Freibier, Musik und gute Laune

Dietesheimer feiern vier Tage lang ihre Kerb

Mit dem deutlich sichtbaren Kerbborsch ging es von Station zu Station durch die Dietesheimer Straßen, das Abholen des Borsch ist einer der Höhepunkte der viertägigen Veranstaltung. Foto: pro

Mühlheim (pro) - War es jetzt das Wunder von Dietesheim oder ein Sabotageakt des Müllerborschen? 40 Jahre lang hat es nie zum Kerbauftakt geregnet, behaupten Basaltköpp, die es wissen müssen. Nun drohte die Rückkehr des stillen Herrschers regelrecht ins Wasser zu fallen.

Doch gerade als der Zug der Musikanten in den Hof der Familie Benner einbog, um den Borsch abzuholen, stellte der Wetterheilige Petrus sein feuchtes Treiben ein.

Was wäre Dietesheim ohne seine Kerb! Udo Parakenings, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats von St. Sebastian, erinnerte zum kleinen Jubiläum an die Entstehung des Brauchs. 1976 lud die Kolpingfamilie zu einem Sommerfest auf den Mainwiesen ein. Das Fest am Fluss fand immer mehr Anklang in der Bevölkerung. Dennoch war die Ausgabe zum 25-jährigen Bestehen der Gemeinschaft 1975 zugleich die letzte. Der Aufwand für Auf- und Abbau sowie die Forderungen des Naturschutzes ließen die Akteure nach einer neuen Heimat der Tradition suchen. Das war nach Absprache mit dem PGR ab 1977 der Garten des damals leerstehenden Schwesternhauses.

In den ersten zehn Jahren lief das Sommerfest zu Kirchweih unter der Regie von Kerbmeister Reinhard Ricker. 1987 und 2002 folgte Stefan Heberer, dazwischen leitete Gerhard Kaspar die Geschicke und seit fünf Jahren stehen Akkordeonspieler Waldemar Pisalla, Stefan Friedrich, Thomas und Uli Ricker an der Spitze.

Zu einem Höhepunkt der viertägigen Großveranstaltung entwickelte sich das Abholen des Borsch, der anfangs von der Familie Moll, seit 1986 von Kerbmutter Hedwig und ihrem Mann Reinhold Benner zu den „Dietesheimer Nationalfeiertagen“ herausgeputzt wurde.

Zum runden Geburtstag übernahm deren Tochter Sonja die ehrenvolle Aufgabe und präsentierte am Samstag ihren Traummann. Der Prinz Charles der Basaltköpp trug einen Drei-Tage-Bart, Zylinder, weißes Hemd und Jeans, hockte nun mit Fliege, Hosenträgern, Handschuhen und einer Flasche Bier anstelle des Sektglases auf dem hölzernen Thron. Marc und Jan Stingel, Nick Zortea und Fabian Streb trugen den neuen Kerbborsch von Station zu Station.

Zum Start kredenzte die Familie Benner Gespritzten und kühle Blonde, dann ging’s zum Kerb-Urgestein Ewald Ricker, wo selbst gekelterter Äppelwoi auf die hohen Gäste wartete. Die Wingertstraße hinauf wartete die Familie Ries mit der nächsten Versorgung, um die Ecke gab’s beim Kerbmacher Gerhard Kaspar eine weitere Stärkung. Simone Meier, Mitorganisatorin der Kolping-Fastnacht, und ihre Mitbewohner verteilten im Bornweg frische Schokoküsse, Reinhard Ricker vom Verwaltungsrat der Pfarrei und seine Familie hielten Bretzel bereit.

Am Schwesternhaus wurde der Borsch auf seinem Brauerei-Stuhl in luftige Höhen gezogen, vom ersten Fenster im ersten Stock des Schwesternhauses überwachte er bis zu seinem Abbleben am Dienstagabend die Dietesheimer Kerb. Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter stach versiert mit zwei kräftigen Schlägen das Freibier-Fass am Eingang an.

Die Band Countdown spielte zum Auftakt aktuelle Hits, die Dixie Swingers verbreiteten zum Frühschoppen nach dem Festgottesdienst volkstümliche Stimmung. Am Montagabend gaben sich die Basaltköpp’ ganz hessisch, servierten Handkäs’ mit Musik zum Äppelwoi. Beim Vereins- und Firmen-Dämmerschoppen erhielt jede Gruppe, die mit mindestens zehn Mitgliedern im selben T-Shirt oder in einheitlicher Arbeitskleidung erschienen war, ein Frei-Körbchen Bier. Und vor dem Taschentücher-Schwenken am Dienstag standen Pellkartoffel mit Blut- und Leberwurst oder Kräuterquark auf der Speisekarte, die Kapelle T & T begleitete neben den Kerb-Musikanten die Beerdigung des Borschen.

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