Im Jahr 1945 traf er zu Fuß in Mühlheim ein und ist seitdem in der Mühlenstadt fest verwurzelt Bruno Winter feiert seinen 95. Geburtstag

Zum 95. Geburtstag reisten seine fünf Kinder, zehn Enkel und neun Urenkel aus der ganzen Welt an, um mit ihm zu feiern. Foto: m

Mühlheim (m) – Ein Bauunternehmer mit Weitblick feierte am vergangenen Freitag seinen 95. Geburtstag. Bruno Winter schuf mit seiner Firma die Vergrößerung der St. Markuskirche. Heute möchte er Europa festigen und richtet einen leidenschaftlichen Appell an seine Mitbürger, zur Wahl zu gehen.

Der Jubilar erblickte an der Offenbacher Straße das Licht der Welt. Er wuchs als jüngster von drei Brüdern auf, der Vater hatte 1932 mit seinem ältestem Sohn ein Maurergeschäft eröffnet. Weil er sich nicht der Hitler-Jugend anschloss, musste Bruno Winter samstags in einen zusätzlichen Mathematik- und Politik-Unterricht. Im Alter von 18 Jahren musste er sein Studium zum Ingenieur unterbrechen, um in den Krieg zu ziehen. Nach der Ausbildung in Aschaffenburg wurde er nach Frankreich beordert, wo er erkrankte.

In einem Hospital, das von Nonnen geführt wurde, behandelten sie ihn wie einen Einheimischen, erzählt der Senior, nicht wie der Feind. „Dann wurde ich in eine Tropenuniform gesteckt und nach Afrika gebracht“, aber dort war der Krieg bereits vorbei.

Winter kam auf die griechische Insel Kefalonia. Aus italienischer Gefangenschaft konnte er mit Hilfe deutscher Truppen entkommen, von der Insel Korfu gelangte er zu Fuß bis an die österreichische Grenze, geriet in englische Gefangenschaft. Erneut floh er und meldete sich in Spital bei den Amerikanern.

Die brachten ihn in ein Auslieferungslager nach Aalen in Württemberg. Im Juni 1945 traf er zu Fuß in Mühlheim ein. Seine heutige Ehefrau lief gerade zu Beginn der Sperrstunde vor ihm über die Straße, war bei seiner Stiefschwester zu Besuch.

Von diesem Augenblick an traf sich das Paar häufiger.

Bruno Winter hat sofort sein Studium wieder aufgenommen, wollte „so schnell wie möglich heiraten“. Vor 73 Jahren gab er seiner Hanni das Ja-Wort, nachdem er sein Examen abgelegt hatte. Dann trat er in die Firma des Vaters an der Albertstraße ein. Mit dem Aufschwung in der Baubranche übernahm er 1949 die Geschäftsführung. Zu den Aufträgen zählte die Erweiterung von St. Markus. Danach eröffneten Winters ein Beton- und Fertigstahlwerk in der Industriestraße.

Sie wohnten zuerst in seinem Elternhaus an der Offenbacher Straße. Die Familie zog ins erste Eigenheim an der Paulstraße, 1962 in das größere Anwesen auf dem Firmengelände Albertstraße, das auch das Büro beherbergte.

Von dort hilft er einem Sohn bei der Hausverwaltung. Zum Geburtstag gratulierten fünf Kinder, zehn Enkel und neun Urenkel, die zum Festtag von Frankfurt, Potsdam, Italien, den USA und Australien anreisten. Winter ging früher regelmäßig auf die Langlaufpiste, hegt den Garten vor und hinter dem Haus, macht täglich Fitnessübungen.

Seit 34 Jahren liest er die Offenbach-Post - mittlerweile als E-Paper am Computer.

„Gottvertrauen und Dankbarkeit für die Familie sind das höchste Gut“, sagt er. Aufgrund seiner Erlebnisse in der Nazi-Zeit kann er nicht verstehen, dass so wenige Leute wählen gehen. „Sie haben mir die Jugend geraubt, von vier Freunden bin ich als einziger heimgekommen.“ Nun baut er auf Europa.

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