Theater-IG der Dreieichschule zeigt „Das Camp“ Der letzte Vorhang für Thomas Sturmfels ist in Langen gefallen

Regisseur Thomas Sturmfels darf bei seiner letzten Dernière im Anschluss an das Stück auf die Bühne, um sein schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen und wird in der Szene prompt mit einer Waffe bedroht. Foto: Greschner

Langen (gre) – Fünf junge, straffällig gewordene Mädchen teilen sich „Hütte 7“ eines US-amerikanischen Erziehungscamps. Drogen, Überfälle und Amokläufe stehen in den Akten der Mädchen. Beaufsichtigt werden sie von Camp-Leiterin Miss Hudson (Roya Hadji), Mister Stringer (Jakob Graf), Mister Franklin (Artur Berisha) und Reverent Nicholson (Mehmet Günes).

Nachdem sich ein Camp-Mitglied das Leben genommen hat, zieht die junge Lucy Scott (Jessica Spelten) ein und wird bald zum Opfer der Mädchen. Vor allen Dingen Nicole LaVey (Valerie Krems) kommt nicht mit der Neuen zurecht und gibt ihr den Spitznamen „Schrott“. Nicole darf nach gewalttätigem Verhalten auf der neuesten Errungenschaft des Camps – einem elektrischen Stuhl – Platz nehmen und verhält sich nach den Stromschlägen aggressiver als zuvor. Als sie auch Geena Granger (Tess Maurus) zu ihrer Zofe machen will, schreitet deren Schwester Cathrin Granger (Vanessa Schmaus) ein. Die Situation eskaliert: Cathrin muss ebenfalls auf dem „beliebtesten Möbelstück des Camps“ Platz nehmen und kommt bei der Folter zu Tode. Der darauf folgende Zusammenbruch von Geena schockt die Camp-Bewohnerinnen Brittany Dawson (Francis-Mae Hemmerle) und Sarah Singer (Alice Lösch) sowie die Aufseher. Diese Situation nutzt Nicole aus, bemächtigt sich einer Pistole und drückt ab.

Ein Schuljahr lang wurde wöchentlich geprobt, bevor die zehn Mitglieder der Theater-IG der Dreieichschule „Das Camp“ von Andreas Galk dreimalig in der Stadthalle aufführten. Es war das letzte von etwa 37 Stücken, die unter der Leitung von Thomas Sturmfels auf die Bühne gebracht wurden und bot einen würdigen Abschluss. In den vergangenen Jahrzehnten begeisterten Klassiker wie Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ (1984) oder Schillers „Maria Stuart“ (2012), aber auch eigene Stücke wie „Marionetten“ (2007) oder „Antigone oder so“ stets das Publikum. In all den Jahren war es Thomas Sturmfels stets wichtig, kein Stück doppelt aufzuführen.

Junges Ensemble zeigt Einsatz

„Das Camp“ vermittelte insgesamt eine düstere Atmosphäre. Gepaart mit dem ersten Thema der Auflehnung gegen Autoritäten bewegte es gerade auch durch das fehlende Happy-End. Auf der Seite der Aufseher begeisterte vor Allem Roya Hadji in der Rolle der Camp-Leiterin Miss Hudson. Sie schaffte es, das Publikum durch gezielt eingesetzte Mimik und Gestik zu schocken und gleichzeitig zu Tränen zu rühren.

Auf Seiten der Camp-Bewohnerinnen stach Valerie Krems als aufmüpfige, tyrannische Nicole LaVey mit ihren schauspielerischen Leistungen heraus, die mit ihrem Lachen das Publikum ansteckte. Diese zwei seien nur beispielhaft für das junge Ensemble genannt, das durch Textsicherheit und eine laute und deutliche Aussprache begeisterte.

Konzentration aufs Wesentliche

Die IG lenkte die Aufmerksamkeit der Zuschauer durch ein dunkles, zweigeteiltes Bühnenbild und den minimalen Einsatz von Requisiten auf das Wesentliche. So konnten die Nachwuchsschauspieler stets Spannung erhalten und das Stück gelungen umsetzen.

Im Anschluss an das Stück wird der Regisseur, wie jedes Jahr, auch nach seiner letzten Dernière unwissend in eine Szene eingebaut. Als „Mister Sturmfels“ wird er kurzerhand zum Psychologen, der den Zustand der Mädchen des Camps begutachten soll. Am Ende gerät er jedoch selbst in Gefahr und wird mit einer Pistole bedroht. Doch er überlebt die Szene und kann so nach einem, nicht enden wollenden, Applaus alle ehemaligen Schauspieler der Theater-IG aus den Jahren 1979 bis 2016 auf die Bühne bitten. Eingerahmt von mehreren Generationen Theatergeschichte, die er mit seinen Schülern geschrieben hat, verabschiedet sich der Lehrer, Schauspieler und Regisseur im Juli in die wohl verdiente Pension.

Mit seinem Abschied hinterlässt er eine große Lücke und die Ungewissheit, ob die Theater-IG der Dreieichschule weiterhin bestehen bleibt.

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