Langener Ebbelwoifest und Bachgassenmarkt Stöffche fließt bei Taufe und Krönung

Caro Richter, Vorsitzende der Jazz-Initiative Langen, wird vom Brunnenwirt Heinz-Georg Sehring zur „Lengenerin“ gedaaft. Foto: Postl

Langen (lfp) – Einmal musste es ja so kommen: Die Ebbelwoi-Daaf, der traditionelle Höhepunkt des Langener Ebbelwoifestes, fiel ins Wasser: „Das habe ich in all den Jahren, und ich bin schon ewig dabei, noch nicht erlebt. Aber was soll man machen?“, sagte Walter Metzger am frühen Samstagabend mit Blick in den Himmel, aus dem Regentropfen fielen. Nach kurzer Besprechung stand fest: Die Daaf und die Krönung von Ebbelwoikönig und -rittern wird auf Sonntag verschoben.

Hätten die Organisatoren den Termin – wie im Vorjahr – am Freitagabend belassen, wäre bestes Wetter gewesen. Doch die „Lengener“ sind flexibel, die meisten gingen erst einmal nach Hause – um später mit trockenen Kleidern wieder zu kommen. Beim traditionellen Ebbelwoianstich tags zuvor am Vierröhrenbrunnen herrschte strahlender Sonnenschein, so dass sich die meisten Besucher einen schattigen Platz in einem der etwa 40 Höfe und Gartenwirtschaften suchten. Doch allein der Weg dorthin war schweißtreibend, auf den Straßen und Gassen war kaum ein Durchkommen.

Noch schlimmer wurde es, als die Festbesucher wieder ins Freie drängten, um das Brillantfeuerwerk über der Stadtkirche zu bestaunen. „Der Freitagabend war wirklich einer der Besten seit vielen Jahren“, bilanzierte Walter Metzger, der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV), der das Ebbelwoifest organisiert. Der Samstag lief auch gut an, doch dann trübte sich der Himmel ein. Einige schienen gar darauf vorbereitet gewesen zu sein, denn sie schlenderten gemächlich unter einem „Plastiküberzug“ durch die nun ziemlich leeren Straßen.

Nur den Standbetreibern des schönen Bachgassen-Marktes „verhagelte“ der Regen erst einmal das Geschäft. In den trockenen Höfen ging das festliche Treiben freilich unvermindert weiter – bis später wieder alle kamen, und es noch einmal richtig voll wurde.

Die meisten waren am Sonntagmorgen wieder rechtzeitig fit, um an der traditionellen Ebbelwoistaffel teilzunehmen oder die Akteure mit anzufeuern. Viele Ebbelwoifest-Besucher mögen erstaunt gewesen sein, dass es kein großes Festzelt gab. Wie Festwirt Patrick Hausmann erläuterte, wollte man den Festplatz offener halten und stellte vor das kleinere Zelt mit der Bühne weitere Zeltpavillons und Schirme. So konnte die Ebbelwoi-Staffel, eine Geschicklichkeitsprüfung für die Teams, besser verfolgt werden.

„Na, seid ihr wieder alle da?“, fragte Brunnenwirt Heinz-Georg Sehring etwas scherzhaft und zielte dabei auf jene, die bereits am Samstag gedaaft werden sollten. Eine Abordnung des Orchestervereins Langen sorgte für den musikalischen Rahmen, dann wurde es spannend. Wer wird Ebbelwoiritter und wer König?

Unter großem Beifall wurden dann Horst Metzger, Sonja Marunde (in Abwesenheit) und Kirsten Jäckel zu Ebbelwoirittern gekürt. Eine Jury hatte den Ebbelwoi von Volker Trippel wieder einmal fürs beste Stöffche der Saison befunden – und damit seinen Erzeuger zum Ebbelwoikönig gemacht. Der Kaffeemaschinendoktor aus Langen war bereits viermal Ebbelwoiprinz und in den Jahren 1999 und 2001 Ebbelwoikönig – und ist es jetzt zum dritten Mal.

Die Spannung der vergangenen Jahre, welcher „Eigeplackte“, also Zugezogener, mit der „Daaf“ zum echten Lengener gemacht wird, war verflogen, da die Kandidaten bereits im Vorfeld vorgestellt wurden. „Wir hoffen, dass dadurch wieder mehr Leute zur Daaf kommen“, begründete Walter Metzger den Schritt. Eines müssen die Täuflinge jedoch vorweisen können: Sie müssen sich ehrenamtlich in Vereinen oder Institutionen eingebracht haben. So fiel die Wahl auf Ilse Ansmann, Caro Richter, Abdallah Frangi und Werner Weigand. Die Tradition schreibt vor: So viel wie möglich aus dem Bembel trinken, denn nur den Rest bekommt mal als „Taufwasser“ übergeschüttet. Ganz austrinken wäre allerdings auch nicht sonderlich klug, denn dann wird dem Bembel neu befüllt.

Carolina „Caro“ Richter wurde in Osterholz-Scharmbeck geboren und lebt seit 18 Jahren in Langen. Die ehemalige Fremdsprachenkorrespondentin und Flugbegleiterin ist seit 2014 Vorsitzende der Jazz-Initiative Langen. „Handkäs’ ist nicht so meine Spezialität und Ebbelwoi geht nur beim Ebbelwoifest“, gibt sie offen zu. Zum Erstaunen aller verzichtete sie auf das übliche „Taufkleid“ und ließ sich den Ebbelwoi so über den Kopf schütten. Das „Frankfurter Mädsche“ Ilse Ansmann kam 1971 eher zufällig nach Langen. „Mein Mann und ich haben damals ein schönes Häuschen am Waldrand gesucht – und dies haben wir im Neurott gefunden“, erklärt sie. Ilse Ansmann schwingt seit über 30 Jahren beim Tennisklub dreimal wöchentlich den Schläger und singt im Kirchenchor von Martin Luther. Von 2015 bis zur Auflösung 2018 war sie im „Café Welcome“ für Flüchtlinge aktiv, seitdem ist sie bei den „Beigen Damen“ in der Betreuung von Patienten in der Asklepios Klinik, insbesondere in der geschlossenen Abteilung der Klinik für Psychische Gesundheit, tätig.

Von der Bahn zum Rad ist für Werner Weigand, in Bad König im Odenwald geboren, zur Überzeugung geworden. Im Beruf war Weigand Planer bei der Deutschen Bahn und ist im Ruhestand noch gelegentlich Berater – unter anderem für die Stadt Langen in Sachen Regionaltangente West. Werner Weigand war 2008 Mitbegründer des ADFC Langen/Egelsbach und ist Vorsitzender der Ortsgruppe. Etwa 4.450 Kilometer liegen zwischen dem Geburtsort von Abdallah Frangi in Beerscheba in Palästina und seiner zweiten Heimat Langen. Als Student kam er nach Deutschland, heiratete eine Langenerin und lebte bereits von 1962 bis 1968 hier. Seit fünf Jahren ist Langen wieder sein Erstwohnsitz. Abdallah Frangi war Berater von Jassir Arafat und berät heute Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.

Mehr Eindrücke vom Ebbelwoifest gibt es in der StadtPost-Bildergalerie

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