Zwischen Gaststätte, Pfarrheim und Feuerwehr Fastnachtszug abgesagt: Lämmerspiel feiert trotzdem

Obwohl am Fastnachtsdienstag der Lämmerspieler Umzug ins Wasser gefallen ist, gefeiert wurde trotzdem. Vereinsheime und Hallen waren ab dem Nachmittag voll. Foto: pro

Mühlheim (pro) – So einen Fastnachtszug hat Lämmerspiel noch nicht gesehen. Ziehen sonst Wagen und Fußgruppen an den Zuschauern vorbei, ist diesmal scheinbar der ganze Ort in Bewegung. Die Narren ziehen von der TSV-Gaststätte zum LCV-Haus, ins Pfarrheim und zur Feuerwehr. Überall tobt der Bär, spielen Bands, gibt’s Speisen und Getränke.

„Wir wollen das Beste draus machen“, sagt Wolfgang Straub und zuckt mit den Schultern. Der Zweite Vorsitzende des Lämmerspieler Carnevalvereins steht vor dem Ministerwagen, auf dem einige Fastnachter stehen, Papiertüten mit „P“ und „L“ verteilen, Brötchen mit Presskopp oder Leberwurst. „Das haben wir alles eingekauft“, sagt einer und deutet auf die Plastiksäcke voller Bonbons, allein die Metzger-Spezialität aus Hausen würde nicht bis zu einem Ersatztermin durchhalten.

Ob es einen solchen geben wird, steht in den Sternen. „Die Terminkalender sind voll“, sagt Vereinsmensch Straub. Es ist der Verein für Brauchtumspflege (VfB), der für den Zug verantwortlich zeichnet – und ihn um zehn Uhr am Vormittag abgesagt hat. Matthias Schmitt, Ex-Prinz Georg Fischer und LCV-Sitzungspräsident Alex Franz haben den folgenreichen Entschluss gefasst und den närrischen Lindwurm in Lämmerspiel abgeblasen.

Versicherung zahlt nicht mehr

Sie befürchteten Sturm, und ab Windstärke acht zahle die Versicherung nicht mehr, hieß es. Die Absage sei „im Sinne der Teilnehmer“ gefallen, zitierte Straub. Mühlheims Prinzessin Lisa I. und ihr Prinz Julian I. fürchten mehr den Regen, treffen ganz in Plastikplanen gehüllt und unter roten Regenschirmen in der Faschingshochburg ein, um dort heftig mit Süßigkeiten um sich zu werfen. Zofen wringen das durchnässte Kleid der Regentin aus.

Dazu treffen Cliquen in den Kostümen ein, mit denen sie die Blicke auf sich ziehen wollten. Das gelingt nun im Saal des Carneval-Vereins am Offenbacher Weg, Gruppenfotos werden geschossen vom Damenballett in Flieger-Uniformen, von der „Mühl-Hausener“ Künstlern, die als Clowns mit blauen Haaren erschienen sind, von Babbschern und der napoleonischen Armee, die früher einmal bei der TSV Fußball gespielt hat.

Ballermann bei der Feuerwehr

Die Grenadiere marschieren mit ihren Herrschaften ins nahe Pfarrheim. Die heimlichen Tollitäten bilden das Dreigestirn, Prinz Berti, Bauer Freddie und Jungfrau Günter. Ein Pfiff mit der Trillerpfeife und die Truppe steht stramm, macht sich auf zur Heinzens Garage, wo der unbenutzte Fastnachtswagen im Trockenen steht. Auf der Bühne spielen die heimischen Heimatsterne mit sechs Musikern, präsentieren ein eigenes Lämmerspiel-Lied.

Nächste Station Feuerwehr: In den Fahrzeughallen erschallen die Ballermann-Hits aus den Boxen, Ex-Wehrführer Bernd Schwerzel tanzt im Schatten eines Löschfahrzeug, ein paar „Eisbären“ schmettern die Lieder mit. Zurück zum LCV. Dort herrscht Andrang einer ganz anderen Dimension, ein Dutzend junger Narren muss im Regen verharren, weil niemand reingelassen wird. Dann, kurz vor halb sechs, erhellt doch noch die Sonne den Himmel orange-gelb. Jetzt hätte er starten können, der Fastnachtszug.

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