LICHTBURG Stadt verleiht Kulturellen Förderpreis an Kinobetreiber Stefan Burger Für die Zukunft gewappnet

In Langen das Kinoglück gefunden: Inhaber Stefan Burger (links) nahm die Auszeichnung aus den Händen von Bürgermeister Jan Werner entgegen. Bild: Kegler

Langen – Das Knistern von Popcorn ist zu hören und die roten Sessel im großen Saal des Lichtburg-Filmtheaters sind fast alle besetzt. Doch die Aufmerksamkeit des Publikums gilt ausnahmsweise nicht dem Geschehen auf, sondern vor der Leinwand. In einer Feierstunde erhält der Betreiber des Langener Kinos, Stefan Burger, den Kulturellen Förderpreis der Stadt Langen.

„Das Kino ist der Ort für große Emotionen, bleibende Erinnerungen, Dramen, Träume und Visionen“, sagt Bürgermeister Jan Werner zu Beginn seiner mit allerlei berühmten Filmzitaten gespickten Laudatio. „Das Lichtspielhaus ist gleichermaßen Kulturstätte als auch sozialer Treffpunkt und damit ein wichtiger Ort für unsere Stadt. Dass wir in Langen überhaupt noch ein Kino haben, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Werner.

Er erinnert aber auch daran, dass die Lichtburg, in der am 8. Februar 1950 der erste Film über die Leinwand flimmerte, mehrfach vor dem Aus stand, bevor Stefan Burger das Haus 2019 übernahm. Seither habe er es sowohl mit cineastischer als auch wirtschaftlicher Kompetenz, vor allem aber mit Einfühlungsvermögen für das Publikum geführt und weiterentwickelt und ihm so wieder einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt verschafft. „Stefan Burger präsentiert sich mit einem hochqualitativen Filmprogramm generationenübergreifend als perfekter Gastgeber“, sagt der Bürgermeister.

„Als ich das erste Mal nach Langen gekommen bin und in das Kino geschaut habe, war das schon ein bisschen gruselig. Die Tür draußen war etwa 70 Jahre alt, im Foyer gab es keine Heizung, der Kinosaal hatte noch keinen Teppichboden, sondern nur rohe Holzdielen, und es war sehr düster“, erinnert sich Burger. „Ich habe vorher schon viele Kinos geleitet, konnte mir aber schwer vorstellen, dass das hier funktioniert und ich das Haus übernehmen werde.“ In seinen Lichtspielhäusern in Frankfurt und Dresden hatte er zum Beispiel zwölf Säle mit rund 3.500 Plätzen. „Das war schon eine andere Geschichte als in der Lichtburg, aber jetzt habe ich hier meine wahre Freude entdeckt“, sagt der Kinobetreiber, der das Haus gemeinsam mit den Eigentümern auf Vordermann gebracht, modernisiert und mit neuester Technik ausgestattet hat.

„Die ganz große Zeit der Kinos liegt lange zurück – auch in Langen. Heute brauchen Kinos in kleineren Städten Unterstützung, um wirtschaftlich zu überleben“, sagt Werner. Die Lichtburg habe den Wandel der Zeit jedoch gut überstanden und stehe heute, gut ein Jahr vor dem 75-jährigen Bestehen, prima da. Neben dem klassischen Programm organisiert Burger immer wieder besondere Events. Die Sneak Preview, Live-Begleitung von Stummfilmen oder die Reihe „filmreif“ sind ebenso fester Bestandteil wie das Open-Air-Kino im Freibad. „Ich plane fest damit, dass es das Kino in Langen in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch gibt“, sagt Burger. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, sollen daher im kommenden Jahr die Sitzreihen in den oberen beiden Sälen ausgetauscht werden – die stammen nämlich noch aus der Zeit des Vorbesitzers.

„Das Kino ist ein Treffpunkt für Menschen jeden Alters und die meisten haben auch wirklich Spaß daran. Wichtig ist nur, dass man dafür ein ordentliches Kino hat. Und das habe ich hier in Langen“, sagt Burger, der vor einem halben Jahr selbst an den Sterzbach gezogen ist und die Auszeichnung vor allem als Wertschätzung für seine Arbeit sieht. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen werde, aber ich fühle mich in Langen angekommen und wohl.“
 zmk