130 freiwillige Helfer sammelten Müll bei der Aktion „Saubere Landschaft“ Wenn Zigarettenstummel zum Umweltproblem werden

Die Heusenstammer Gruppe „Naturengel“ schockierte die Teilnehmer an der Aktion „Saubere Landschaft“ am Samstag mit ihrem Fakten-Quiz, bei dem es kleine Preise zu gewinnen gab. Foto: m

Heusenstamm (m) – Ein einziger weggeworfener Zigarettenstummel vermag 40 Liter Wasser zu verseuchen.

Eine niederschmetternde Erkenntnis, die im Fakten-Quiz der „Naturengel“ zutage kam. Und die rund 130 verantwortungsbewussten Schlossstädter, die an der Aktion „Saubere Landschaft“ teilnahmen, pickten unzählige der kleinen Zeitbomben auf, die wenig umweltbewusste Zeitgenossen in der Landschaft „entsorgt“ hatten..

Mitglieder von acht Vereinen und eine private Gruppe machten sich auf ins Grün, bewaffnet mit Müllsäcken, Handschuhen und langen Greifern, um das Unmögliche möglich zu machen. Diane Lutze zog mit ihrem fünfjährigen Sohn Florian die Frankfurter Straße bis über den Goldberg hinaus, klaubte Strümpfe, Schuhe und Flaschen aus dem Gebüsch. Auf dem Rückweg überfiel die Mutter der Eindruck, „wir hätten von vorne anfangen müssen“, denn die Natur werde wohl schnell wieder allerlei Verpackungsmüll verkraften müssen. Zwischen Schwimmbad und Kläranlage waren einige Mitglieder der Freien Wähler unterwegs, die zum ersten Mal bei der Aktion mitmachten und die einzigen Politiker auf weiter Flur blieben. In ihren Säcken sammelten sich Strümpfe, Schuhe und Handschuhe, auch Flaschen und Bonbonpapier, berichteten die beteiligten Kinder stolz. Simone Paesler, Mitbegründerin der Naturengel, stieß auf eine einarmige Barbie-Puppe. Und auf eine komplette Kondom-Packung. Die Gruppe ist das ganze Jahr über aktiv und schockierte am Samstag mit ihrem Fakten-Quiz.

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Da lernten die Teilnehmer etwa, dass mehr als 80 Prozent der produzierten Kunststoffe nur ein einziges Mal verwendet werden, dass fünf Milliarden Plastikteile in den Weltmeeren schwimmen, der größte Teil der 6,9 Milliarden Tonnen Plastikmüll auf Deponien oder in der Umwelt landen.

Und dass sich eine PET-Flasche erst nach 450 Jahren in Mikroplastik aufgelöst hat.

Wer die Fragen richtig beantwortete, durfte sich einen Preis aussuchen. Kinder griffen nicht zu Büchern, Kalendern, Gutscheinen fürs Bad oder Trinkbechern, sondern wählten einen Müllpicker aus, berichteten die Eltern.

Vielleicht schaffe die „Fridays for Future“-Generation die Wende – immerhin, ein Dutzend Container, die der Bauhof einst auf den Parkplatz am Friedhof stellte, füllten die Müllsammler bei der jüngsten Aktion nicht mehr.

Zumindest für Jürgen Pfeiffer vom Fachbereich Steuern und Abfallwirtschaft ist das ein kleiner Lichtblick.

Vor 46 Jahren war die Stadt Heusenstamm einer der ersten Orte in der Republik, der einen „Frühjahrsputz“ mit Freiwilligen startete.

Erika Henneke, Helmut Sigel und Dietmar Tinat von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) gehören zu den Initiatoren.

Tinat war im Metzgergewand dabei, weil er unterstützt von einigen Helfern am Bannturm Bock- und Rindswurst verteilte. Eine Premiere feierte er diesmal außerdem mit einer kleinen veganen Pizza vom Bäcker, die auf reißenden Absatz stieß.

Schwärmten die Helfer bis vor ein paar Jahren stets am zweiten Samstag im März aus, so bevorzugen die Naturschützer mittlerweile den September, fern der Brut- und Setzzeit, erläuterte Pfeiffer. Manche Muttertiere störten Menschen im Feld nämlich derart, dass sie nicht weiter brüteten. Und das wollen die Aktiven freilich vermeiden.  

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