Heusenstammer Lokale befürchten Verluste wegen erhöhter Mehrwertsteuer „Werden im Stich gelassen“

Fühlt sich von der Politik im Stich gelassen: Sandra Gilmar, Mitbesitzerin der Gaststätte „Katja“ mit Servicekraft Maria und Cousin Lias. Bild: löw

Heusenstamm – Gastwirte unter Schock: Zum ersten Januar 2024 steigt die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wieder auf 19 Prozent. Das hat die Bundesregierung kürzlich beschlossen. 2020 hatte die damalige Große Koalition aus SPD und CDU den Steuersatz auf sieben Prozent gesenkt, um die Wirte während der Coronapandemie zu entlasten. Aufgrund der Energiekrise wurde die Frist mehrfach verlängert. Nun läuft sie zum Jahresende aus. Lieferungen und Abholung bleiben von der Erhöhung jedoch ausgenommen. Welche Folgen hat die steigende Mehrwertsteuer für Restaurants? Die Redaktion hat bei Heusenstammer Lokalen nachgefragt.

Sandra Gilmar, Mitbesitzerin der Gaststätte „Zur Stadt Offenbach“ ist besorgt: „Es wird für uns kritisch, wir müssen die Preise anheben. Es geht nicht anders.“ Gilmar befürchtet, dass wegen der künftig höheren Preise weniger Gäste ins Restaurant kommen werden. Die Menschen seien aufgrund der aktuellen Lage ohnehin sparsamer, auch in ihrer Gaststätte würden häufiger preiswertere Gerichte bestellt. „Wir können aber keine Gerichte mehr für sieben oder acht Euro anbieten“, sagt sie. Denn auch die Einkäufe seien teurer geworden – ebenso wie die Energiepreise.

Gilmar ist enttäuscht von dem Beschluss: „Ich habe gedacht, dass die Regierung die Mehrwertsteuer nicht erhöhen würde. Ich bin geschockt, dass sie sich doch dafür entschieden hat.“ Die Gastronomiebranche werde im Stich gelassen, empört sich die Wirtin. „Wir wurden in der letzten Zeit immer bestraft und jetzt trifft es uns wieder.“

Ähnlich geht es Mehmet Ataman, Besitzer der Pizzeria „Leone D’oro“. Bis zuletzt ging er davon aus, dass die vergünstigte Mehrwertsteuer erhalten bleibe. „Wir haben ohnehin schon finanzielle Probleme“, sagt er. Für die Wirte sei die Lage schwierig. „Strom und Gas sind teuer und nun kommt noch die Mehrwertsteuer hinzu. Wir finden zudem keine Mitarbeiter. Das ist eine Katastrophe.“ Auch er rechnet mit Verlusten und befürchtet, dass weniger Kunden an seinen Tischen Platz nehmen. „Wir verdienen sowieso kein Geld und arbeiten eigentlich umsonst. Gastronomie macht keinen Spaß mehr.“

Die Sorgen teilt auch Zacharias Bazaidis, Inhaber des „Akropolis“. Er rechnet damit, dass er die Preise ab Januar um zwei oder drei Euro anheben muss. Wie seine Gäste darauf reagieren werden, weiß der Wirt nicht. Bazaidis überlegt, sein Lokal zu verkaufen. „Es geht so nicht weiter. Es ist schmerzhaft, aber ich muss es wahrscheinlich tun.“ Er sei gestresst, ihm fehle die Motivation. Gewinn mache der Gastronom bereits jetzt nicht mehr, ab Januar werde die Lage noch schlimmer. Das Geld reiche gerade so aus, berichtet Bazaidis. „Ich habe es früher mit Herz gemacht, mit Liebe.“ Nun habe er den Spaß an seinem Job verloren.

Oliver Kasties, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga Hessen, kann die Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht nachvollziehen. „Mit einer Steuererhöhung ab Januar werden Tausende Existenzen gefährdet, der Verlust von Lebensqualität und gastronomischer Vielfalt wird provoziert“, prognostiziert er. Kasties erwartet dramatische Folgen: Umsatzeinbußen in der Branche und bei ihren Partnern, Jobverluste, Betriebsaufgaben, Insolvenzen und marode regionale Wirtschaftskreisläufe.

Der Beschluss treffe zudem Normal- und Geringverdiener besonders hart, sagt der Hauptgeschäftsführer. „Respekt und Wertschätzung für das, was unsere Gastgeber mit ihren Beschäftigten leisten, hat die Politik mit dieser Entscheidung nicht gezeigt.“

Von Sylwia Golebiewska