Karl und Elke Rauch öffnen ihre Krippenausstellung in einer Dietesheimer Scheune Alles ist aus Holz hergestellt

Ausstellung zur Weihnachtszeit: Karl Rauch zeigt verschiedene Holzfiguren, die er nun in einer Scheune in der Hauptstraße 10 präsentiert. Foto: m

Mühlheim (m) – Nicht nur Dietesheimer erinnern sich noch gerne an den einzigartigen Laden im Basaltsteinhaus am Dalles. Ein warmes Licht empfing Kunden aus nah und fern, wo Karl und Elke Rauch nicht nur zur Weihnachtszeit Krippenfiguren verschiedener Schnitzer-Werkstätten in Südtirol anboten. Das Schaufenster, an dem sich Kinder und Eltern gemeinsam die Nasen platt drückten, gibt’s nicht mehr, die Ausstellung schon: Sie zog ein paar Hausnummern weiter und öffnet jetzt in einer Scheune an der Hauptstraße.

Sieben Jahre ist es her, dass Karl und Elke Rauch ihren Traum aufgeben mussten, das Gebäude wurde verkauft, erklärt Karl Rauch den Auszug. „Wir besuchten regelmäßig Messen und Künstler“, blickt er zurück. Sie hielten die komplette Heilige Familie, die Weisen aus dem Morgenland, Hirten, Schafe, Ochs und Esel sowie Engel in ganz unterschiedlichen Stilen bereit. Kirchengemeinden wie Kinder waren die Kunden, ergänzten ihre Krippen je nach Budget. „Zwischen den Jahren kam oft der Anruf für die Heiligen Könige“, erinnert sich der Kaufmann.

Eigentlich hat er nichts mit der Holzverarbeitung am Hut. Der gebürtige Unnergässler hat 1962 bei der Firma Otterbein den Elektriker-Beruf erlernt. 15 Jahre ist er in dem Betrieb geblieben, nach einem Auftrag in der damaligen Pelzbude am Grünen See wechselte Rauch in die Rauchwaren-Branche nach Frankfurt. Später war er Lagermeister bei Alibert am Südring. 1969 heiratete er, die Ehefrau begann als Einzelhandelskauffrau beim Schuhhaus Thon in ihrer Heusenstammer Heimat. In der Mühlenstadt war sie als Verkäuferin beim Bäcker Gutwerk an der Elisabethenstraße bekannt.

Alles begann, als sie mit den Kindern nach Österreich zum Skifahren gereist waren. Die Familie bewunderte Schnitzereien gegenüber ihres Gasthauses, wünschte sich auch eine solch eindrucksvolle Krippe wie im Schaufenster. Also, nächstes Jahr Urlaub oder Krippe? Beides hätte je rund 3000 Mark gekostet. Der Nachwuchs entschied sich für die Ferien am gleichen Ort, dafür hat der Papa daheim mehrere Krippen gebaut. Die waren mit Plastikfiguren vom Autohaus ausgestattet und bei einer Aktion der Initiative „Erstmal seh’n, was Dietesheim hat“ in der Garage zu sehen.

Im Folgejahr zeigten die Rauchs auf dem Mühlheimer Weihnachtsmarkt eine Krippe von Schreiner Karl-Heinz Fleckenstein mit Figuren aus St. Ulrich im Grödnertal in Tirol. Rauchs veranstalteten fort-an Ausstellungen in ihrer Wohnung. Als das Bettenhaus Winter 1998 seinen Ausstellungsraum verließ, erhielten die Nachbarn die Fläche in bevorzugter Lage. Elke Rauch stand morgens in der Bäckerei, nachmittags im eigenen Laden.

Die Rauchs fuhren regelmäßig ins Grödnertal, zogen von Werkstatt zu Werkstatt, pflegten ein „super Verhältnis“ zu den Schnitzern. Als in der Klein-Auheimer Pfarrkirche St. Peter und Paul das Jesuskind und ein Schaf aus der Krippe gestohlen waren, forschten sie nach den Herstellern, malten den Stempel von einem übrigen Schaf ab und fanden so den Betrieb.

Man lud sich gegenseitig ein, die Künstler wohnten während der Messe in Frankfurt bei Rauchs. Auch nach der Schließung des Geschäfts besuchten die Dietesheimer Händler einmal im Monat den Handwerkermarkt in Bad Soden-Salmünster, präsentierten eine Auswahl im Hessischen Rundfunk und im Seligenstädter Kloster, brachten Werke bis nach Herleshausen, versandten Bestellungen nach Prospekt bis nach Eisenach.

Doch die Pandemie machte diese Verkaufswege unmöglich. Jetzt öffnen die Rauchs die Scheune hinter ihrer Wohnung in der Hauptstraße 10. Der Gastgeber hat neben Engeln und Schutzengeln auch Katzen, Eulen, lustige Hasen und Blumen gefertigt, kernige Sprüche in hölzerne Herzen gebrannt. Und natürlich hält das Ehepaar Kleinteile für Krippen bereit, Lämpchen, Trafos und Dekoration. Auf ihren Adventskranzböden können Figuren, Bäume und Kerzen nach Gusto in vorgebohrte Löcher gesteckt werden. Kruzifixe gibt’s von 20 Zentimeter bis einen Meter Höhe. Unter Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln kann freitags ab 14 und samstags von 10 Uhr bis 18 Uhr gestöbert werden.

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