablösung des Kaiserreich und zur Bildung der Republik führte. Am 12. November 1918 wurde die „Erklärung ans deutsche Volk“ veröffentlicht, die auch Frauen zu den Wahlen zuließ. Das Wahlalter wurde von 25 auf 20 Jahre gesenkt, das Drei-Klassen- zugunsten des Verhältniswahlrechts abgelöst.

Die Frauen erhielten das Bürgerrecht 50 Jahre nach den Männern, sie mussten mehr und länger kämpfen, waren vorher „politisch völlig unmündig“, betonte die Referentin. „Politik wurde allein von Männern gestaltet, in vielen Bundesländern durften Damen per Gesetz weder an politischen Versammlungen teilnehmen, noch Mitglied in poltischen Vereinen und Parteien werden“, berichtete der Gast. „Frauen wurden bei Veranstaltungen rausgeführt und rausgetragen und kamen durch den Hintereingang wieder rein.“

Das das Frauen-Wahlrecht galt als „Beseitigung eines Skandals und Einführung eines Menschenrechts“. Es wurde zuerst 1838 auf der Pazifikinsel Pitcairn, 1853 in der kolumbianischen Stadt Velez und ’69 in Wyoming in den USA eingeführt. Neuseeland war 1898 der erste Staat, der es im Gesetz verankerte. 1902 folgte Australien, 1906 erlaubte es Finnland mit dem passiven Wahlrecht. Dänemark und Island änderten 1915 die Verfassung entsprechend, ’18 kam die Neuerung nach Österreich und Deutschland.

In Australien durften anfangs jedoch nur weiße Frauen wählen, in Norwegen nur die Oberschicht, in Großbritannien nur Universitäts-Absolventinnen. Frankreich passte seine Verfassung 1944 an. Der Schweizer Kanton Appenzell wurde 1990 gezwungen, das Recht einzuführen. In sechs Staaten ist es bis heute nicht realisiert, darunter der Libanon einige arabische Länder und der Vatikan, in dem keine Frauen gemeldet seien, gab Dr. Schüller zu bedenken. „Das Datum war aber nur eine Etappe auf dem Weg zur Demokratisierung Deutschlands.“

Die Historikerin zeichnete die Stationen von der Französischen Revolution bis zur Paulskirchen-Versammlung 1848, als Frauen von der Besucher-Tribüne aus lauthals protestierten. Sie stellte Kämpferinnen von der wortgewaltigen und scharfzüngigen Hedwig Dohm, Großmutter von Katja Mann, Ehefrau von Thomas Mann, bis zu Clara Zetkin vor.

Elly Heuss-Knapp, die Gattin des ersten Bundespräsidenten, gab die Losung „Frauen wählt, jede Stimme zählt, jede Stimme wiegt, Frauenwille siegt“ heraus, die auf Postkarten im Rathaus-Foyer ausliegt. Im Flur im ersten Stock sind Plakate der Parteien aus jenen Tagen zu sehen, die Frauen an die Urnen rufen. Die Ausstellung bleibt bis zum Frauentag am 8. März zu den Sprechzeiten im Rathaus geöffnet. Dann soll sie mit einer heiteren Finnisage beendet werden.

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