„Kleine Kneipe“ in Lämmerspiel trifft der zweite Lockdown hart Alle Mühen waren vergeblich

Auf die gemütlich-heimelige Atmosphäre in der kleinen Kneipe in Lämmerspiel müssen die Gäste mindestens den November über verzichten. Foto: m

Mühlheim (m) – So schön hatten es Thinh Ngoyen Van und seine Frau Anna ihren Gästen gemacht. Zwei urige Hütten zieren den Hof der Kleinen Kneipe, ausgestattet mit einem wärmenden Ofen und liebevoll gedeckten Tischen. Auch den einstigen Hühnerstall hatten sie herausgeputzt, wie in der Gaststätte Plexiglas-Trenner installiert. Und jetzt? - „Alles umsonst“, sagt der Wirt enttäuscht angesichts der staatlich verordneten Schließung der Gaststätten.

Die Holzhäuser stammen aus der Schreinerwerkstatt von Vereinsmensch Peter Helmle und dienten bisher als Verkaufsstände bei Kerb und Weihnachtsmarkt. Der Gastronom des beliebten Treffpunkts an der Hausener Straße hat sie coronagerecht umgebaut und ausgestattet. Jede Hütte ist für fünf Personen ausgestattet, mit Tisch und Stühlen, einer Gasheizung und einem elektrischen Kamin mit flackernden Flammen im Retro-Stil. An der Wand prangen Poster im alpenländischen Stil.

Dazu hat der Gastgeber einen ehemaligen Stall hergerichtet, mit Laternen, Holzrädern und historischen Gartengeräten dekoriert. An der großen Tafel finden zehn Personen Platz. Doch mittlerweile sieht es so aus, als seien alle Mühen vergeblich gewesen. Ob die Politiker am Ende des Monats das Leben wieder zulassen, steht in den Sternen.

Ein großes Zelt hat der Pächter mit einem Heizstrahler für Raucher hergerichtet. Im Gastraum konnten 20 Leute Platz nehmen – früher waren es 35. „Die Leute waren begeistert, fast jeden Abend war alles ausgebucht“, berichtet der emsige Unternehmer. Alle 14 Tage veranstaltete er ein Schlachtfest, dann gab’s Platten mit Haxe, Leiterchen, Haspel und gekochtes Rippchen, „alles hausgemacht“, erzählt er.

Seine Spezialität aber ist das Sitzhähnchen aus dem Steinbackofen, eine eigene Kreation. „Das Fett fließt nach unten, das Fleisch wird knusprig“, erläutert der kreative Restaurantfachmann. Auf seiner Speisekarte finden sich außerdem geräucherte Forellen aus Seligenstadt, Rinderrouladen und Nudeln mit Hühnerfleisch, Ente und vegetarische Varianten, Gemüse und Suppen, Salat nach asiatischer Art.

„Aufgrund der beschlossenen Verordnung können wir bis Ende November keine gemütlichen Plätze zur Verfügung stellen“, schreibt der Wirt seinen treuen Besuchern übers Internet. „Die Kunden äußern Mitleid mit mir“, berichtet er. „Ich werde einen schweren Monat haben. Wir haben wegen Corona so viel vorbereitet, uns so viel Mühe gegeben, und jetzt?“ Thinh Ngoyen ist aufgewachsen in Hai Phong in Vietnam. Seine Eltern kamen vor 40 Jahren zum Arbeiten in die DDR, er begann mit 20 in Eisenach, Landmaschinen zu montieren, bewährte sich aber schon früh als Hobbykoch. 1990 ging der junge Mann in den Westen, war zunächst noch im Maschinenbau tätig. 2000 machte er sein Steckenpferd zum Beruf, startete in Limburg und Klein-Auheim in der Gastronomie.

Vor viereinhalb Jahre übernahm der 59-Jährige das Lokal in Lämmerspiel, freut sich über treue Stammgäste und viel Laufkundschaft. Auch den zweiten Lockdown versuchen er und seine Frau mit Liefer- und Abholservice zu überstehen.

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