Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe startet Sonderverkauf Zweites Leben für Fahrräder

Glücklicher Käufer: Leopold (rechts) freut sich über sein neues Fahrrad. Bild: Scholze

Heusenstamm – Zuerst gilt es, sich einen Überblick zu verschaffen. Rund um den Parkplatz des Pfarrhauses St. Cäcilia an der Schlossstraße reiht sich Fahrrad an Fahrrad. Es gibt Mountainbikes, Tourenfahrräder und Rennbikes in allen Farben, schön anzusehen sind die Kinderrädchen für den bereits mobilitätssicheren Nachwuchs. Einmal mehr hat die Fahrradwerkstatt der Flüchtlingshilfe zum öffentlichen Sonderverkauf eingeladen. Im Angebot stehen rund 60 Fahrräder, die für einen Preis zwischen 50 bis 250 Euro an neue Besitzer gehen können.

„Wir bieten hier die eher hochpreisigen Räder an, die für die Flüchtlinge zu teuer sind, uns aber Geld für unsere Projekte bringen“, berichtet Hans Driedger, einer der Männer der ersten Stunde in der Fahrradwerkstatt. Schon von seiner Gründung an, im Jahr 2015 durch Rudolf Schmidt, sei das Projekt Fahrradwerkstatt ein großer Erfolg. Mittlerweile besteht das Team aus zehn Radbegeisterten, die sich selbst die Fahrradschrauber nennen. Sie treffen sich zweimal in der Woche mit dem Hauptziel, den Flüchtlingen, die in Heusenstamm Unterkunft gefunden haben, ein preiswertes Fortbewegungsmittel zu verschaffen. Dabei steht seit Beginn des Jahres vor allem eine Zahl für die Leistung der ehrenamtlichen Schrauber: Im Februar konnten sie das 1.000. Fahrrad übergeben. Jeweils dienstags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 10 bis 12 Uhr ist die Fahrradwerkstatt geöffnet. Dann nehmen sich die Helfer die gespendeten Räder vor, die neu reingekommen sind. „Wir sammeln, reparieren und machen die Räder verkehrssicher“, sagt Driedger. Manche Spende ist wie neu, andere sind in einem guten Zustand und haben Jahre der regelmäßigen Nutzung vor sich. Ebenso kommen Räder, die immerhin noch zum Ausschlachten geeignet sind und als Ersatzteilspender verwendet werden.

Für meist etwa zehn Euro gehen die bereits instandgesetzten Bikes dann an die Geflüchteten und Asylbewerber. „Ein Fahrrad wünscht sich fast jeder Flüchtling, der neu in unsere Stadt kommt“, weiß Driedger. Der Weg zu den Ämtern sei damit leichter zu bewältigen, ebenso geht es in die Schule und zu den Einkaufsmöglichkeiten. „Die Menschen können so auch einfach ihre neue Heimat kennenlernen“, sagt das Werkstatt-Mitglied. Immer wieder engagieren sich dann auch Flüchtlinge für das Projekt. „Eine Zeit lang hatten wir einen jungen Afghanen im Team, der in seiner Heimat ein Fahrradgeschäft hatte und uns sehr geholfen hat“, erzählt Driedger.

Rund 40 Zweiräder gehen monatlich an einen neuen Besitzer. „Wir geben bei jedem Kauf Infos zum Ablauf im Straßenverkehr mit und schauen uns vorher an, ob der Käufer tatsächlich fahren kann.“ Im Laufe der Jahre sei die Nachfrage nicht geringer geworden. Auch mit dem Erfolg des diesjährigen Frühlingsverkaufs zeigt sich Driedger zufrieden. „Die Reihen haben sich schon schwer gelichtet“, zieht er bereits nach der ersten Stunde Bilanz. Runde um Runde drehen die Käufer mit ihren Probefahrten auf dem Hof, gut angenommen wird genauso die Servicestation, an der das Team Sattel und Lenker einstellt oder den Reifen noch mal ein bisschen Luft einbläst.

Wie bei jeder öffentlichen Verkaufsaktion wird auch dieses Mal der Erlös zum Teil in den Ankauf von Werkzeugen fließen, profitieren werden auch soziale Projekte in der Stadt. Zu den Öffnungszeiten können nicht nur Räder erworben werden, das Team nimmt dann auch Fahrrad-Spenden und Zubehör entgegen. Ein nächster öffentlicher Verkaufstermin ist für den Herbst geplant.
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