Hessen Forst setzt in Langen schweres Gerät zur Landschaftspflege ein Kahlschlag für den Kammmolch

Naturschutzmaßnahmen sehen manchmal – wie hier am ehemaligen Steinbruch – drastisch aus, sind aber erforderlich, um den schützenswerten Zustand zu erhalten. Foto: Forstamt Langen/p

Langen (red) – Im ehemaligen Steinbruch Koberstadt auf dem Oberen Steinberg hat Hessen Forst im Auftrag der Stadt Langen als Besitzerin des Geländes Pflegearbeiten vorgenommen. Damit soll der Zustand wiederhergestellt werden, den die dort lebenden Amphibien brauchen, um sich gut entwickeln zu können.

Der Steinbruch zwischen dem Naturfreundehaus und dem Gelände des Vereins für Polizei- und Schutzhunde ist sowohl als Naturdenkmal als auch als Flora-Fauna-Habitat ausgewiesen. Schutzgrund ist die Erhaltung eines geologischen Erdaufschlusses („Rotliegendes“) von besonderer Eigenart, Schönheit und naturgeschichtlichem Wert. Zudem leben dort geschützte Amphibien wie Kammmolch, Spring-, Wasser- und Grasfrosch sowie Fledermäuse.

Als Steinbruch genutzt wurde das Gelände bis 1955. 1992 wurde der Steinbruch vom Kreis Offenbach als Naturdenkmal ausgewiesen. Damals war er noch komplett mit Wasser gefüllt. Seit dem Bau der A 661 sind nur noch zwei kleinere Tümpel vorhanden, die in den Sommermonaten gelegentlich sogar ganz austrocknen. Laub und anderer Eintrag ins Wasser führt aber dazu, dass sich im Laufe der Zeit Faulschlamm am Grund der Teiche sammelt. Gleichzeitig wachsen Bäume und Büsche immer höher, was aus Sicht des Artenschutzes an diesen Stellen nicht gewünscht ist.

„Je mehr Schatten auf die Wasseroberfläche fällt, desto langsamer erwärmt sich das Wasser“, erklärt Peter Sturm, Leiter der Bereiche Dienstleitung und Hoheit beim Forstamt Langen. „Dadurch entwickelt sich der Amphibienlaich langsamer, was Fischen und Libellen mehr Zeit verschafft, die Eier zu fressen.“ Aus Sicht des Naturschutzes ist sogar das Austrocknen der Teiche im Sommer willkommen. Denn dann benötigen die Frösche und Molche kein offenes Gewässer, aber die Fische können nicht überleben. Daher sind die Teiche auch nicht zu tief ausgebaggert worden. „Wir haben den Faulschlamm beseitigt sowie die Gewässersohle moderat vertieft und damit die sogenannte Rohbodensituation wieder hergestellt“, erläutert Peter Sturm. „Und wir gehen davon aus, dass sich nun im Frühjahr wieder genug Wasser dort ansammeln kann, damit es bis zum Sommer reicht.“ Dazu wurden die Bäume und Büsche entfernt, damit die Sonne wieder ungehinderter auf die Teiche scheinen kann.

Gleichzeitig wurden die Büsche an den Steilwänden entfernt und die Einflugschneise zu den Fledermaushöhlen vom Bewuchs befreit. „Solche Steilwände sind selten und sollten deshalb in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten bleiben“, erklärt Peter Sturm.

Geplant hat die Maßnahmen die Obere Naturschutzbehörde auf Grundlage einer entsprechenden EU-Richtlinie. Diese schreibt vor, dass „günstige Erhaltungszustände“ für im Steinbruch vorkommende Lebensraumtypen und Arten gesichert oder wiederhergestellt werden müssen.

Auch wenn solche Pflegemaßnahmen im ersten Moment sehr drastisch erschienen, werde sich die Natur schon bald wieder so entwickelt haben, dass von den Arbeiten nichts mehr zu sehen sei, teilt die Stadt mit. Dann aber sei der Steinbruch wieder in dem Zustand, wie er früher war, damit sich die geschützten Amphibien- und Fledermausarten weiterhin wohlfühlten.

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